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Dieses Thema hat 31 Antworten
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 Behaviour (öffentlich)
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Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.050

26.11.2010 03:17
#31 RE: Merles Probleme Zitat · Antworten

Zitat von guste1970
Wenn sie wieder bellend und aufgeregt nach mir schnappt, lege ich ihr die Leine an (sonst fängt sie an fangen zu spielen)und bringe sie dazu sitz und dann platz zu machen. Schnappt sie weiter drehe ich sie auf die Seite und sie muß liegenbleiben, bis sie sich beruhigt hat. Häufig legt sie sich schon allein so hin, schnappt dabei aber auch fröhlich weiter.



Ei weh, da wäre ich vorsichtig. Die Gefahr von Fehlverknüpfungen ist hier groß. Einerseits könnte sie die Leine negativ damit verbinden, daß Du etwas von ihr verlangst, was sie einfach in diesen Momenten nicht machen KANN. Wenn sie das noch damit verbindet, daß Du sie zu einer Unterwerfungsgeste zwingst, die de fakto nicht einmal eine ist, weil Dein Hund sein Verhalten weiter zeigt/weiter zeigen kann, verbockst Du Dir im schlimmsten Fall neben einem Teil des Vertrauens in Dich das Vertrauen in die Leine, die eigentlich positiv belegt sein sollte.

Ich glaube, es ist wichtig, daß Du ein stückweit lernst, wie Dein Hund tickt, warum er macht, was er macht.

Schau, Du hast einen Vierbeiner, der ein sog. "Triebtäter" unter den Hunden ist. Bei Rassen wie DSH, vor allem aber bei den Malinois und den Holländischen Schäferhunden sind verschiedene Merkmale bewußt "angezüchtet" worden. Dazu gehört ein hoher Beutetrieb sowie eine möglichst hohe Bereitschaft, in Konflikten und/oder Bedrohungssituationen Aggression zu zeigen.

Wenn Dein Hund nun durch Dich oder mit Dir so hochgepusht ist, daß er immer weiter kläfft und schnappt, dann macht ihn, das meinte Madra mit dem Satz, dieser Trieb blöd/blind für seine Umwelt.

Für Dich kann es dann nur ein Ziel geben: Ihn soweit runterzubringen, daß er überhaupt wieder "denken" und damit auch lernen kann.

Das, was Du tust, ist hingegen, den Junkie in Ketten zu legen, während er high ist. Sowenig wie der dadurch seine Suchtkrankheit bekämpfen oder mit einer solchen Maßnahme gar "clean" werden kann, sowenig lernt Dein Hund aus Deinen Maßnahmen etwas bzw. kann etwas daraus lernen, das ist eine Frage reiner Biologie, genau genommen.

Es ist so: Ein Hund, der hoch im Trieb steht, ist so voller Cortisol und Adrenalin, daß seine kognitiven Fähigkeiten praktisch "weggeschaltet" sind. Er kann gar nichts dafür, daß er nicht aufhören kann, zu bellen und zu schnappen, er ist in diesen Momenten nicht "ansprechbar", weil seine Hormone sein Gehirn blockieren.

Und genau da müßtest Du gegensteuern. Hierzu hast Du zwei Möglichkeiten, wobei ich die erste nur theoretisch nenne, jedoch nicht empfehlen würde. Du könntest theoretisch Reize setzen, die stärker sind als die, die den Hund so "blöd" machen. Bei Athos zum Beispiel hat man das getan, indem man ihm soviel Strom über ein Stromimpulsgerät verpaßte, daß er reagieren MUßTE. Blöderweise bedeutet das für einen triebstarken Hund, daß man sehr viel Strom sehr lange durch den Körper jagen muß, weil "einfache" Schmerzreize solche Hund nicht dazu veranlassen, ab- oder aufzugeben, sondern stärkere Aggression zu zeigen.

Es ist, glaube ich, der gleiche Kreislauf, wenn auch mit anderen Mitteln, in dem Du mit Deinem Hund feststeckst. Je öfter Du Deinen Hund "unterwirfst", desto stärker wird er weiterschnappen, wenn er liegt. Einfach, weil er auf Deine Aggression reagiert und seine einzige Antwort sein kann, auf die seine noch etwas draufzulegen. Nur, wenn Deine Aggression so stark wäre, daß der Hund sich in einem Kampf wirklich ergibt, wäre das anders, wobei es Dir kaum möglich sein dürfte, soviel Druck zu erzeugen, daß ein gesunder triebstarker Holländer "abgibt".

Daher verbleibt Dir im Grunde Methode 2, nämlich Positives gegenzusetzen. Das heißt, daß Du Deinem Hund beibringen solltest (und kannst), sich auf ein bestimmtes Signal hin, ein stückweit zu entspannen. Schau mal hier in der Suchfunktion, es gab da auch mal einen Film, aber ich glaube, der existiert nicht mehr. Wenn Du Bedarf hast, filme ich das aber gerne mal mit einem meiner Hunde, ich wette, Du wärest überrascht, wie gut man damit Hunde, die gerade sehr erregt sind, ruhiger und damit ansprechbar bekommen kann.

Zitat
Ich hab so das Gefühl, ich bin ihr Schaf und sie hütet mich. Aber ein Hund muß gehorchen, nicht nur um der Sicherheit wegen sondern weil auch ein entspannter Hund sich wohler fühlt.



Das ist grundsätzlich richtig. Es setzt aber voraus, daß Du ihr auch vermitteln kannst, was das ist, gehorchen. Erst, wenn Du ihr in ihrer Sprache, für sie verständlich, beigebracht hast, was sie tun und was sie lassen soll, wird es Dir möglich sein, einen entspannten Hund, der sich wohlfühlt, an Deiner Seite zu haben.

Und genau hier liegt oft das Problem. Du glaubst nicht, wie oft ich von Kunden höre, daß sie doch alles probiert haben und der Hund doch "eigentlich" alles kann. Nur gerade in diesem Moment, da ist er zu aufgeregt. Wenn ich das hinterfrage, stellt sich sehr oft heraus, daß der Hund alles mögliche "kann" und verknüpft hat, aber meist nicht das, was er hätte verbinden sollen. Meist liegen dann "Übersetzungsfehler" vor, d.h., der Mensch denkt, was der Hund begreifen sollte, stülpt ihm aber die menschliche Brille über, die mit dem Wesen des Hundes aber eben nichts zu tun hat.

Ein Beispiel: Wenn Hunde mit Hunden kommunizieren, würden sie nie frontal aufeinander zugehen, es sei denn, sie wären wirklich auf Kampf aus. Was heißt, daß ein Hund, der an der Leine frontal auf einen anderen zugeführt wird, sich a) bedroht fühlt, weil ja der andere schnurstracks auf ihn zu marschiert und b) auf den anderen aggressiv wirkt, weil er auf diesen ebenfalls schnurstracks zumarschiert. Du kannst in solchen Fällen tausendmal glauben, daß Dein Hund doch jetzt das "Sitz" ausführen müßte, das er doch "kann", es wird dadurch leider nicht richtiger. Fakt ist, daß er es, weil Du Dich so extrem unhundlich logisch verhältst, nur die Bedrohung wahrnimmt, in die Du ihn gerade hineinmannövrierst. Aus seiner Sicht ist es damit höchste Eisenbahn, die Sache selbst in die Pfote zu nehmen, auch, weil er Dein aus seiner Sicht total blödsinniges Sitz nicht eben "führerwürdig" finden wird.

Zitat
Sie hat drei mal Kinder unterwegs gesehen und jedes mal schon von weiter weg geknurrt.



Ich vermute, daß die Ursache dafür in dem liegt, was ich ein paar Zeilen vorher schrieb: Solange Dein Hund sich durch die Kinder bedroht fühlt und Du ihm nicht so hilfst, daß er es auch als Hilfe werten kann, wird das auch so bleiben oder sich, wenn mal eins dieser Kinder auf das Knurren nicht reagiert und Deinen Hund weiter bedrängt, verstärken.

Zitat
Ich halte dann sofort an und stelle mich vor sie, damit ich ihre Aufmerksamkeit wieder auf mich lenke. Erst dann reagiert sie auch wieder auf Kommandos.



Ich bin sonst verbal nicht so korinthenkackerisch, aber hier denke ich, ist die Anmerkung gut aufgehoben. Versuche mal, das, was Du von Deinem Hund forderst, nicht als "Kommandos" zu betrachten, sondern eher als Signale, die ihm helfen können und sollen, in einem für ihn ziemlich undurchschaubaren Alltag, in dem kaum einer seine Sprache spricht, klarzukommen.

Zitat
Ich habe gelernt, gemeinsame und tägliche Spaziergänge sind wichtig weil Hunde nun mal Bewegung brauchen und wiel sie eine Art Rudelbindung schaffen.



Klar brauchen Hunde AUCH Bewegung. Aber eben nicht soviel wie viele Halter glauben. In der Natur schlafen Wölfe oder auch Hunde wie die von Günther Bloch beobachteten Pizza-Hunde mehr als zwei Drittel ihres 24-Stunden-Tages. Darin sind Zeiten, in denen sie fressen und dösen noch nicht eingerechnet. Unsere Hunde brauchen neben einer sinnvollen Beschäftigung auch sehr viele Ruhephasen, besonders, wenn sie noch jung sind und noch so extrem viel an Neuem, das sie täglich erleben, auf sie einströmt.

Zitat
Beim Fahrad fahren wird sie Energie los denn ein großer und junger Hund hat Power.



Die hat er auch. Aber er hat auch noch viel zu junge Gelenke, für die viel Fahrradfahren nicht wirklich gut ist. Viel wichtiger wäre meiner Ansicht nach, Deinem Hund wirklich sinnvolle Aufgaben zu stellen, die er lösen kann.

Zitat
Und unsere Familie ist, dachte ich bisher, für den Hund das Rudel.



Das kann sie nicht sein, da Menschen und Hunde nun einmal nicht artgleich sind. Rudel können aber nur Individuen einer Art bilden. Wie Melek schon schrieb, wir leben in gemischten Gruppen mit unseren Hunden. Und in denen können klassische Rudelstrukturen eben nicht greifen. Allein schon, weil wir aus Sicht der Hunde viel zuviele Defizite hätten. Ich jedenfalls jage deutlich mieser als meine Jungs, ich renne nicht so schnell wie sie, ich überpinkele nie anderer Leute Markierungen ... kurz, ich verhalte mich wie ein Depp, aber nicht wie ein intelligenter Hund. :-)

Zitat
Natürlich muß der Hund in diesem "menschlichen" Rudel Hund sein und bleiben können, aber er darf keineswegs das sagen haben. Was ist daran falsch?



Falsch daran ist die Grundannahme, die Einstellung. Wieso sollte Dein Hund denn das Sagen haben oder haben wollen? Nur, weil er manchmal an Dir vorbei agiert oder so, wie Du es nicht willst? Das liegt vermutlich viel deutlicher daran, daß Du ihm einfach nicht beweist, daß Du wirkliche Führungskompetenzen hast als daran, daß er eine Vorherrschaft anstreben würde.

Wenn Du Deinen Hund verstehst, Dich mit seiner Sprache und seinen Motivationen auseinandersetzt, sie ernst- und wahrnimmst und darauf so reagierst, daß sich Dein Hund Dir anvertrauen kann, wäre er vermutlich glücklich, jegliche Verantwortung an Dich abzugeben. Aber eben nur, wenn er sieht, daß Du ihn verstehst und er Dich verstehen kann.

Ich denke, Du solltest ein stückweit über die Perspektive, die Einstellung zu den Dingen, nachdenken. Sieh' Dich doch nicht in einem Machtkampf mit Deinem Hund, der Dir gehorchen muß. Sieh Dich als seinen souveränen Führer, der ihn klug durch jedes Unbill des Lebens führt, dem er vertrauen bzw. sich anvertrauen kann. Wenn Du das schaffst, wirst Du einen tollen Partner an Deiner Seite haben, der gar kein Interesse daran hat, irgendwie "das Sagen zu haben".

Und das sage ich nicht nur als Hundetrainer. Sondern auch als Halter vierer Hunde, die auf unterschiedliche Arten "problematisch" waren. Insbesondere Herr Ben hat lange überprüft, ob ich überhaupt eine Befugnis und die Kompetenz hatte, ihn zu führen. Und heute ist er ein Kerl, der von denen, die ihn erleben, als echter Menschenhund gesehen wird, der sich mir anvertraut, wenn es brenzlig wird und keineswegs mit mir "kämpft".

Schau mal, wenn Du sie noch nicht kennst, auf die HP hier: www.aggressionshund.de
Dort findest Du die Geschichten und Problemlagen meiner Jungs. Und wenn Du dann hier im Forum so einiges an Filmen und Bildern anschaust, wirst Du sehen, was alles möglich ist, wenn man seinen Hund nicht kommandieren, aber ihm helfen will.

Viel Spaß beim Stöbern. :-)

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

guste1970 ( gelöscht )
Beiträge:

26.11.2010 15:14
#32 RE: Merles Probleme Zitat · Antworten

Hallo Barbara & co,

puh das sind viele Informationen und zunächst mal, ich wäre für so ein Video echt dankbar. Schon beim lesen merkte ich, dass da vieles zutrifft. Und schon davor war ich der Meinung, dass der Hund nur so gut ist wie sein Halter ihn führt. Ich muss also lernen wie ich mit Merle kommunizieren kann und mich selbst mal in Frage stellen.

Also wir wollten aus dem Tierheim einen max. zwei Jahre alten Hund mit mittlerem Energieniveau, da wir Haus und Garten haben durfte es ein großer sein. Sie wirkte im Tierheim sehr ruhig und ausgeglichen, über die Rasse hatte ich mich zwar im Internet belesen, aber offenbar nicht ausreichend. Andererseits bin ich froh das wir sie haben, aufgeben kommt ohnehin nicht in Frage.
Ich fürchte das bei mir doch noch alte Ängste dahinter stecken. Zu meinem Westi Caesar kam ich unfreiwillig, er war ein gutes Jahr alt. Ich hatte einen Volltagsjob und war allein erziehende Mutter. Er sollte zu einem älteren Ehepaar doch bevor die sich entschieden, wurde er bei mir "abgeladen". Er war nicht stubenrein, markierte fröhlich "sein" neues Gebiet, zerriss mir die ersten Tage die Auslegware und ging sich bald erwürgend auf jeden anderen Rüden los. Das Ehepaar viel damit aus und ich versuchte jemanden mit Hundeerfahrung und Zeit zu finden. Nach drei Wochen gab ich das auf, holte mir Bücher über Hundeerziehung und eine Nachbarin, welche ihn tagsüber ausführte. Er hatte mein Herz erobert. In der Wohnung hatte ich ihn bald im Griff,kleine Kinder ließ er in Ruhe wenn sie ihm nicht zu nahe kammen, größere störten ihn nicht. Er wurde stubenrein und hörte auf zu markieren. Aber mit ihm Gassi zu gehen machte (damals wohnte ich noch in Berlin) alles andere als Spaß. Zwei mal hielt die Leine nicht und er lief auf und davon. Straßen interessierten ihn nicht. Ich liebte ihn dennoch und versuchte einsamere Wege zu finden. Später erfuhr ich, dass er aus eine Familie mit vier Kindern kam und eines davon gebissen hatte. Mein Sohn war damals fünf Jahre alt und na ja, er hat bei mir nie gebissen. Sorry, keine Menschen sollte ich sagen. Je größer die Hunde um so angriffslustiger war er.

Jahre später entdeckte ich eine Sendung aus Amerika von einem Hundeflüsterer. Ich war begeistert zu erfahren, das ein Hund nicht aufgeregt und nicht vor mir zur Tür hinaus geht.Caesar war kein junger Hund mehr aber immer noch ging er mit mir spazieren. Das änderte sich jetzt. Ich konnte nun sogar Fahrrad fahren oder Joggen mit ihm. Er zog nicht mehr und kam halbwegs anständig an anderen Hunden vorbei. Vor drei Jahren zog ich aufs Land zu meinem Mann und der Garten war für Caesar super. Seine letzten beiden Jahre war er leider blind und taub geworden, doch er orientierte sich nun an mir und so war auch das kein Problem. Als es zu Ende ging versprach ich ihm und mir, dass ich, wenn ich soweit bin, einem Hund aus dem Tierheim ein Zuhause geben werde. Frohen Mutes das ich mit meinem jetzigen Wissen besser sein werde. Bin ich auch, aber Merle ist kein Westi und ich hab null Ahnung von Schäferhunden. Ich muß weniger ängstlich sein, dass was passiert. Ich fürchte das sie genau das spürt, auch wenn ich noch so sehr ne sichere Körperhaltung annehme.

Daher immer her mit Anregungen. Wenn ich ne Ahnung hab, wie ich sie aus ihrem high- Verhalten rauskriege bin ich ein Schritt weiter. Vielen Dank erstmal,
LG Silke

Angefügte Bilder:
DSC03757.JPG  
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