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Dieses Thema hat 35 Antworten
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Sanne

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern

Beiträge: 1.245



01.03.2008 16:24
Animal learn - wie geht das? Zitat ·antworten
Nachdem ich auf Anraten der vorherigen Trainerin durch den Einsatz von Schellen und Leinenruck beide Hunde komplett verunsicherte (schon beim Schlüssel klappern zucken sie jetzt noch zusammen) und sich das Verhalten verschlimmerte, habe ich nach anderen Methoden gesucht.

Wir sind dann bei Animal Learn gelandet.

Animal Learn arbeitet ohne Zwang und nur mit positiver Bestärkung. Das bedeutet nicht mangelnde Konsequenz oder keine Regeln, es wird nur auf das Einwirken durch Zwang komplett verzichtet, eher auf Methoden wie Desensibilisierung und klassische Gegenkondition gesetzt. Zudem wird stark auf die Körpersprache von Hunden sowie die jeweilige Individualität geachtet und in das Training mit einbezogen. Grundlegend ist auch die Annahme, dass es keine Rangordnung zwischen Hund und Halter gibt, ein erstes durch die Tür gehen, ist kein Beleg dafür, dass man einen dominanten Hund hat. Auf dieser Arbeit wird individuell auf den Hund eingeangen und auf einer Basis von gegenseitigen Respekt gearbeitet. Einen ersten Überblick kannst Du dir auf deren Website (Quelle bitte per PN erfragen) veschaffen, ich wollte hier nicht alles rüberkopieren (darf man auch glaube ich gar nicht).

Ich hatte früher Vorbehalte gegenüber Animal Learn, weil ich dachte, man setzt keine Grenzen. Das ist aber nicht der Fall. Unsere Trainerin bildet sogar die Rettungshundestaffel Eimsbüttel aus, ein weiterer Beleg, dass man auch anders als Stachelhalsband oder negativer Verstärkung ans Ziel kommen kann (siehe auch Quelle bitte per PN erfragen). Sicher ist nicht alles toll bei Animal Learn, ich glaube, manche betreiben es ein wenig sektenartig, aber das hängt sicherlich auch vom jeweiligen Trainer ab. Für uns ist es nur definitiv der richtige Weg.

Liebe Grüße, Sandra

Sanne

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern

Beiträge: 1.245



01.03.2008 17:08
Animal learn ist nicht grenzenlos Zitat ·antworten
Es gibt bestimmt auch komplett anti-autoritäre Trainer, aber bei uns ist es nicht so. Und das in Grenzen weisen geht dann über ein "Nein", Hilfsmittel wie Schleppleine und mit dem Anbieten von alternativem Verhalten.

Das klassische Beispiel ist hier, wenn man Dir sagen würde "Denk nicht an rot! Denk auf keinen Fall an rot! Ich schwör Dir, denk bloss nicht an rot! Ich warne Dich!!!" denkst Du natürlich sofort an rot. Wenn man Dir aber sagen würde "Denk an ein blau", kommt Dir das rot nicht in den Sinn.

Die Dominanz-Geschichte kann ich auch nicht mehr hören. Wir hatten uns ja nachdem es nicht besser wurde verschiedene Trainer angeschaut, unter anderem einen grenz-debilen Herrn mit "Gebrauchsgegenständen" (so nannte er seine Hunde), der meinte meine Hunde würden bellen, weil sie mich nicht ernst nehmen. Ich kann beide mit einem Blick wegschicken, der Grundgehorsam ist echt gut und es gibt sonst keinerlei Probleme bis auf das Bellen. Er ist überhaupt nicht auf die Angst eingegangen, sondern wollte uns für sehr viel geld ein Eriehungsgrundkurs verkaufen und die Hunde dürften auch nix mehr, nicht mehr aufs Sofa, ins Bett, Spielzeug weg,....dem Herrn haben wir auch freundlich gesagt, das wir nicht bei ihm trainieren werden.

Liebe Grüße, Sandra

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

Beiträge: 38.931



01.03.2008 18:06
RE: Animal learn ist nicht grenzenlos Zitat ·antworten

Danke für die tollen Ausführungen. Ich gebe zu, ich habe da auch Vorbehalte, einfach aus der Erfahrung mit meinem Hund heraus, bei dem ein "Nein" eben nicht reicht, damit er die Grenzen, die ich setze, ernstnimmt. Gerade, wenn er sich aggressiv verhalten "will" (also, im Begriff ist, es zu tun), muß er sehr deutlich gesagt bekommen, daß ich das nicht will. Andererseits habe ich auch viele "animal learner" in den Foren erlebt, die sich eher als antiautoritär darstellten, vor allem aber so extrem "schubladig" einen wahren Glaubenskrieg anzettelten, daß ich ihnen den Soft-Liner, wenn es um Mitmenschen geht, eben nicht "abkaufe".

Ich fände es toll, wenn Du Dein Training noch näher beschreiben und -das würde mich sehr freuen- auch mal mit ein paar Bildern dokumentieren würdest, also Du und Deine beiden "in action". Klar, daß ich Dir die gerne umrechne und einstelle - nöch? :-)

Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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"Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden."
(Papst Franziskus)

camijojo



Beiträge: 1.630


01.03.2008 18:54
RE: Glaubenssache? Zitat ·antworten
An (Sannes und ;-))meiner Trainerin find ich gut, dass tatsächlich auch mal ein "Nein" "erlaubt" ist, habe bei einer anderen Trainerin derselben Schule da schon mal das Gefühl gehabt, dass es mir zu weichgespült daherkam. Ständig nur auf (angebliche) Beschwichtigung geachtet und wie ich fand, überängstlich und übervorsichtig im Umgang mit den Hunden. Toll finde ich auch, wie genau gearbeitet wird. Nix mit "Leckerchen werfen" sondern das Herausarbeiten des exakt richtigen Momentes für die Belohnung.
Wie an anderer Stelle schon geschrieben habe ich vorher schlechte Erfahrungen gemacht mit einer Hundeschule, die nach dem Konzept des Schweizer Ochsenbein arbeitet. Ärgere mich jetzt noch, dass ich das ein halbes Jahr lang mitgemacht habe. Die ärgsten Erinnerungen: der Hund soll vor UND nach der Straße sitz machen, bestätigt nur durch das Wort "sitz", Hand auf den Kopf, KEINE Belohnung und: ziehen am Halsband nach oben. Das hat Camillo unglaublich genervt!!! Auf meinen Hinweis, dass es Camillo eher unangenehm ist, wenn ich ihm dann auch noch die Hand auf dne Kopf lege, kam die grinsende(!) Antwort: das soll es ruhig, DER braucht die Unterordnung. Ich enthalte mich jetzt des Kommentars. Zu der Zeit habe ich es leider-fast- noch geglaubt. lieblingsübung: die Hangübung, bei der der Hund am Hang bei jedem Schritt neben einem sitz (immer auf die oben beschrieben Art und Weise, ohne Belohnung, "einfach" zur Unterordnung) machen muss, gerade zum Hang hin. besonders für einen großen Hund sehr, sehr anstrengend. Camillo hat für drei Schritte 15 min. gebraucht, weil er -der Kluge- es einfach nur blöde und anstrengend fand. Ist immer konsequent stehengeblieben . Daraufhin die Empfehlung mit dem Drei-Wochen-Ignorier- Programm.
Meine letzte Trainingsstunde in der Gruppe im Jehnischpark eskalierte, als wir im Regen in einer Hütte Zuflucht suchten. Sechs Hunde auf engem Raum, einer fing an zu bellen, Camillo dann zurück gebellt und die Rütteldose flog neben ihn. Da ist mir dann der KRagen geplatzt. Habe angesprochen, dass ich das Gefühl hätte, dass Camillos Probleme mit dieser Methode nur größer würden. Antwort: "Tja, dann mußt Du ihn entweder abgeben, oder es bleiben Dir nur noch Starkzwang oder Leckerchen, aber das kannst du bei DEM Hund vergessen." Da bin ich gegangen, im strömenden Regen und heulend vor Wut.
Da eine Bekannte von mir die Ausbildung bei animal learn begonnen hatte, wußte ich von dieser Methode und habe dann dreimal einen Kurzurlaub bei Martinan Shcolz (Buchempfehlung: "Streß bei Hunden") gemacht, da es zu der Zeit hier noch keinen Trainer gab. Was eine Entspannung und Erleichterung! Mir nicht ständig unterschwellig vorwerfen zu lassen, dass mein Hund "dominant" sei und stattdessen zu hören, wie gut sein Grundgehorsam und seine Bindung zu mir....Trainig und Spaziergänge mit ihm machten wieder Spaß!!!
Und er machte schnell Fortschritte...
Sanne

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern

Beiträge: 1.245



01.03.2008 20:46
RE: Glaubenssache? Zitat ·antworten
Hallo und Guten Abend,

@Veronica: Da hattest Du ja einen richtigen leidensweg. Ich finde, der schlimmste Moment ist, wenn man trotz Trainings seiten an dem Hund sieht, die man überhaupt nicht kannte Bei uns war das als Mini einen anderen Hund mehr als abgeschnappt hat (nein, hat ihn aber nicht gebissen, war aber kurz vorm eskalieren). Da haben wir dann umgestellt.

Fotos sind schwierig, weil man bei zwei Hunden immer alle Hände voll zu tun hat, aber wenn mein mann uns begleitet, kann ich ihn bitten zu fotografieren. Da er aber in der Woche in STockholm ist, wird es etwas dauern. Vielleicht können wir auch Fotos von der Hundeschulgruppe machen, wenn es abends wieder etwas heller ist.

Ausführlicher vom Training kann ich auch noch einmal berichten, mein Mann wird nur sauer, wenn ich jetzt noch mehr Wochenendzeit vorm Rechner verbringe (haben ja nur das WE). Wir hatten jetzt 12 Stunden, vielleicht beschreibe ich kurz die Lektionsinhalte, wenn Euch das interessiert.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal betonen, dass jeder für seinen Hund individuell das richtige Konzept bzw. Trainingsweg finden muss, bei uns war das letzlich Animal Learn, das heißt aber nicht, dass es das Allheilmittel für jeden Hund ist.

Liebe Grüße, Sandra

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

Beiträge: 38.931



02.03.2008 02:23
RE: Glaubenssache? Zitat ·antworten

Zitat von Sanne
Fotos sind schwierig, weil man bei zwei Hunden immer alle Hände voll zu tun hat, aber wenn mein mann uns begleitet, kann ich ihn bitten zu fotografieren. Da er aber in der Woche in STockholm ist, wird es etwas dauern. Vielleicht können wir auch Fotos von der Hundeschulgruppe machen, wenn es abends wieder etwas heller ist.

Ausführlicher vom Training kann ich auch noch einmal berichten, mein Mann wird nur sauer, wenn ich jetzt noch mehr Wochenendzeit vorm Rechner verbringe (haben ja nur das WE). Wir hatten jetzt 12 Stunden, vielleicht beschreibe ich kurz die Lektionsinhalte, wenn Euch das interessiert.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal betonen, dass jeder für seinen Hund individuell das richtige Konzept bzw. Trainingsweg finden muss, bei uns war das letzlich Animal Learn, das heißt aber nicht, dass es das Allheilmittel für jeden Hund ist.


Take your time. Wenn es klappt, wäre es aber toll. Ich kann mich an Hundebildern immer kaum sattsehen.

Ja, berichte gerne mal mehr. Je genauer die Beschreibung, desto besser das Bild, das sich ein Außenstehender machen kann.

Das letzte finde ich wichtig. Ich halte den Weg, den ich mit Ben gehe, für den besten. Für Ben. Das heißt nicht, daß ich zwingend mit JEDEM Hund diesen Weg gehen wollen oder können würde.

Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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(Papst Franziskus)

Mydog

Direktorin des Zwockel-Zirkus und bekennend geschirrsüchtig sowie Tante Lupa (Admin)

Beiträge: 36.206



02.03.2008 11:38
RE: Glaubenssache? Zitat ·antworten
Hallo an alle,
ich finde das Thema hier superspannend und würde mich auch über weitere Berichte freuen.
Ich versuche mir gerade aus Euren Berichten eine Meinung zu bilden. Es scheint mir so, daß es letztendlich wahrscheinlich keine Methode gibt, die für jeden Hund 100%ig richtig ist. Ich wäre bei Murphy beispielsweise ohne ein "Nein" und auch noch etwas deutlichere Ansagen nie hingekommen. Dennoch gefällt mir, was ihr von Animal Learn berichtet und ich wüßte auch gerne noch mehr darüber.

Bei mir ist das alles schon recht lange her und die Erziehung folgte eigentlich keiner "Schule". Am meisten eingeleuchtet haben mir damals die Dinge, die ich bei Günther Bloch gehört und gelesen habe.
Und auch wenn ich aktuell keinen Hund zu erziehen habe, beschäftige ich mich gerne mit diesem Thema und werde Euch weiter aufmerksam zuhören.




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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Gretacaro

auf Landflucht

Beiträge: 455



02.03.2008 13:36
RE: Glaubenssache? Zitat ·antworten

Hallo.
ich habe mit Jacky ebenfalls einen richtigen Leidensweg hinter mir. Die erste Trainerin riet mir zu Schlüsselbund werfen, in die Seite kneifen bei bellen,... wie ihr auf der Homepage nachlesen könnt hat dies fast zu einem Angriff auf meinen Sohn geführt. Was kann ein Hund wie Jacky, der nix weiß, außer das er Angst hat mit einem "nein" anfangen?
All das bedarf ausreichendes Training. Die zweite Trainerin riet mir Jacky 14 Tage komplett im Haus zu ignorieren, nur draußen Zuwendung zeigen.
Was kann ein Hund der draußen nur Angst hat und garnichts um sich herum bemerkt dann mit Zuwendung anfangen? Wie soll er Vertrauen zu uns fassen?
Regeln, wie nicht aufs Bett, Tür, Sofa etc. kamen noch dazu und mein Maß war voll. Meine jetzige Trainerin, Ärztin für Verhaltenstherapie hat mich erst einmal aufgeklärt was mit Jacky überhaupt los ist.
Ihr Besteben ist es Jacky die Ängste zu nehmen und nicht mir so schnell wie möglich einen gut funktionierenden Hund zu trainieren. Das vergesse ich manchmal im Alltagsstress, das es darum geht dem Hund die Angst zu nehmen. Ich möchte keinen Hund an meiner Seite der mit eingekniffenen Schwanz neben mir hertrottet, zwar keinen Mucks mehr von sich gibt, lediglich die Angst aushält. Das ist mir gerade wieder in meiner letzten Trainingsstunde klar geworden. Ein Desensibisierungsprogramm lässt sich nicht immer durchführen, das mag bei vereinzelten Problemen gehen, aber nicht unter meinen Lebensumständen (Großstadtleben) und den vielfältigen Ängsten von Jacky. Wir müssen jetzt zweigleisig fahren. Das heißt auch das ich Jacky mit seinen Ängsten konfrontieren muss, er ein Alternativverhalten lernen muss damit er überhaupt Fortschritte machen kann.
Mit dem Animal learn Programm habe ich mich viel beschäftigt und Bücher dazu gelesen, ist im Grunde genommen kein spezielles Programm was sich besonders definiert.
Es ist ebenfalls ein Verhaltenstraining. Das gefällt mir gut daran.
L.G.
Verena

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

Beiträge: 38.931



02.03.2008 13:49
RE: Glaubenssache? Zitat ·antworten

Zitat von Mydog
Bei mir ist das alles schon recht lange her und die Erziehung folgte eigentlich keiner "Schule". Am meisten eingeleuchtet haben mir damals die Dinge, die ich bei Günther Bloch gehört und gelesen habe.


Das geht mir auch so. Der hätte bei mir glatt das Zeug zum Guru, wo er doch fast acht Stunden hampelnd neben mir und Ben augeharrt und gar nicht gemerkt hat, daß der meinige ein "Problem-Hund" is. ;-)

Nee, Ernst. Ich habe mich ja durch haufenweise Literatur gewühlt, und schon der Schreibstil vom Bloch war der, der mir am besten gefiel. Immer alles auch mit einem Augenzwinkern und mit irgendwie bodenständigen, aber absolut nicht unfundierten oder gar unwissenschaftlichen Ansichten und Angaben. Im Gegenteil, er ist einer von denen, die am stärken wirklich wissenschaftlich arbeiten, mit Zitaten und Quellenangaben, aber praxis-, menschen- und vor allem hunde-orientiert. Das hat mich von Anfang an beeindruckt, und die Begegnung mit ihm hat mir diesen Eindruck verstärkt. Ich werde, wenn Ihr wollt, die Tage mal was über das Seminar (also, die genauen Inhalte) und etwas mehr über seinen Ansatz schreiben, ist ja hier der falsche Thread.

Aber ich kann's jetzt natürlich nicht lassen, die Sache mit der Schlange an dieser Stelle zu erwähnen bzw. zu erklären. Ist ja an anderen Stellen schon angeklungen. Für mich ist das nämlich doch ein Grund, bei der Dame Reinhardt dreimal hinzugucken, auch wenn ich natürlich nicht alle ihre Ideen schlecht finde. Ich kann es nur nicht gut haben, wenn ein Konzept auf falschen Basisannahmen aufgebaut ist, und in diesem Fall scheint es mir das zumindest zum Teil zu sein.

Also, eine These der Dame, die animal learn begründet hat, ist, daß Wölfe und Hunde sich vor dem Schlafengehen im Kreis drehen, weil sie sichergehen wollen, daß sich unter ihren Füßen auch keine böse Schlange versteckt hat.

Nun ist der Gag, daß u.a Bloch nachgewiesen hat, daß auch Wölfe in der -tendentiell häufig ziemlich kalten und verschneiten und damit eher wenig schlangenanfälligen- Tundra selbiges Ritual auch mit Wonne abspulen. Er zeigte auf dem Seminar eine nette Dokumentation dazu, war schon toll, zu beobachten, wie der Tundra-Wolf den Schnee platttrampelte, um die darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit befindliche Schlange quasi im Eis einzuzementieren. ;-)

Nun könnte man sagen, ist halt einfach ein stammesgeschichtliches Programm. Ist aber nicht so, wäre nur so, wenn die Tundra-Wölfe mal in anderem Kima gelebt hätten und quasi in die Kälte ausgewandert wären. Die leben aber immer schon da, und weder sie, noch ihre Vorväter haben jemals Kontakte mit schlangenähnlichen Wesen gehabt, da kann man doch ziemlich sicher sein. ;-)

Von daher ist der Erklärungsansatz der Dame Reinhardt diesbezüglich ein ganz kleines bißchen weit hergeholt. Was, wie ich finde, für einen professionellen Hundeversteher, der auch für sich in Anspruch nimmt, das Wesen des Hundes erkannt zu haben, irgendwie ein wenig peinlich ist. ;-)

Ich betone, daß ich damit NICHT sagen will, daß nun alle, deren Hunden ihre Methode hilft, sofort schreiend wegrennen sollten oder alles falsch machen oder Deppen à la "Debil-Fraktion" wären. Ich glaube im Gegenteil, wenn es letztlich zur Folge hat, daß der Hund klare Strukturen und Regeln lernt und eine gute Bindung zu seinem Menschen aufbaut, sit fast egal, nach welchem Konzept oder ob überhaupt nach einem Konzept der Mensch das erreicht. Solange keine Glaubenskriege angezettelt werden und Leute von irrigen Annahmen per vorgehaltener verbaler Waffe überzeugt werden sollen, sehe ich hier kein Drama wie da.

Allerdings finde ich persönlich es eben wichtig, daß die Grundlagen stimmen, die Begründungen für eine Verhaltensweise dem Hund gegenüber richtig sind. Das ist etwas, was ich bei der Ute Blaschke-Berthold, mit der ich auch nicht an allen Punkten übereinstimme, einfach weil nicht alles für Ben stimmig ist, so klasse finde. Sie ist Verhaltensbiologin, hat geforscht, wo im Hirn Angst und Aggression entstehen und wie ein Einfluß auf diese Verhalten überhaupt möglich ist. Und DARAUS hat sie ihren Ansatz entwickelt. (Auch dazu, wenn Ihr wollt, gerne mehr, auch in 'nem neuen Thread.)

Was Sanne und Camijojo auf Basis von Animal Learn mit ihren Hunden erreichen, will ich aber wirklich auf keinen Fall schmälern. Ist hoffentlich klar, oder?

Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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Mydog

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Beiträge: 36.206



02.03.2008 15:04
RE: Glaubenssache? Zitat ·antworten

Zitat von Elektra
Nun ist der Gag, daß u.a Bloch nachgewiesen hat, daß auch Wölfe in der -tendentiell häufig ziemlich kalten und verschneiten und damit eher wenig schlangenanfälligen- Tundra selbiges Ritual auch mit Wonne abspulen. Er zeigte auf dem Seminar eine nette Dokumentation dazu, war schon toll, zu beobachten, wie der Tundra-Wolf den Schnee platttrampelte, um die darunter mit hoher Wahrscheinlichkeit befindliche Schlange quasi im Eis einzuzementieren. ;-)

Und auch in unseren Breitengraden sind Giftschlangen ja wohl tendenziell eher "unterrepräsentiert" möchte ich mal sagen. Und so ne Blindschleiche, die kann man als Wolf doch sicher einfach mal platt liegen , gell?!

Zitat von Elektra
Das ist etwas, was ich bei der Ute Blaschke-Berthold, mit der ich auch nicht an allen Punkten übereinstimme, einfach weil nicht alles für Ben stimmig ist, so klasse finde. Sie ist Verhaltensbiologin, hat geforscht, wo im Hirn Angst und Aggression entstehen und wie ein Einfluß auf diese Verhalten überhaupt möglich ist. Und DARAUS hat sie ihren Ansatz entwickelt. (Auch dazu, wenn Ihr wollt, gerne mehr, auch in 'nem neuen Thread.)

Ja bitte, gerne und auch zum Seminar bei Günther Bloch, das würde mich sehr(!) interessieren!

Zitat von Elektra
Was Sanne und Camijojo auf Basis von Animal Learn mit ihren Hunden erreichen, will ich aber wirklich auf keinen Fall schmälern. Ist hoffentlich klar, oder?

Das ist denke ich, ein ganz wichtiger Punkt. Es wird wahrscheinlich in fast allen "Schulen" Dinge geben, die man nicht gut oder sogar falsch findet oder einfach für den eigenen Hund nicht passend. Es gibt aber Grundlagen / generelle Dinge, die sollten schon stimmen, z.B. eben, daß nicht mit tierschutzrelevanten Methoden gearbeitet wird oder wirklicher Unsinn erzählt wird aus dem man sich dann mühsam das noch verwertbare rauspicken muß. Das sind dann für mich Ausschlußkriterien!

Wichtig ist aber, viele Dinge zu kennen, sich gut zu informieren, nicht alles "sektenmäßig" zu glauben (wurde hier ja auch schon schön von camijojo geschildert, daß die ausgewählte Trainerin auch für "Wege rechts und links" offen ist), um dann für den eigenen Hund den richtigen Weg zu finden.

Ich freue mich auf weiteren Input in dieser Richtung!




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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FrauBine



Beiträge: 3.919


02.03.2008 15:46
RE: Animal learn - wie geht das? Zitat ·antworten

Hallo zusammen,

wie ich schon im "Ursprungsthread" hierzu geschrieben habe, hatte ich auch immer so "Bauchgefühl-Vorbehalte" gegen Animal Learn, weil das, was ich davon gehört habe, mir sehr "dutzi-dutzi-mäßig" vorkam und mich an die antiautoritäre Erziehung bei Kindern erinnert hat, von der ich wenig bis gar nichts halte - es sei denn, man möchte sich unbedingt einen Egomanen heranziehen...

Was Sanne und Camijojo geschrieben haben, finde ich aber recht überzeugend. Ich denke, der Erfolg hängt hier wie allen Ausbildungsweisen sehr stark vom einzelnen Trainer ab - und natürlich vom Herr/Hund-Gespann, das Zusammenspiel muss einfach passen.

Die Schlangengeschichte... na gut, ich geb zu, ich fand die erstmal auch ganz überzeugend. Genauso überzeugend finde ich aber auch das Argument, dass Wölfe in der Tundra wohl tendentiell eher weniger Angst vor Schlangen haben... Wobei es schon stimmt, dass Zischen auf viele Hunde eine besondere Wirkung hat, warum auch immer. Ich kann mich an einen TV-Bericht über einen Trainer erinnern, den ich vor Urzeiten mal gesehen hab - der hat Hunden das "Nicht-Leineziehen" beigebracht, indem er immer, wenn der Hund unaufmerksam wurde, wie eine Schlange "ksssssssss" zischte. Funktioniert, ich hab's selbst mal ausprobiert, aber wer will schon ständig zischend durch die Gegend laufen? Als wär nicht das ständige Stehenbleiben und Schlangenlinienlaufen schon peinlich genug...

Barbara, du hast geschrieben: "Allerdings finde ich persönlich es eben wichtig, daß die Grundlagen stimmen, die Begründungen für eine Verhaltensweise dem Hund gegenüber richtig sind."

Da stimme ich dir grundsätzlich absolut zu, ich bin mir nur nicht sicher, ob das immer gewährleistet sein kann. Was heute wissenschaftlicher Stand der Dinge ist, kann morgen schon wieder überholt sein, und dann gibt es immer noch zig Experten, die jeweils unterschiedliche Ansichten vertreten, von denen jeder einzelne für sich logische und nachvollziehbare Gründe für seine Sicht der Dinge darlegt. Für den Laien - und dazu zähle ich mich - kann es sehr schwierig sein, sich da das Richtige "rauszupicken". Wobei - und damit haben wir wahrscheinlich den Konsens schon wieder: wenn wissenschaftlich nachgewiesen wird, dass eine Interpretation hundlichen Verhaltens so nicht stimmen kann, sollte der Urheber der Interpretation auch die Größe zeigen, sich zu korrigieren.

Generell hab ich aber immer so meine Problemchen mit ganz bestimmten und stark standardisierten "Methoden" der Hundeerziehung, die dann blind auf jeden Hund angewendet werden. Wenn dann noch dazukommt, dass der Erfinder einer gaaaaaaaaanz neuen und tollen Art, mit Hunden, Pferden oder sonstwelchem Getier umzugehen, noch bestimmte und ebenfalls von ihm erfundene Hilfsmittel mit vermarktet, ist bei mir sofort der Misstrauensmodus an. Wenn dann noch diese von Sanne angesprochene sektenartige Verehrung der jeweiligen Jünger hinzukommt... tja, dann isses bei mir eigentlich schon wieder vorbei mit Interesse...

Gerade hab ich in der aktuellen Dogs das Interwiew mit Jan Nijboer gelesen, und auch dieser Herr - obwohl seine Ansätze bestimmt nicht schlecht sind und für viele Hunde auch passend sein mögen - erscheint mir etwas zu dogmatisch, um ihn uneingeschränkt toll finden zu können. Allerdings könnte ich mir dazu kein abschließendes Urteil erlauben, weil ich zuwenig über ihn weiss.

Aus diesem Grund finde ich die Rubrik hier super, sie bietet eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick über die Denkansätze und die Vorgehensweise verschiedener Trainer bzw. Verhaltenskundler machen zu können. Über Animal Learn hab ich jetzt jedenfalls schon definitiv Neues erfahren und bei einem Blick auf die Homepage gesehen, dass jeder Hund individuell betrachtet wird und somit auch für jeden Hund individuell geeignete Lösungsansätze erarbeitet werden. Wenn dem so ist, ist das für mich ein deutlicher Pluspunkt, denn ich denke, so sollte eigentlich jeder gute Hundetrainer vorgehen: nicht nach Schema F, sondern dem einzelnen Hund (und Halter) angemessen.

Bin schon gespannt, Barbara, was du zu Herrn Bloch zu sagen hast. Der steht schon auf meiner aktuellen "Bücher-Wunsch-Liste"...

LG,
Sabine

Gretacaro

auf Landflucht

Beiträge: 455



02.03.2008 17:18
RE: Animal learn - wie geht das? Zitat ·antworten

Letztendlich steht und fällt das Training doch immer noch mit der Trainerin. Im Falle von Sanne und Camijojo scheint es die richtige Person zu sein.
Ich habe in der Hamburger City Dogs einen Bericht über ihr Training mit einem angstaggressiven Hund gelesen und es gefiel mir sehr gut.
Was mir letztendlich Unbehagen bereitet, als ich mehr über Clarissa Reinhardt las, kann ich nicht genau sagen. Kann sein das die Flut von Büchern aus dem Animal Verlag und das ganze Drumherum mir einfach Unbehagen bereitet hat. Vielleicht ist mir der wissenschaftliche Anteil auch einfach zu gering und das publizieren zu viel?
Günther Bloch ist mir sympathisch, ich mag seine bodenständige Art aber mir am nächsten ist mir immer noch Jean Donaldson (Hunde sind anders) die mir komplett rundherum in allem, von ihrer Art zu schreiben bis hin zu ihrem wissenschaftlichen Ansatz am allerbesten gefällt. Ich liebe dieses Buch und kann es jedem nur ans Herz legen.
Aber Geschmäcker sind verschieden.
L.G.
Verena

FrauBine



Beiträge: 3.919


02.03.2008 17:23
RE: Animal learn - wie geht das? Zitat ·antworten

Zitat von Gretacaro

Günther Bloch ist mir sympathisch, ich mag seine bodenständige Art aber mir am nächsten ist mir immer noch Jean Donaldson (Hunde sind anders) die mir komplett rundherum in allem, von ihrer Art zu schreiben bis hin zu ihrem wissenschaftlichen Ansatz am allerbesten gefällt. Ich liebe dieses Buch und kann es jedem nur ans Herz legen.



...das hab ich auch, hat mir gut gefallen! Ist allerdings schon ne ganze Weile her, dass ich es gelesen hab... vielleicht sollte ich es mir mal wieder zu Gemüte führen.

Aber erstmal kommt jetzt der Herr Bloch dran. Was mich auch noch interessiert, ist "Das andere Ende der Leine" von Patricia B. McConnell, vielleicht hat das ja auch schon jemand hier gelesen und kann was dazu sagen? Wobei das ja nu wieder off topic ist, räusper...

LG,
Sabine

Sanne

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern

Beiträge: 1.245



02.03.2008 19:54
RE: Animal learn - wie geht das? Zitat ·antworten

Hallo an Alle,

ich muss einmal ein Kompliment aussprechen, ich finde es ganz toll, dass man in diesem Forum sich wirklich austauschen kann und auf Individualität eingegangen wird. Das habe ich schon mal anders erlebt, auch die AL-Gurus, die mit Sendungsbewusstsein durch die virtuelle Welt reisen.

Ihr habt es ganz richtig geschrieben: Es steht und fällt mit dem Trainer. Unsere Trainerin ist wirklich gut, wir durchlaufen wie Verena ein De-Sensibilsierung-Programm nach dem AL-Konzept, wobei aber ein Nein und Grenzen auch klar erlaubt sind. Ich denke, hier hat die praktische Arbeit und das Ausbilden von rettiungshunden und das Führen einer Staffel entsprechende Kenntnisse gebracht, die das AL-KOnzept erweitern. Elmo ist etwa eine zeitlang knurrend auf die anderen Hunde losgestürmt, nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" und meinte auf einmal Raben jagen zu müssen. Schleppleine dran und wenn die zu Ende ist und er mal voll rein läuft, ist das auch mal unangenehm. Aber so ist Jagdverhalten gar nicht erst aufgekommen und auch das Losstürmen kommt kaum mehr vor, wenn kann ich ihn immer abrufen. Erst heute war ich wieder stolz auf meine Mäuse, zahlreiche Hundbegegnungen wurden ohne Probleme gemeistert und es waren alle große Hunde. Nur einer, der im Voll-Speed auf uns zurannte wurde angekreischt (das ist wirklich schreien bei denen) und Elmo wollte auf ihn los, aber auch hier konnte man ihn durch das vorherige Schleppleinen-Training abrufen. Bei unserer Trainerin ist AL wirklich nicht nur Betüdeln, sondern es ist ein Nehmen der Ängste durch De-Sensibilsierung wobei gefährliche Verhaltensweise eben auch nicht erlaubt sind. Wie gesagt, für uns richtig, weil wenn sie in ihrer Angst kreischen und bellen und ich jetzt noch mit schlimmen Strafen komme, wird es noch viel, viel schlimmer (das hatten wir ja vorher versucht).

Zu der Schlangen-Geschichte: Totaler Müll, eine Freundin von mir lebt mit drei Chihuahuas, zwei Schlangen und zwei Katzen zusammen und die Hunde haben NULL Angst vor der Schlange. AL hat für mich hauptsächlich gute Ansätze, die durch verhaltensbiologische Forschung belegt werden. Hierzu kann ich "Das andere Ende der Leine" (meine Bibel!) sowie das zweite Buch von Patricia McConnell empfehlen, wobei es oft in die Bio-Chemie abdriftet und sich daher nicht in einem Rutsch durchlesen lässt, "Liebst Du mich auch? Über die Gefühlswelt von hudn und Mensch". Hier nicht vom Titel abschrecken lassen. Patricia McDonnell war selbst auch schon mal bei AL und meine Trainerin hat auch bei ihr ein Seminar belegt. Und manche Sachen, wie etwa die Schlangen-Geschichte, finde ich überhaupt nicht einleuchtend.

Für uns ist das Training letztendlich das entscheidende und das hat bei uns 12 Stunden wirklich riesige Fortschritte gebracht.

Liebe Grüße, Sanne

Gretacaro

auf Landflucht

Beiträge: 455



02.03.2008 22:24
RE: Animal learn - wie geht das? Zitat ·antworten

Ich bin immer wieder begeistert wie vorbildlich Du mit Deinen kleinen Rabauken umgehst. Ist einfach toll zu hören das sie ein normales Hundeleben führen dürfen und nicht als Modeassecoire eine Paris Hilton Schulter verzieren müssen ;-)

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