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Dieses Thema hat 10 Antworten
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Krümelmonster



Beiträge: 17



19.02.2010 20:53
Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Hallo zusammen,

mein Jäger-Schnauz ist ein großer Reh-"Freund". Naja, eigentlich auch von Eichhörnchen, Hasen und Katzen, aber die treffen wir nicht tagtäglich... Über unser Antijagdtraining und diversteste Fehlverknüpfungen werd ich an anderer Stelle nochmal berichten, aber so ganz aktuell hätte ich da mal eine Frage bzw. freue mich über eine Meinung von euch:

Mein Schnauz ist vor allem ein Sichtjäger. Je länger er etwas sieht, umso größer wird der Reiz. Sieht der Schnauz flüchtendes Wild, lasse ich ihn neuerdings absitzen, er darf hinterherschauen und sehen wie es langsam, aber sicher verschwindet. Das macht ihn wuschig und er gibt nach einiger Zeit auch seine süßen Jagdjapser von sich. Mit einem SCHAU HER versuche ich zwischendurch mal seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Wenn es klappt, gibt es CLICK und Keks (der manchmal fliegen muss, damit er ihn überhaupt nimmt), wenn es nicht klappt, muss ich etwas brummeliger werden.

Ich lasse ihn hinterherschauen, weil ich möchte, dass er diesen Reiz aushält. Und ein wenig auch zur Belohnung, weil er ja Interesse am Wild hat. Aber irgendwie habe ich da einen inneren Konflikt: Ich HOFFE, dass er dadurch verknüpft, flüchtendes Wild ist eigene Bewegungslosigkeit bzw. dass er sich an das Bild von flüchtendem Wild gewöhnt (best case...) - aber könnte es nicht auch sein, dass er dadurch immer mehr Frust aufbaut, letztendlich immer wuschiger wird und irgendwann ganz durchknallt (worst case)??

LG,
Mareike.

---
Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.

soffie

Zwar nicht des Teufels General, aber doch des Satansbratens inquisitorische Fee

Beiträge: 6.337



19.02.2010 23:01
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Hallo Mareike,

Zitat
Aber irgendwie habe ich da einen inneren Konflikt: Ich HOFFE, dass er dadurch verknüpft, flüchtendes Wild ist eigene Bewegungslosigkeit bzw. dass er sich an das Bild von flüchtendem Wild gewöhnt (best case...) - aber könnte es nicht auch sein, dass er dadurch immer mehr Frust aufbaut, letztendlich immer wuschiger wird und irgendwann ganz durchknallt (worst case)??


Ich denke da sind uns unsere Hunde sehr ähnlich. Würde mir jemand ständig etwas leckeres zeigen, um es mir dann doch nicht zu geben........also ich wäre da schon sehr gefrustet.
Schnauzis (ich liebe diese Tölen unbeschreiblich) sind doch in der Regel ein sehr verspieltes Völkchen. Deiner auch?
Belohne ihn bei Wildsichtung mit einem tollen Spiel oder Futtersuchen. Dabei hat er Spaß und kann seinen Energiestau abbauen.


Liebe Grüsse
Kerstin

Liebe Grüsse
Kerstin

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Der Gedanke "Wie belohne ich meinen Hund für richtiges Verhalten?" zeichnet die Qualität der Ausbildung aus, nicht der über Bestrafung. (Edgar Scherkl)

Schnuffelnase



Beiträge: 5.204


19.02.2010 23:25
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Hallo Krümelmonster. Für uns ist Reh-Tv eine gute Möglichkeit gewesen. Allerdings erst anschließend ans clickern des Vorstehens. Ich habe sie so geclickert, dass sie eine möglichst lange Vorsteh-Sequenz zeigt und gleichzeitig das schnelle Hinsetzen mit der Reizangel geübt. Als das gut klappte, habe ich als Übung und gleichzeitig Belohnung Reh-TV dazu genommen.

Nach dem, was du beschreibst, habe ich den Eindruck, dass du ihn vor allem zu lange Reh-TV gucken lässt. Ich habe Kira niemalsnicht solange gucken lassen, bis das Wild verschwindet. Sie soll ja nicht in wahnsinnige Aufregung kommen und auch nicht das Gefühl haben: hier sitze ich nun und da geht es dahin, sondern eher lernen, dass man cool sitzen bleiben und sich dann freiwillig abwenden kann und das sich das sogar lohnt.

Bei uns sah das quasi so aus, dass ich sie einen Moment lang in Ruhe habe gucken lassen und das Reh-TV aufgelöst habe, solange sie noch ruhig dort saß, das kann am Anfang eine oder zwei Sekunden sein. Und dann sofort Action in die andere Richtung mit seeeehr leckeren Sachen. Leckerchen werfen ist schon mal gut, du kannst auch quietschend wegflitzen, ein kleines Jagd- oder Suchspiel in die andere Richtung machen, je nachdem, was dein hund so mag. Die ersten Male ruhig mit Futterbeutel und Alukatze drin, damit es sich so richtig lohnt. Dein Schnauzi sollte ja lernen, wenn er die eine Beute ruhig ansieht (erste Belohnung) und sich dennoch abwendet, kriegt er von dir was gaaaanz tolles (zweite Belohnung). Hetzen darf er sowieso nicht, also kann er sich besser für das Jagdspiel entscheiden, das du mit ihm spielst.
Die Entfernung zu den Rehen sollte möglichst groß genug sein, dass dein Hund nach dem Reh-TV noch auf deine Spiel- und Futteranimation eingehen kann, sonst bist du eindeutig zu nah dran (nach dem Reh-TV geht es bei Kira auf jeden Fall leichter, weil sie ja schon ein bisschen gucken durfte). Dann entweder kürzer oder wenn auch das nicht geht, mach lieber kein Reh-TV in diesem Moment. Du willst ja nicht sein Verlangen nach Beute steigern. Aber die Rehe sind da so oder so und wenn dein Hund lernt, sie anzusehen und ansprechbar zu bleiben, ist das viel wert. Es soll nur kein Frust für ihn werden.

Den Hund einfach nur sitzen und gucken zu lassen und zwar so lange, bis die Beute weg ist, halte ich für kontraproduktiv. Ich könnte mir vorstellen, dass es dabei sogar dazu kommen könnte, dass er beginnt, das zu hassen. Denn wer guckt schon gern zu, wie ihm das Begehrenswerte vor der Nase weg genommen wird. Ich möchte nicht gern zusehen, wie man mir im Chinarestaurant den Teller vor der Nase weg zieht. Aber wenn man mir sagt, ich darf mal ein paar Happen kosten (gucken ist für den Hund ja bereits eine Jagdsequenz), wenn ich nicht alles haben darf und man bietet mir einen netten Ersatz, wäre ich geneigt, diesen anzunehmen und das ist es ja, was der Hund dabei lernen soll. Jedenfalls nach meinem Trainingsplan :-)

Abgesehen davon, dass natürlich eine häufige Sichtung in gewisser Weise das Ganze normaler macht und das Sitzen gefestigt wird, quasi schon ein wenig automatisiert.

Solange der Hund völlig aufgedreht, würde ich weiterhin erst einmal längeres Vorstehen und das Hinsetzen clickern und kein Reh-TV machen. Wenn er angesichts von Wild relativ routiniert ins Sitz geht, hast du einen für den Moment ruhigen Hund und somit einen Ansatzpunkt.

Das ist der Weg, den ich mit Kira gegangen bin und der ja auch noch nicht zuende ist.

Bin mit ihr jetzt in einer Phase, wo sie relativ ruhig sitzen und gucken kann und wir fangen jetzt an, Aktivitäten während Wildsichtung zu machen, also nicht direkt Reh-TV, sondern die sind da einfach und wir machen was zusammen. Ohne Reh-TV- Vorbereitung hätte das aber nicht geklappt, da sie sich niemals vom Wild abgewendet hätte. Sie hat inzwischen gelernt, dass sich das auf jeden Fall immer lohnt. Und dass Hinsetzen nicht heißt, dass man gleich nicht mehr jagen darf. Wie gesagt, ist ja das angucken bereits eine Jagdsequenz. Wir verkürzen damit eigentlich nur. Im Grunde bedeutet Reh-TV, dass du zusammen mit deinem Hund eine sehr verkürzte Jagd durchführst. Die dann von dir in ein Spiel oder Leckerchensuchen kanalisiert wird.

P.S. Brummelig werden nutzt in diesem Zusammenhang nix. Bei Wild bist du hochgradig auf freiwillige Zusammenarbeit mit deinem Hund angewiesen- es sei denn man trainiert den Hund mit Methoden, die ich hier lieber unerwähnt lassen möchte, da ich sie für tierschutzrelevant halte.

Tante_Haha

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa

Beiträge: 39.741



21.02.2010 18:25
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Zitat von soffie
Belohne ihn bei Wildsichtung mit einem tollen Spiel oder Futtersuchen. Dabei hat er Spaß und kann seinen Energiestau abbauen.


Hat bei meinem Mo auch am besten geholfen. Durch das Suchen (und Finden!) hat er ja auch ein wenig Jagderfolg. Ich beclickere ihm auch jede Spur, die er anzeigt und belohne es mit Futtersuchen. Inzwischen reicht es meist, wenn ich ihm ein paar Bröckchen Futter ins Gras werfe (oder momentan in den Schnee) und er es raussuchen kann.

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.
Karl Valentin

Schnuffelnase



Beiträge: 5.204


21.02.2010 20:15
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Hat Mo sich denn bei Wildsichtung auf ein Spiel einlassen können? Bei Kira hat pures Ablenken nicht funktioniert. Da hättest du mit dem Futterbeutel winken und dich zum Affen machen können- das Reh hätte sie nicht aus den Augen gelassen. Deswegen- erst gucken wir zusammen, dann gibts Action zusammen, wobei sie ihre aufgebaute Erregung loswerden kann. Aber das zusammen gucken scheint irgendwie für sie total wichtig zu sein.

Tante_Haha

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa

Beiträge: 39.741



21.02.2010 22:38
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Zitat von Schnuffelnase
Hat Mo sich denn bei Wildsichtung auf ein Spiel einlassen können?


Anfangs natürlich nicht. Er hat anfangs noch nicht mal reagieren können, wenn er nur etwas in der Nase hatte. Ich hab unerschütterlich weiter jede Spur sofort beclickert, die er aufgenommen hat. Mit supertollen Leckerchen. Auch winzigkleine Spuren, die für ihn nicht wirklcih interessant waren. Da gingen Unmengen Leckerchen drauf. Aber es hat gewirkt. Als er dann auch bei besseren Spuren reagieren konnte, fing ich mit den kleinen Suchspielen an. Bei den Rehsichtungen weise ich ihn auf das Reh hin (auch wenn er´s natürlich schon gesehen hat), also mit "Schau mal, ein Reh" und dann sofort "Hiiiier! Und Such!" Er reagiert inzwischen schon fast automatisch drauf. Das kommt natürlich auch schwer drauf an, wie nah das Reh ist, wie schnell es wieder verschwindet usw. Wenn das zu aufregend ist, kann er natürlich auch nicht sofort mitspielen. Dann beclickere ich das Reh und das ruhighalten und dann wird aber ausgiebig gesucht, sobald ich merke, dass es wieder Sinn macht.

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Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Karl Valentin

Schnuffelnase



Beiträge: 5.204


21.02.2010 22:50
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Zitat von Tante_Haha
Wenn das zu aufregend ist, kann er natürlich auch nicht sofort mitspielen. Dann beclickere ich das Reh und das ruhighalten und dann wird aber ausgiebig gesucht, sobald ich merke, dass es wieder Sinn macht.



Okay, dann ist es mir klarer. Ist dann doch auch ein bissi Reh-TV dabei (je nach Aufregung mehr oder weniger), denn gucken und dabei was inne Schnute stopfen ist es ja eigentlich, was wir machen, um dann zu einem Spiel überzugehen. Für Kira scheint es wichtig zu sein, dass sie erstmal kurz gucken darf.

Spuren zu clickern, auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Darüber muss ich mal näher nachdenken. Kira kann sich zwar inzwischen angesichts von Spuren inzwischen einigermaßen beherrschen, aber automatisch ist da noch lange nix. Obwohl sie das vielleicht falsch verstehen könnte und denken, sie soll da jetzt suchen. Auch wenn sie sich natürlich faktisch dann wegen dem Leckerchen umdrehen würde (jedenfalls wenn es lecker genug wäre).

Tante_Haha

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21.02.2010 23:05
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Zitat
Spuren zu clickern, auf die Idee bin ich noch nicht gekommen.


Naja, wir kamen drauf, weil Mo ja ein Pointer-Mix ist und wir dachten, wir könnten das Vorstehen aus ihm herauslocken. Das ist ja eigentlich dann seine Aufgabe und nicht das hinterher hetzen. Vielleicht klappt es deshalb so gut. Aber das ist ja eigentlich ein angeborenes Verhalten, das eben mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. Ich clickere auch, wenn er z.B. schnell den Kopf in Richtung Böschung dreht, weil er was gehört hat. Inzwischen kommt er sofort udn holt sein Leckerchen.

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Karl Valentin

Schnuffelnase



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21.02.2010 23:10
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Ach deshalb. Bei Kira hatte ich das ganze Antijagdtraining ja auch damit angefangen, das Vorstehen zu clickern, sie hatte es allerdings von Anfang an gezeigt, wenn auch nur kurz. Durch das Clickern ist diese Spanne viel länger geworden = Reaktionszeit für Frauchen (kein überflüssiger Luxus )

Bei Spuren allerdings geht sie direkt hinterher, wenn man sie nicht rechtzeitig stoppt. Sie auf einer Spur sitzen zu lassen ist fast schwerer als bei Sichtung.

Krümelmonster



Beiträge: 17



03.03.2010 10:12
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Zitat von soffie
Schnauzis (ich liebe diese Tölen unbeschreiblich) sind doch in der Regel ein sehr verspieltes Völkchen. Deiner auch?
Belohne ihn bei Wildsichtung mit einem tollen Spiel oder Futtersuchen. Dabei hat er Spaß und kann seinen Energiestau abbauen.



Ja, er ist tatsächlich sehr verspielt. Wenn es aber wirklich so einfach wäre, dann wäre ich um ein großes Problem mit meinem Hund ärmer...

Danke für eure Einschätzungen - ich habe es ja fast befürchtet, dass ihr meine Bedenken beim "Ausdauer"-Reh-TV teilt... Ich lasse jetzt nur noch kurz schauen. Wobei mein "kurz" schon recht lang ist, denke ich. 10 Sekunden, manchmal länger, unterstützt mit verbalem Lob, aber die Zeit brauche ich, um mich "ablenkungsfertig zu machen, die Leine kürzer zu greifen etc.

Im Grunde genommen funktioniert das alles gerade auch ganz gut. Am Wochenende haben wir ein asendes Reh entdeckt, direkt an einer Abzweigung. Gary an der Schlepp 10 Meter vor mir sah es zuerst, war vielleicht noch 30 Meter von ihm entfernt. Auf Zuruf hat er sich aber hingesetzt und gewartet bis ich bei ihm war. Dann haben wir ein paar Leckerliesuchen gemacht, und als der Schnauz wieder ruhig und konzentriert war, sind wir weiter in Richtung Abzweigung gegangen - das Reh immer noch sichtbar, aber etwas ins Unterholz marschiert. An der Abzweigung konnte Gary dann mit einem einfachen WEITER in die andere Richtung gehen. Gestern haben wir eine Begegnung mit gleich 5 Rehen gehabt, die 20 Meter an uns vorbeizogen. Kurz schauen, Leckerliespiele in (!) Richtung der Rehe, weitergehen. Sind die Rehe selbst ruhig, klappt es immer besser. Auffliegende Enten, puschelige Eichhörnchen - überall haben wir schon große Erfolge (aber auch immer wieder Rückschläge) gehabt, wo er früher kaum zu halten war. Von "Leinen los" oder auch nur schleppender Schlepp sind wir dennoch noch Meilen entfernt.

Ich würde mit der Zeit gerne dahin kommen, dass ich ihn mit einem Platz oder Down wirklich überall und bei jeder Art von Ablenkung zum Stoppen bekomme. Aber ich denke, auch dafür muss er dem Wild gegenüber grundsätzlich relaxter werden. Reizangeltraining ist eines der Dinge, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe. Irgendwie traue ich mich noch nicht, habe Angst, es durch unsachgemäße Anwendung eigentlich mehr zu versauen...

Zitat
Und dann sofort Action in die andere Richtung mit seeeehr leckeren Sachen. Leckerchen werfen ist schon mal gut, du kannst auch quietschend wegflitzen, ein kleines Jagd- oder Suchspiel in die andere Richtung machen, je nachdem, was dein hund so mag.



Mein Hund mag Action, sehr gerne sogar :-) aber ich habe mit der Zeit herausgefunden, dass eher kontrproduktiv ist, ihn noch mehr hochzupowern. Werfe ich zum Beispiel einen Ball oder auch den Futterbeutel in die entgegengesetzte Richtung, flitzt er hinterher schnappt ihn sich, lässt ihn sofort wieder fallen und gibt Gas - dem Reh hinterher. Vielleicht ist das was für später, jetzt fahre ich mit Leckerli-Suche besser. Da hat er was, wo er sich stark konzentrieren muss und das beruhigt ihn.

Zitat
Die Entfernung zu den Rehen sollte möglichst groß genug sein, dass dein Hund nach dem Reh-TV noch auf deine Spiel- und Futteranimation eingehen kann, sonst bist du eindeutig zu nah dran (nach dem Reh-TV geht es bei Kira auf jeden Fall leichter, weil sie ja schon ein bisschen gucken durfte).



Ja, wenn Rehe so kooperativ wären! Wir leben direkt an einem kleinen Wald und der ist voll mit Wild-Getier. Gerade sehe ich wieder zwei, wenn ich aus dem Fenster schaue. Ich habe überhaupt keinen Einfluss darauf, wann wir in welcher Entfernung ein Reh treffen. Sie tauchen gerne mal 20 Meter vor mir aus dem Gebüsch auf, gucken blöd und rennen weg.

Zitat
P.S. Brummelig werden nutzt in diesem Zusammenhang nix. Bei Wild bist du hochgradig auf freiwillige Zusammenarbeit mit deinem Hund angewiesen- es sei denn man trainiert den Hund mit Methoden, die ich hier lieber unerwähnt lassen möchte, da ich sie für tierschutzrelevant halte.



Ich habe schon das Gefühl, dass sich der Schnauz auch durch das "brummelig werden" dazu entscheidet, jetzt nicht sofort seinen Instinkten zu folgen, sondern auch noch seinen Chef im Hintergrund in die Entscheidung mit einzubeziehen. Das bedeutet ja nicht, dass man seinen Hund gleich mit Stachel und Tele traktiert. Grundsätzlich hatte ich zu Beginn das Gefühl, dass der Schnauz sich bei Wildsichtung "auf einem anderen Stern" beamt, reine Stimme drang nicht in sein Hirn vor, erst ein kurzer Kniff brachte ihn wieder ein wenig zurück. Schön fand ich das nicht, aber heute reicht auch ein kurzes Tippen auf seinen Dickschädel mit schärferer Stimme, um ihn aus seiner Winterstarre zu befreien. Ist das nötig, weiß ich aber auch schon, dass es für ihn in diesem Moment eigentlich zuviel Wild war. Was dagegen tun kann ich aber trotzdem nicht immer, denn - siehe oben - das Wild ist immer da.

Zitat
Bei den Rehsichtungen weise ich ihn auf das Reh hin (auch wenn er´s natürlich schon gesehen hat), also mit "Schau mal, ein Reh" und dann sofort "Hiiiier! Und Such!" Er reagiert inzwischen schon fast automatisch drauf. Das kommt natürlich auch schwer drauf an, wie nah das Reh ist, wie schnell es wieder verschwindet usw. Wenn das zu aufregend ist, kann er natürlich auch nicht sofort mitspielen. Dann beclickere ich das Reh und das ruhighalten und dann wird aber ausgiebig gesucht, sobald ich merke, dass es wieder Sinn macht.



Das finde ich interessant! Ist ja auch eine auf dich bezogene Verhaltenskette, die du damit aufgebaut hast! Aber wie beclickerst du das Reh? Gary will bei zu großer Aufregung gar kein Leckerchen, und sei es noch so toll, aufnehmen. In diesen Momenten könnte ich clickern bis ich schwarz werde... Gott sei Dank kommt das sooo häufig nicht mehr vor (Regelmäßig eigentlich nur bei meinem persönlichen Super-Gau, schlimmer als jedes Reh: HH, die Bällchen mit ihrem Hund spielen..).

LG,
Mareike.

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Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt.
Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.

Schnuffelnase



Beiträge: 5.204


03.03.2010 12:29
RE: Reh-TV - machen oder lassen? Zitat ·antworten

Zitat
Wobei mein "kurz" schon recht lang ist, denke ich. 10 Sekunden, manchmal länger, unterstützt mit verbalem Lob, aber die Zeit brauche ich, um mich "ablenkungsfertig zu machen, die Leine kürzer zu greifen etc.



Wenn er das noch gut erträgt, ist es doch okay. Wobei du natürlich auch grundsätzlich ablenkungsfähig durch die Gegend spazieren könntest. Im Moment spaziere ich die ganze Zeit "grundsätzlich eingreiffähig" herum, weil Hundi mit der Kotfresserei keinen Erfolg haben darf.
Wie lange ein Hund Reh-TV gucken kann und sollte, hängt einfach davon ab, wie weit er schon ist. Mit Kira hab ich neulich lange geguckt, weil ich Fotos machen wollte. Aber da waren sie auch nicht am wegrennen, ich würde auf jeden Fall vermeiden, sie da sitzen zu lassen, bis sie weg sind. Auch jetzt noch, obwohl sie schon ganz gut ruhig sitzen kann, wenns nötig ist.


Zitat
Im Grunde genommen funktioniert das alles gerade auch ganz gut. Am Wochenende haben wir ein asendes Reh entdeckt, direkt an einer Abzweigung. Gary an der Schlepp 10 Meter vor mir sah es zuerst, war vielleicht noch 30 Meter von ihm entfernt. Auf Zuruf hat er sich aber hingesetzt und gewartet bis ich bei ihm war. Dann haben wir ein paar Leckerliesuchen gemacht, und als der Schnauz wieder ruhig und konzentriert war, sind wir weiter in Richtung Abzweigung gegangen - das Reh immer noch sichtbar, aber etwas ins Unterholz marschiert.



Das klingt doch schon wirklich gut! Der Rest kommt auch noch.
Übrigens finde ich "Leine (noch) dran" eine gute Option, die ich immer nutzen würde, wenn Wild besonders aktiv ist. Jetzt bei Schnee z.b. war das Wild sehr gut sichtbar und lief auch bei Tage ganz dicht am Weg herum. Das ist jetzt wieder besser, aber bei Schnee habe ich sie auch fast garnicht von der Leine gelassen. Ist bei uns nämlich auch so, dass die quasi direkt hinter unserem Haus wohnen.


Zitat
Ich würde mit der Zeit gerne dahin kommen, dass ich ihn mit einem Platz oder Down wirklich überall und bei jeder Art von Ablenkung zum Stoppen bekomme. Aber ich denke, auch dafür muss er dem Wild gegenüber grundsätzlich relaxter werden. Reizangeltraining ist eines der Dinge, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe. Irgendwie traue ich mich noch nicht, habe Angst, es durch unsachgemäße Anwendung eigentlich mehr zu versauen...




DAs ist aber etwas, was du mit Reizangeltraining sehr gut trainieren kannst. Ich glaube, dass man da garnicht so viel falsch machen kann, wenn man die Grundsätze normalen Trainings beherrscht. Du hast ja mit der REizangel die Möglichkeit, die Beute einzusammeln, sobald dein Hundi nicht direkt auf dein KOmmando reagiert. Das solltest du tun (und dabei muss man manchmal ganz schön schnell sein). Wenn du das Prinzip beherzigst, dass er die Beute nur bekommt und nur hinterher jagen darf, wenn er mit dir kooperiert, wie du es haben möchtest, glaube ich nicht, dass du da viel falsch machen kannst. Sobald Hundi eigentständig aufsteht- zack, Beute weg. Oder sich nicht setzt- wech isse. Wenn er sich schnell setzt/hinlegt doppelte Belohnung, nämlich Leckerchen und dann hinterher jagen lassen. Ich würde auch manchmal ihn nicht jagen lassen, sondern das Platz auflösen, indem du ihm was anderes anbietest, was er mit dir machen kann. Z.b. einen kleinen Trick (macht er sowas?) o.ä. Wenn nicht gerade ein Reh neben euch steht, müsste das funktionieren. Die Idee dabei ist, dass er keine Verhaltenskette a la: erst sitzen, dann auf jeden Fall losrennen aufbaut. Er soll lernen, hinlegen und auf das achten, was du dann von ihm willst. Und in einem Großteil der Fälle willst du natürlich das, was ihm Spaß macht. Aber eben nicht immer. Ich gehe übrigens davon aus, dass nach Reizangeltraining auch das mit dem Bällchenspielen besser werden sollte. Wenn nicht, brauchst du im Grunde ein zweites Team, mit dem du abwechselnd Reizangel trainierst, während der andere Hund zuguckt. Quasi: deinen ins Platz legen, der andere Hund darf sich die Beute schnappen, dann gibt er sie wieder her und dann ist deiner dran und darf ausgiebigst Spaß haben, wenn er brav gewartet hat. Würde ich dann aber mit Schleppleine machen, weil die Beute einsammeln ja dann auch für den anderen Hund eine Frustration wäre, auch wenns sicher in manchen Fällen angebracht sein kann.


Zitat
Mein Hund mag Action, sehr gerne sogar :-) aber ich habe mit der Zeit herausgefunden, dass eher kontrproduktiv ist, ihn noch mehr hochzupowern. Werfe ich zum Beispiel einen Ball oder auch den Futterbeutel in die entgegengesetzte Richtung, flitzt er hinterher schnappt ihn sich, lässt ihn sofort wieder fallen und gibt Gas - dem Reh hinterher.




Dann gib das Ding doch einfach nicht aus der Hand. Spring mit ihm zusammen los in die andere Richtung und zergel ein bisschen mit dem Futterbeutel (wobei das bei einem Schnauzer natürlich auch das Ende des Futterbeutels sein könnte ). Oder mit dem Spielie. Jedenfalls würde ich es in dem Fall nicht aus der Hand geben, sondern körpernah mit ihm spielen und tendentiell ruhiger. Bei uns funktioniert aber Leckerchensuche auch am besten, ich hab schließlich einen Labbi Allerdings immer von Reh weg in die andere Richtung. Was dein Hund am besten annimmt, ist ja auch individuell und da solltest du dich nach seinen Vorlieben richten, damit es funktioniert.


Zitat
Ja, wenn Rehe so kooperativ wären! Wir leben direkt an einem kleinen Wald und der ist voll mit Wild-Getier. Gerade sehe ich wieder zwei, wenn ich aus dem Fenster schaue. Ich habe überhaupt keinen Einfluss darauf, wann wir in welcher Entfernung ein Reh treffen. Sie tauchen gerne mal 20 Meter vor mir aus dem Gebüsch auf, gucken blöd und rennen weg.




Das ist bei uns auch so, aber in dem Fall mache ich dann kein wirkliches Reh-TV mehr, je nachdem, wie nah es ist, erwarte ich dann auch kein Sitzen mehr (weil es sowieso nicht klappen würde) usw. Das läuft dann pur über Belohnen jeder Verzögerung, die ich bei ihr sehe, wenn sie nicht in die Leine springt bei einem Reh so nah, wird sie mit ruhiger Stimme gelobt und ich versuche, mit ihr umzudrehen und Action in die andere Richtung zu machen. Clicken des Vorstehens, wie halt am Anfang des Trainings. Guck einfach, was du in welchem Abstand von deinem Hund erwarten kannst, du merkst das ja in der Situation auch. Wir hatten schon Rehe auf 10m wo sie sich hinsetzte, wir hatten auch schon welche auf 200m wo sie nicht mehr ansprechbar war. Das hängt ja von vielen anderen FAktoren ab, z.b. Wind ist einer davon.

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