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Dieses Thema hat 88 Antworten
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 Behaviour (öffentlich)
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Wolfsblut Offline




Beiträge: 82

24.11.2011 00:30
Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Ich sitze hier und heule mir die Seele aus dem Leib. Bis zu unserem allabendlichen Gassigang war alles schick. Es sollte endlich mal wieder ein gemütlicher Abend werden. Aber wie heisst es so "schön"? Erstens kommt es anders ... zweitens als man denkt.

Aber ich fange einfach mal von vorne an:

Bo, mein unkastrierter Hollands Herder Junge ist mit etwa 10 Wochen bei uns eingezogen. Er kommt von einer irrsinnig tollen Züchterin (ich dachte schon fast, dass es so etwas gar nicht mehr gibt). Sie hat sich alle Mühe gegeben, den Rackern alles mitzugeben, was sie in ihrem Leben brauchen. Wirklich herausragend war die Aufzucht.
Wir haben den kleinen Mann abgeholt mit der Information, dass er der stärkste im Rudel war. Zuhause angekommen, habe ich ihn erst mal ohne Caya (die im Auto wartete), sein neues Umfeld erkunden lassen. Nach drei Minuten fand er ein Spielzeug, was er sofort als sein Eigenes anseh (obwohl ich dachte, alle "Ressourcen" weggeräumt zu haben). Es war ein Kuscheltier. Als er es zerpflücken wollte, ging ich zu ihm hin um ihm das Tier wegzunehmen. Oh Ha ... da knurrt und fletscht mich das kleine Wollknäuel an. Natürlich hab ich das nicht durchgehen lassen. Das Kuscheltier war meins.
Danach lief alles bestens. Ich hab ihn überall mit hin genommen. Er lernte alles kennen und zeigte sich wirklich fantastisch.

Mit etwa 6 Monaten musste Bo dann für einen ganzen Monat zu Freunden, da ich im Krankenhaus lag. Sowie ich das einschätze, durfte er dort weitestgehend alles, wurde verwöhnt und es ging ihm gut.

Etwa mit dem 7. Monat gab es die ersten Probleme. Bis dahin waren wir regelmäßig auf dem Hundeplatz und auch auf Hundewiesen unterwegs. Dort zeigte er sich nie ängstlich. Er war schon echt dreist manches mal, so dass ich ihn auch schon mal von einem anderen Hund "pflücken" musste. Meine Einschätzung: ein sehr selbstbewusster Lausbub, der seine Grenzen testet, aber in keinem Fall aggressiv war. Er hat sehr intensiv kommuniziert, wodurch die meisten Konflikte erst gar nicht entstanden. Ich habe mich bemüht, meist mit ihm alleine unterwegs zu sein, damit er sich von Caya nicht irgendein aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden abschauen kann.

Im 8. Monat gab es eine Begegnung ohne Leine mit einer etwa 2 Monate jüngeren Aussie-Hündin. Alles lief problemlos. Bis die Aussie-Hündin sich "erdreistete", Bo zu zwicken. Sofort hat er sich auf sie gestürzt. Sie lag unten und Bo stand über ihr. Aber alles ohne Schaden. Er hat - so meine Meinung - auch da sehr klar kommuniziert und war in seinem Verhalten nur wahnsinnig konsequent. Erschreckend konsequent, wie ich fand. Die Besitzerin schrie los, so dass ich Bo sofort von der Hündin "pflückte". Seitdem habe ich ihn nicht mehr frei laufen lassen.

Bis vorgestern war dies STAND DER DINGE:

Wenn Bo einen Hund sieht (auch wenn der noch 200 Meter entfernt ist), scheint eine Sicherung bei ihm rauszufliegen. Er wird wahnsinnig böse und beisst in alles, was ihm vor die Schautze kommt. Auch nach mir. Ich bin auch schon einmal an der Hand operiert worden wegen einem Biss durch ihn. Das Ganze ist so heftig, dass selbst ich mittlerweile vor ihm Angst habe.
Ich habe viel versucht. Meist nur mit kurzem Erfolg:

- Mit Wasser bespritzen
- Ihn massiv körperlich tadeln
- Bitte verzeiht mir - auch alle Formen, den Hund mit Starkzwang zur Raison zu bringen, habe ich probiert. Zwar nur kurz. Aber es war klar: Bo legt noch mal 500 % an Aggression drauf, wenn man ihm wehtut (bitte verzeih auch du mir, Bo. Ich hätte nicht anders reagiert an deiner Stelle)
- Ablenken mit Spiel (er verfügt über einen wahnsinnigen Trieb auf Bälle) oder Leckerlies (auch sein Futtertrieb ist überdurchschnittlich)
- Anleinen an einen Baum und kommentarlos von ihm weggehen
- Leine immer locker halten, damit er die Verbindung zur Leine nicht hat.

Ich bin am Ende meiner Ideen. Einem so aggressiven Verhalten bin ich noch nie zuvor begegnet. Und das, obwohl ich im Bereich der Hundeausbildung schon wirklich viel gesehen habe. Und auch Kaya war 5 Jahre lang ein wirklich aggressiver Hund, der auch massiv beschädigend biss. Ich dachte immer, dass es nicht schlimmer geht. Ich hatte ihr damals versprochen, sie nicht im Stich zu lassen und die Suppe mit ihr auszulöffeln. Mit Erfolg. Aber ich hatte nie Angst vor ihr. Sie hätte mir nie etwas getan ...

Vor Bo habe ich Angst. Große Angst ... sobald wir zur Tür raus sind. Zuhause ist er ein echter Traumhund.

Und das ist seit vorgestern STAND DER DINGE (2):

Er geht jetzt genauso aggressiv gegen Menschen.

Es ist ein Spießrutenlauf. So kann es nicht weitergehen.
Und sicher hat der ein oder andere hier ähnliche Sorgen und kann vielleicht auch verstehen, dass man schon hier und da über eine Trennung nachdenkt.

Ich kann nicht mehr.

Einziger Lichtblick: Am 7.12. haben wir eine erste Trainingseinheit mit einer wirklich guten Trainerin. Bis dahin hoffe ich, ihn ordentlich an den Maulkorb gewöhnt zu haben, so dass er diesen akzeptiert.

Vielleicht habt ihr ja Gedanken zu diesem Verhalten. Mit Sicherheit gibt es auch offene Fragen, die ich gerne versuche zu beantworten.

Was vielleicht auch nicht ganz unwichtig ist um die Darstellung richtig einschätzen zu können: ich bin schon viele Jahre im Bereich des Diensthundewesens "unterwegs", habe viel mit wirklich aggressiven Hunden zu tun gehabt. Aber Bo ist ein Kaliber, welches sowohl ich, als auch alle, die ihn "erlebt" haben, noch nie gesehen haben.

Ich bin jedenfalls verdammt traurig, enttäuscht und auch irgendwie sauer. Vor allem auf mich. Denn irgendwas mache ich verkehrt

Liebe Grüße
Jule mit Caya & Bo

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.050

24.11.2011 02:33
#2 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Klingt sehr maliziös bzw. sehr nach Herder, die Triebtäter unter unseren Hunden so sind sie, in einer halben Sekunde von 0 auf 300. Und ehrlich gesagt, nach Nervenstärke klingt es nicht gerade, was Du beschreibst, eher nach dem klassischen Weg in die Aggression.

Heißt: Erster Kampf wegen einer Ressource schon als Welpe. Hund lernt: Knurren bringt mir nichts. Und weil er ein cleverer Bursche ist, merkt er sich das und knurrt beim nächsten Mal lieber nicht mehr, sondern legt gleich eins drauf. Versuche mit Zwang u.ä., verstärken einen solchen Weg leider, und am Ende steht genau der Hund, der irgendwann nach allem und jedem und manchmal nicht mehr nur schnappt. Das Gemeine ist: Er tut es zurecht. Er tut es absolut folgerichtig, sein Handeln ist logisch. Denn aus seiner Sicht bedroht Dein Verhalten ihn bzw. hat ihn in der Vergangenheit immer wieder bedroht. Und dagegen MUSS er sich wehren.

Leinen und andere Hilfsmittel lehrten ihn parallel, daß er von sich aus die Distanz zu Dir und/oder dem Reizauslöser nicht herstellen kann bzw. der Versuch sogar wehtut. Und jetzt ist er ganz Herder, zeigt, woher er kommt und was ihn antreibt.

Ich wünsche Dir sehr, daß die Trainerin wirklich gut ist und diese Zusammenhänge und die Teufelskreise, in denen ihr Euch längst bewegt, erkennen würde. Und nicht versuchen würde, den Hund über den Aufbau von Meideverhalten zu beeinflußen, also auf alles verzichten würde, was Zwang ist. Ich appelliere an Dich, darauf zu achten und möchte Dir mitgeben, daß auch Methoden wie wegrempeln, das Werfen mit irgendwas, Leinenrucks, Unterwerfungsrituale etc. Zwänge sind, die lediglich auf ebendieses Meiden abzielen.

Das aber wird bei Euch nicht funktionieren. Bo ist schon viel zu weit oben auf der aggressiven Skala, und wenn Du dieses Meiden zuverlässig herstellen wolltest, müßtest Du tierschutzrelevant vorgehen, es fällt also schlicht und einfach nicht nur ethisch betrachtet aus. Meiner Meinung nach hilft Euch nur noch eine ruhige Gegenkonditionierung und vor allem, daß DU lernst, Dich von alten Denkstrukturen zu verabschieden, daß DU lernst, einen Hund sicher und souverän zu führen, der so unglaublich gradlinig und logisch tickt wie Dein Bo.

BTW: Was sagt denn die Züchterin zu dem ganzen Dilemma?

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

Kendra Offline




Beiträge: 34

24.11.2011 07:14
#3 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Hallo Jule!

Du hast sicher dein Bestes gegeben. Ich kann mir gut vorstellen, wie frustrierend das für dich sein muss, wie enttäuscht man auch vom Hund sein kann, wenn er auf dich los geht, wenn er dir den Alltag zur Hölle macht. Und selbst fühlt man sich als Versager.
Ich glaube aber nicht, dass es - wie oft in diversen Welpen- und Erziehungsbüchern den Anschein hat - immer am Hundeführer liegt, wenn dann nicht der super brave Hund raus kommt. Gute Sozialisation und Erziehung sind nicht immer Garant für einen umgänglichen Hund. Leider macht auch oft die Genetik einen Strich durch die Rechnung und mitunter auch "folgenschwere" Erlebnisse.

Ich kenne einige Hundebesitzer, die sind irrsinnig stolz auf ihre braven Hund und halten sich für die besten und talentiertesten Wunderwuzzis. Dass sie einen Hund haben, bei dem jeder Fehler ohne Folgen bleibt, der eine psychische Konstitution hat, die nicht zu erschüttern ist, begreifen sie nicht. Spätestens dann, wenn sie sich im Übermut einen zweiten Hund dazu nehmen, merken sie, dass es zumindest mit dem angeblich so tollen Gehorsam doch nicht so weit her ist.

Du scheinst einen sehr kopfstarken Hund zu haben, es ist schon ein nicht so kopfstarker Hund dieser Rasse nicht einfach zu führen. Und Es gibt leider auch ungünstige genetische Konstellationen. Ich habe schon oft gehört, dass Junghunde gerade im Alter von 6, 7 Monate im Verhalten kippen, in beide Richtungen; auch von unsicher in souverän.

Ich kenne eine Frau, die hatte ihren Malirüden mit 6 Monaten zurück gegeben, weil sie sich vor ihm fürchtete. Er hat sie nur mehr gemaßregelt und das massivst. Mit 5 Monaten gings los. Welche "Fehler" und ob sie welche gemacht hat, kann ich dir nicht sagen, ich hab sie nicht gesehen. Jetzt hat sie einen anderen Mali und mit dem klappts.


Karo

Kafrauke Offline

Amazone ohne Nudelholz und Leidensfähigkeit, jetzt mit neuer Frisur


Beiträge: 7.324

24.11.2011 07:51
#4 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Das klingt wirklich schlimm,was du da schreibst.
Mich wundert nur,dass du ihn bisher nicht an einen Maulkorb gewöhnt hast.
Das wird sicher etwas Anspannung von dir nehmen,wenn du zumindest keine Angst vor Bissen haben musst.

Mein Hund hat auch schon mehrmals nach mir geschnappt,allerdings in einem panisch agressiven Zustand und nicht stark.
Von daher kann ich das ,ein wenig ,nachvollziehen.

Ich wünsche dir,dass der neue Trainer euch weiterhelfen kann!

LG Ines



Wenn ich -grundsätzlich- aversiv mit meinem Hund trainiere, dann macht das auch was mit mir - und nichts was auf OMMMM endet.


Ines mit Yuri, Freddy und Ursula sowie Lukas im Herzen

DeMo Offline

Diplom-Eierfinderin mit Weltherrscherin auf eigenem Thron mitsamt immer geliebterem Prügelknaben


Beiträge: 4.427

24.11.2011 08:28
#5 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Da habt ihr ja schon einiges durch
Ich kann Barbara nur zustimmen, achte darauf, dass die Trainerin ohne Zwang arbeitet.

Ich finde es auch gut, dass du Bo an einen Maulkorb gewöhnst. Das hilft wirklich dabei, entspannter zu bleiben, vor allem, kann Bo auch dich nicht mehr beißen.

Zum Gegenkonditionieren: Hast du mal über das Clickern nachgedacht? Du wirst vielleicht festgestellt haben, dass viele hier clicern. Grade bei so ritualisierten agressionsverhalten kann das eine wunderbare unterstützung sein. Ich clickere meine Kajla schon seit 6 Monaten und habe ihre Leinenaggression schon ganz gut im Griff, sie ist auf jeden Hund los und hat ihn niedergemacht, ob mit oder ohne Leine. Jetzt kann ich sie an der Schleppe laufenlassen und abrufen bevor sie zum anderen Hund durchstartet.

Ganz wichtig ist, dass du deinem Hund mehr sicherheit gibst, damit er sich drauf verlässt, dass du das für ihn regelst. Mit Zwang erreichst du das nicht, meiner Meinung nach verliert er damit nur das Vertauen zu dir.

Zum clickern und "runterfahren" haben wir hier ganz viele Threads, lies dich da mal durch, wenn du interesse hast.

@ Karo: Was heißt denn "Kopfstark"? Also ich würde eher sagen, hier sind massiver Fehler gemacht worden. Malis und Herder lernen sehr schnell. Wird ein solcher Hund für knurren bestraft, wird er beim nächsten Mal beißen. Und nichts anderes ist hier wohl passiert. Wie Barbara es passend geschrieben hat, eine Aggressionsspirale. Was die Genetik da für eine Rolle spielen soll, verstehe ich auch nicht. Der Hund handelt doch logisch, wo siehst du da einen "Genetikfehler"???

Liebe Grüße
Mo mit Kajla aka Madame Schnupptulla, aka DAS Schnuppertier,aka Madame Naseweiß
und Rambo dem Zotteltierchen, aka das Schnüüüchen

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„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“
Antoine de Saint-Exupery (Werk: Der kleine Prinz)

Frieda4ever Offline

Chaos-Fraktionsvorsitzende 2, mit löwenbändigendem und frauenverstehendem Bonny-und-Clyde-Verschnitt


Beiträge: 12.011

24.11.2011 08:29
#6 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Erstmal
Liebe Jule, ich seh das wie Barbara- einfach ausgedrückt denke icj,
dass Du einen höchst sensiblen, höchst schlauen Hund hast, der beim Erstenmal gleich lernt und sofort seine Schlüsse zieht.

und da ist an Zwang bei euch einiges gefallen, leider.
Das ist kein Vorwurf- ich habe dasselbe mit Paul veranstaltet, bevor ich hier landete.
Er ist aber GsD nicht so klar und konsequent mit mir umgegangen wie Bo mit Dir. Er hat mich in seiner Not "nur" 3mal angegriffen.

Ich glaube, Du hast einen höchst verwirrten Hund, der nicht mehr weiß, in welcher Welt er sich nun mit Dir befindet.
Und das gibt ihm keine Ruhe.
Es wird sicher dauern, bis ihr richtige Fortschritte, zuverlässige Fortschritte macht- aber wenn er sein Vertrauen zu Dir oft genug prüfen konnte und nicht mehr enttäuscht wurde, dann schätze ich mal, dass es ganz toll voran geht.

Laß Dich nicht unterkriegen, Du hast in Deiner Not furchtbare Fehler gemacht- das dauert nun eben, bis Bo "vergessen" kann.
Aber ihr bekommt das hin!

Ich wünsche Dir viel Glück mit der Trainerin- und laß keinen Zwang mehr zu. Das wäre kontraproduktiv ohne Ende!
Bin gespannt, wie es bei Euch weitergeht.
Und noch für Dich und Deine Nervenund für Bo`s Nerven




Liebe Grüße von Nicole




Ich bin für Terrierismus!

Wolfsblut Offline




Beiträge: 82

24.11.2011 08:34
#7 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Erst mal ganz herzlichen Dank für eure Antworten! Ich bin wirklich beeindruckt, wie viel Zeit ihr euch genommen habt!

Einen Punkt in meinem Text sollte ich noch ein wenig ergänzen: Bo beisst nicht einfach wahllos nach mir. Das passiert nur im Rahmen dieser massiven, fast panischen (wie Kafrauke es ja auch schreibt), aggressiven Reaktion. Dann, wenn es schon zu spät ist und sämtliche Sicherungen rausgeflogen sind. Er merkt die Begrenzung durch mich und beisst dann einfach in alles, was ihm vor die Nase kommt. Wenn das meine Hand ist, dann eben die. Ein Stock würde aber genauso gebissen werden, wie auch der Arm eines anderen.

Was seine Aggression gegenüber mir angeht, denke ich, ist er einfach sehr klar und fair. Wir haben im Grunde eine sehr innige Beziehung, Bo und ich. Und genau das ist der Punkt, weshalb ich nicht aufgeben will.

@Elektra: Du schreibst mir aus der Seele. Genau dahin gehen auch meine Gedanken. Wir befinden uns im Moment in einem nicht enden wollenden Teufelskreis. Das Ergebnis spricht Bände. Wir sind quasi gegen die Wand gefahren, finden aber nur schwerlich den Weg wieder zurück.

Zitat von Elektra


Ich wünsche Dir sehr, daß die Trainerin wirklich gut ist und diese Zusammenhänge und die Teufelskreise, in denen ihr Euch längst bewegt, erkennen würde. Und nicht versuchen würde, den Hund über den Aufbau von Meideverhalten zu beeinflußen, also auf alles verzichten würde, was Zwang ist. Ich appelliere an Dich, darauf zu achten und möchte Dir mitgeben, daß auch Methoden wie wegrempeln, das Werfen mit irgendwas, Leinenrucks, Unterwerfungsrituale etc. Zwänge sind, die lediglich auf ebendieses Meiden abzielen.

Das aber wird bei Euch nicht funktionieren. Bo ist schon viel zu weit oben auf der aggressiven Skala, und wenn Du dieses Meiden zuverlässig herstellen wolltest, müßtest Du tierschutzrelevant vorgehen, es fällt also schlicht und einfach nicht nur ethisch betrachtet aus. Meiner Meinung nach hilft Euch nur noch eine ruhige Gegenkonditionierung und vor allem, daß DU lernst, Dich von alten Denkstrukturen zu verabschieden, daß DU lernst, einen Hund sicher und souverän zu führen, der so unglaublich gradlinig und logisch tickt wie Dein Bo.



Genau darauf habe ich geachtet. Die Suche nach einer Trainerin war mein Ziel, die "anders denkt". Denn die Richtung, die ich bislang gegangen bin, beherrsche ich selbst - wie man sieht - nur all zu gut. Ich brauche jemanden, der uns aus diesem Teufelskreis herausholt. Und ich habe mir viel Zeit gelassen, nach einem Trainer zu suchen, der eben einen anderen Weg geht. Ich hoffe, dass die Entscheidung, gerade zu dieser Trainerin zu gehen, die richtige war. Ich werde euch sicher berichten.

Zitat von Elektra
BTW: Was sagt denn die Züchterin zu dem ganzen Dilemma?



Die Züchterin konnte sich erst vor 2 Monaten ein Bild von ihm machen, als wir zu einem Welpentreffen kamen. Bo ist der einzige aus der Truppe, der so heraussticht. Die anderen sind völlig anders.
Irgendwie traue ich mich gar nicht mehr so recht, über Bo mit ihr zu sprechen. Zuletzt weiss sie von einem - ca. 3 Tage anhaltenden - Erfolgserlebnis mit einer Wasserflasche. Seit dem hätte ich ihr eh nur Negativinformationen geben können. Ich komme mir vor wie ein Versager...

@Kendra: Eine kurze Ergänzung zur Genetik: die Mutter des Wurfes war wohl ähnlich wie Bo. Mittlerweile wurde sie abgegeben. Der Vater: sehr sozial. Ein toller Hund.

@Kafrauke: Zum Maulkorb: ich hab - so glaube ich - einfach immer noch so viel Hoffnungen gehabt, dass wir ohne Maulkorb klarkommen. Ich denke, das ist der Grund, weshalb ich mir damit Zeit gelassen habe. Du hast Recht ... viel zu spät.

Liebe Grüße
Jule mit Caya & Bo

Frieda4ever Offline

Chaos-Fraktionsvorsitzende 2, mit löwenbändigendem und frauenverstehendem Bonny-und-Clyde-Verschnitt


Beiträge: 12.011

24.11.2011 08:42
#8 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Zitat von Wolfsblut


Einen Punkt in meinem Text sollte ich noch ein wenig ergänzen: Bo beisst nicht einfach wahllos nach mir. Das passiert nur im Rahmen dieser massiven, fast panischen (wie Kafrauke es ja auch schreibt), aggressiven Reaktion.



Das zeigt ja eigentlich, wie groß die Not bei ihm ist.
Sonst hätte er ja keinen Grund, um sich zu beißen.




Liebe Grüße von Nicole




Ich bin für Terrierismus!

Kafrauke Offline

Amazone ohne Nudelholz und Leidensfähigkeit, jetzt mit neuer Frisur


Beiträge: 7.324

24.11.2011 08:54
#9 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Was das Beissen angeht,fahre ich ich meinen Hund inzwischen immer erst runter,wenn so eine Situation entsteht.
Ich habe ihm beigebracht,auf "Komm mit"mit mir eingige Shritte zurück zu gehen und dann gucken wir uns das Problem noch mal aus der Ferne an und nähern uns ggf noch mal(wenn möglich),mit Sitz&Lecker.
Dadurch passiert nix mehr.

Es wird ja oft empfohlen,den Hund hinter sich zu bringen,damit man zwischen ihm und der Problemquelle steht.
Das geht bei uns eigentlich kaum,da wird meiner eben panisch und beisst um sich,komischerweise,geht es oft,dass er dem Übel den Rücken zuwendet.
Also ,ich denke,man muss eigene Lösungen finden,die passen

Du bist ja total einsichtig und bereit völlig umzudenken,dass sind super vorraussetzungen,denke ich und mit einer neuen Strategie und einem guten Trainer werdet ihr das ganze sicher in den Griff bekommen!



Wenn ich -grundsätzlich- aversiv mit meinem Hund trainiere, dann macht das auch was mit mir - und nichts was auf OMMMM endet.


Ines mit Yuri, Freddy und Ursula sowie Lukas im Herzen

Wolfsblut Offline




Beiträge: 82

24.11.2011 09:29
#10 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Zitat von DeMo

Zum Gegenkonditionieren: Hast du mal über das Clickern nachgedacht?



Ein guter Gedanke! Mir gefällt dir Arbeit mit dem Clicker eh. Bislang habe ich ihn nur für die Nasenarbeit eingesetzt. Aber warum nicht auch in diesem Bereich? Mir gefällt die ruhige Arbeit.

Liebe Grüße
Jule mit Caya & Bo

Wolfsblut Offline




Beiträge: 82

24.11.2011 09:34
#11 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Zitat von Frieda4ever


Und noch für Dich und Deine Nervenund für Bo`s Nerven



Einfach nur Danke, Nicole, für deine aufbauenden Worte!

Aber auch euch allen! Es ist ein wirklich beruhigendes Gefühl, mit solch einem Problem nicht allein zu sein

Liebe Grüße
Jule mit Caya & Bo

Kendra Offline




Beiträge: 34

24.11.2011 10:39
#12 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Zitat von DeMo

@ Karo: Was heißt denn "Kopfstark"? Also ich würde eher sagen, hier sind massiver Fehler gemacht worden. Malis und Herder lernen sehr schnell. Wird ein solcher Hund für knurren bestraft, wird er beim nächsten Mal beißen. Und nichts anderes ist hier wohl passiert. Wie Barbara es passend geschrieben hat, eine Aggressionsspirale. Was die Genetik da für eine Rolle spielen soll, verstehe ich auch nicht. Der Hund handelt doch logisch, wo siehst du da einen "Genetikfehler"???



Ich habe aus untenstehenden Beschreibung abgeleitet, dass es ein sehr starkes Kerlchen ist. Mir wurde empfohlen - im Nachhinein sehe ich das zu Recht - , dass ich als ersten Mali eine Hündin nehmen soll, dies sei Herausforderung genug. Es gibt Rüden (auch Rüdinnen gibts), die sind von ihrer psychischen Konstitution schon eine Herausforderung. Und ich bin auch kein Hundeneuling.

Die Genetik spielt sehr wohl eine Rolle. Es gibt Linien, die passen schlicht weg nicht zusammen. Wenn ein 10 Wochen alter Welpe seine Sachen massiv verteidigt, denk ich schon über diese Punkte nach. Dass er von dieser einen Maßregelung (weiß nicht wie massiv die ausgefallen ist) den totalen Schaden hat, glaube ich jetzt auch nicht.

Zitat von Wolfsblut
Wir haben den kleinen Mann abgeholt mit der Information, dass er der stärkste im Rudel war. Zuhause angekommen, habe ich ihn erst mal ohne Caya (die im Auto wartete), sein neues Umfeld erkunden lassen. Nach drei Minuten fand er ein Spielzeug, was er sofort als sein Eigenes anseh (obwohl ich dachte, alle "Ressourcen" weggeräumt zu haben). Es war ein Kuscheltier. Als er es zerpflücken wollte, ging ich zu ihm hin um ihm das Tier wegzunehmen. Oh Ha ... da knurrt und fletscht mich das kleine Wollknäuel an. Natürlich hab ich das nicht durchgehen lassen. Das Kuscheltier war meins.

Tante_Haha Offline

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa


Beiträge: 39.741

24.11.2011 10:51
#13 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Ach Jule, das hört sich alles ziemlich schlimm an - aber gar nicht hoffnungslos. Ich denke das Wichtigste ist - das hat Barbara schon gesagt - ein extremes Umdenken.

Man hat in den bisher und immer noch weit verbreiteten Trainingsmethoden eins völlig vergessen, nämlich dass auch unsere Hunde Lebewesen sind, die Ansprüche haben, die Bedürfnisse haben und deren Verhalten den gleichen biologischen Gesetzen folgen wie das von allen anderen Säugetieren - uns eingeschlossen. Nur sprechen wir den Hunden genau diese Bedürfnisse und Emotionen ab, indem wir sie derart versuchen zu "unterdrücken" und zu maßregeln.

Grundsätzlich kann man Hunde natürlich nciht mit Menschen vergleichen. Aber was die ganz grundsätzlichen biologischen Vorgänge angeht, kann man das sehr wohl, genauso wie man jedes andere Säugetier diesbezüglich vergleichen kann.
Das Grundbedürfnis Eigentum zu verteidigen, habe ich genauso wie mein Hund. Ich kaufe mir meine Sachen, das kann ein Hund nicht. Er findet sie, erbeutet sie, was auch immer. Ich würde mich auch von meinem Lebensgefährten, dem ich vertraue, weder mein Parfum, noch mein Essen einfach wegnehmen lassen. Unsere Hunde sollen das aber kommentarlos hinnehmen.
Aggression ist das Resultat eines biologischen Vorgangs, der logisch ist und in der Natur überlebensnotwendig. Gefahr kann durch Flucht oder durch Angriff entgegengetreten werden. Ist eine Flucht nicht möglich, ist die Wahrscheinlichkeit dass der Angriff gewählt wird, quasi unausweichlich. Das würde ich genauso tun und zwar nicht, weil ich das mit Vernunftsargumenten als Mensch überlegt hätte, sondern weil die biologischen Vorgänge in meinem Körper das so steuern würden. Wenn ich bedroht würde und sehe keinen Ausweg, könnte nicht fliehen, würde ich mich mit Klauen und Zähnen verteidigen und dazu würde ich nicht warten, bis der Mann mir das Messer schon einmal in den Bauch gerammt hat.
Auch wenn man sich Jugendliche ansieht, die gelernt haben, dass sie mit Reden nicht weiterkommen und sie trotzdem verprügelt werden. Was lernen die denn? Werden sie weiter versuchen das Gegenüber mit Argumenten zu überzeugen, dass sie jetzt keine aufs Maul bekommen sollten? Nein, sie werden vermutlich eher den anderen selber verprügeln und zwar ohne weitere Worte. Auch das hat die gleichen biologischen Vorgänge und Lernprozesse zu Grunde, wie bei unseren Hunden auch.

Wenn man sich das alles mal ansieht und durch den Kopf gehen lässt, sieht man wie unfair wir teilweise unsere Hunde behandeln. Und das nach bestem Wissen und Gewissen. Denn man vertraut den "Experten", die sich mit Hunden auskennen. Das haben viele hier auch getan und waren am gleichen Punkt wie Du jetzt.

Ich hoffe für Euch, dass die Trainerin die Richtige für euch ist. Aber lass Dich auf keine Kompromisse mehr ein, hör auf Dein Bauchgefühl - denn man liest aus jeder Zeile heraus wie sehr Du Deinen Hund trotz Allem liebst.

Ich drücke Euch alle Daumen! Und nicht vergessen: wir sind hier! Zum Fragen stellen, zum Ausheulen und natürlich zum Freuen! Ihr werdet einen vermutlich noch etwas längeren Weg vor Euch haben, aber es lohnt sich! Und nun schicke ich Euch auch noch ein bissel Nervennahrung , etwas Ruhe und Gelassenheit und viele für Deine beiden Schönheiten.

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.
Karl Valentin

Ute* Offline




Beiträge: 186

24.11.2011 10:53
#14 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Ich finde es bewundernswert, wie Menschen wie du bei solchen Situationen nicht gleich das Handtuch werfen und (was wohl viele machen) die Schuld, soweit man von Schuld reden kann, beim Hund suchen.

Meine Geschichte kommt mir dann immer richtig harmlos und belanglos vor, trotzdem ist auch das für mich sehr belastend.
Leider hab ich es hier schleifen lassen, hab mein Geld Anfang des Jahres wieder in einem falschen Seminar mit falschem Trainer verplempert, und bin weiter den falschen Weg gegangen.
Deine Geschichte, die Worte oben von Barbara, und den anderen, hat mich wieder bewegt.

Diese Reaktion, wenn der Hund so hoch fährt, dass er in alle beißt was in vor das Maul kommt, ist das nicht auch so eine Art Ventil? Übersprungshandlung?
Yuma tendiert auch in die Richtung, nur ist es bisher nicht wie bei euch zum Beißen gekommen, schnappen und abwarnen in anderen Situationen schon.
Ich bin gespannt wie es bei euch weiter geht


Zitat von Elektra

Heißt: Erster Kampf wegen einer Ressource schon als Welpe. Hund lernt: Knurren bringt mir nichts.

wie hätte man da in der Situation richtig reagieren sollen?


LG Ute mit dem Yumagremlin

~Lernen ist eine ständige Bewegung; es beruht nicht auf Wissen~
*Krishnamurti*

Tante_Haha Offline

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa


Beiträge: 39.741

24.11.2011 10:55
#15 RE: Ich kann nicht mehr ... Zitat · Antworten

Zitat von Ute*

Zitat von Elektra

Heißt: Erster Kampf wegen einer Ressource schon als Welpe. Hund lernt: Knurren bringt mir nichts.


wie hätte man da in der Situation richtig reagieren sollen?



In dem Fall dem Hund das Tier erstmal lassen und versuchen zu tauschen. Das klappt hervorragend. Wenn ein Hund weiß, dass er immer einen Gegenwert bekommt, gibt er Dinge nicht nur freiwillig, sondern freudig her. Mit einem Stück Wurst hat man das Teil in der Regel sehr schnell in der Hand.

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.
Karl Valentin

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