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Dieses Thema hat 43 Antworten
und wurde 1.739 mal aufgerufen

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 Behaviour (öffentlich)
Seiten 1 | 2 | 3
woodyfan Offline

Wo Unabhängigkeit Lebenseinstellung ist


Beiträge: 140

05.07.2008 18:08
#31 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten

Hallo, Melanie, ich habe mich durch den Thread gelesen, weil ich vieles von dem, was du beschreibst, mit Woody auch erlebt habe. Es geht bei uns allerdings nicht um Aggression, sondern unerwünschtes Verhalten im Sinne von PKWs und Trecker "jagen" und vor allem die Parallele, daß Woody dieses Verhalten AUSSCHLIEßLICH bei mir zeigt.

Ich kenne also ansatzweise deine derzeitigen Gefühle, wenn es raus geht mit den Hunden, wobei der Leidensdruck bei dir sicher deutlich stärker ist als bei mir...das tut mir leid! Aber anyhow, das Problem will ja gelöst werden und je pragmatischer du damit umgehst, desto besser, auch wenn`s schwerfällt.

Als Woody mit dem Schwachsinn des Autojagens anfing, war ich wie vor den Kopf geschlagen! Wir hatten ihn damals vier Jahre und noch nie zuvor hatte ich das bei ihm erlebt. Wir waren alleine unterwegs, der Jagdtrieb war halbwegs im Griff, da umkreiste Woody einen fahrenden Traktor, der natürlich auch nicht stehen blieb, und bellte, was das Zeug hielt. Eine für den Hund lebensgefährliche Situation. Es setzte sich dann fort mit langsam fahrenden PKW, aber nur, wenn ICH mit ihm unterwegs war. Ich war total frustriert, mochte Woody nicht mehr ableinen und kochte vor Wut, wenn es wieder mal "passierte". Folgendes ging mir durch den Kopf:

- Woody verhält sich nur bei mir so, es liegt an der Beziehung zwischem ihm und mir
- ich bin total verunsichert, habe Angst, ihn abzuleinen
- ich werde nervös, wenn sich Autos nähern, das überträgt sich auf den Hund
- wie sieht es mit dem Grundgehorsam aus? "Hört" Woody auf mich?
- bin ich konsequent genug im Umgang mit ihm?
- wie kann ich ihn beeindrucken, wenn er unerwünschtes Verhalten zeigt?
- nimmt er mich ernst?

Die letzte Frage ist, glaube ich inzwischen, die entscheidende. Es ist letztens folgendes passiert:
Langsames Auto nähert sich, Woody im Geschirr, online. Ich bleibe stehen, Hund knurrt, hat Bürste. Von mir kommt ein lautes NEIN, erreicht den Hund nicht. Er macht Anstalten, sich auf das Auto zu stürzen...ich rucke an der Leine und trete ihm versehentlich auf die Pfote...Hund jault, wird sofort ruhig und hat sich tagelang bilderbuchmäßig verhalten. Das hat mich dazu veranlasst, mich zu fragen, wie ich Woody beeindrucken kann, natürlich ohne ihm wehzutun. Mir ist folgendes dazu eingefallen:

- Arbeit am Grundgehorsam mit Leckerchen ( es gibt da so berühmte Kekse...)
- Rituale einführen
- deutlich mit dem Hund kommunizieren, klare Befehle geben, nicht viel Wischiwaschi reden

Das versuche ich gerade, mit Woody umzusetzen. Mit zwei Hunden ist es sicher ungleich schwieriger, da kann ein trainer sehr hilfreich sein. Gibt es denn so etwas wie einen geschützten Rahmen, z. B. ein kleiner Hundeplatz, wo auch Hundebegegnungen vorsichtig geübt werden können?

Ich weiß nicht, ob du hier mit meinen "Ergüssen" etwas anfangen kannst. Bei uns läuft auch lange nicht alles so, wie es sein soll. Aber es wird IMMER BESSER, und kleine Schritte bringen dich auch ins Ziel.
Also, laß dich bloß nicht entmutigen und glaube nicht, du seist ein Loser...das ist hier im Forum niemand!!
Halt uns auf dem Laufenden...lieben Gruß von Karin und Woody

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.047

05.07.2008 18:20
#32 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten

Zitat von woodyfan
- nimmt er mich ernst?
Die letzte Frage ist, glaube ich inzwischen, die entscheidende. Es ist letztens folgendes passiert:
Langsames Auto nähert sich, Woody im Geschirr, online. Ich bleibe stehen, Hund knurrt, hat Bürste. Von mir kommt ein lautes NEIN, erreicht den Hund nicht. Er macht Anstalten, sich auf das Auto zu stürzen...ich rucke an der Leine und trete ihm versehentlich auf die Pfote...Hund jault, wird sofort ruhig und hat sich tagelang bilderbuchmäßig verhalten. Das hat mich dazu veranlasst, mich zu fragen, wie ich Woody beeindrucken kann, natürlich ohne ihm wehzutun. Mir ist folgendes dazu eingefallen:
- Arbeit am Grundgehorsam mit Leckerchen ( es gibt da so berühmte Kekse...)


Also, von den Keksen kannst Du kriegen. :-)

Was mir deine Frage und dieses Erlebnis einmal mehr zeigen, daß wir uns vielleicht auch davon verabschieden müssen, immer nur positiv arbeiten zu müssen, weil wir den armen Hundis ja nicht wehtun wollen.

Mir zeigt Woodys Verhalten, daß er Dich, als Du ihm -er weiß ja nicht, daß es ein Versehen war- auf die Füße tratest, im sprichwörtlichen Sinne, anfing, ernstzunehmen. Du sprachst eine für ihn als Hund verständliche Sprache: "Machst Du etwas, das ich, der Führende in unsere Kooperationsbeziehung nicht möchte, tut es weh." Klar, daß Woody DAS nicht will und sich entsprechend verhält.

Versteh mich nicht falsch, ich plädiere NICHT dafür, Woody oder überhaupt einem Hund dauernd auf die Pfoten zu treten, darum geht es nicht. Ich sage aber: Manchmal müssen Einwirkungen sein, eben weil ein charakterlich starker, unabhängiger Hund sich von einem "Weichei" an seiner Seite (aus seiner Sicht) nicht führen lassen wird, und zwar aus mir durchaus verständlichen Gründen. Ich sage darüberhinaus: Wenn schon Einwirkung, dann lieber einmal richtig (kräftiger Leinenruck, KEIN Gezuppel) als tausende von Malen halbherziges Rumgeziehe, das der Hund schlicht in seine Handlungsketten einbaut und eben NICHT ernstnimmt.

Dein Woody ist ein Super-Hund. Aber er ist auch super unabhängig, das hat mir sein gesamtes Verhalten beim Forumstreffen deutlich gezeigt. Der hat gar keine Lust, sich irgendwie unterzuordnen oder einem Menschen zu folgen, der doch (wieder: aus seiner Sicht) eh keine Hilfe ist. Und ganz sicher ist er charakterlich stark und klug genug, um zu wissen, daß eine deutliche Ansage, nach der Du ihn NATÜRLICH SOFORT LOBST, SOBALD er sein Verhalten ändert, eben genau das ist: eine deutliche Aufforderung, das gerade gezeigte Verhalten (hier: LKW ankläffen) zu unterlassen. Das nachfolgende Lob/Leckerchen zeigt ihm dann (wieder: für ihn verständlich), was Du haben möchtest, und NUR SO kann er lernen, was er soll und was nicht.

Ich habe mit Ben einerseits ein "heftigeres Kaliber" (weil nicht nur unabhängiger Geist, sondern auch aggressiv, wenn er irgendwas nicht einschätzen kann), andererseits aber einen vergleichbaren Hund (nicht gewöhnt, Menschen zu folgen, hinterfragend). Und ich habe für Ben feststellen müssen (und das hat mir keine Freude gemacht, ich habe mich lange gewehrt gegen diese Einsicht), daß ich ihm nicht nur sagen kann/darf, was gut ist, sondern auch, was unerwünscht ist und zwar nachdrücklich. Was ich bekommen habe, seit ich mich für den Hund deutlich verständlicher ausdrücke, hast Du, haben viele hier, erlebt: einen ruhigen und souveränen Hund, der nach mir guckt, mich fragt und mir vertraut, der keine Aggressionen braucht, wenn/weil ich für ihn da bin.

Uff, soviel wollte ich gar nicht schreiben, aber das Thema bewegt mich immer wieder. :-)

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

----

"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

woodyfan Offline

Wo Unabhängigkeit Lebenseinstellung ist


Beiträge: 140

05.07.2008 18:41
#33 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten

Tja, , du hast mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen und Woody im Nullkommanix durchschaut! Er ist ein superunabhängiger Hund, der bei uns Kost und Logis genießt und so gaaaanz langsam auch sein Hundeherz für uns öffnet! Aber draußen würde er am Liebsten allein herumstromern, so wie er es ja in seinen ersten Lebensmonaten gemacht hat.

Aber, schluß jetzt, das ist ja kein Woody-Thread!

Aber, Melanie, unsere Themen ähneln sich schon...wir müssen deutlicher im Umgang mit unseren Hunden werden!

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.047

05.07.2008 18:55
#34 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten

Zitat von woodyfan
Aber, schluß jetzt, das ist ja kein Woody-Thread!


Mach einfach einen auf. Lohnt sich bei diesem prima Hund doch auf jeden Fall. :-)

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

Schle Miel ( gelöscht )
Beiträge:

05.07.2008 18:56
#35 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten



Seh ich auch so. Und könnte ruhig vertieft werden. Ist doch interessant, auch für andere Hundeleute


Mydog Offline

Direktorin des Zwockel-Zirkus und bekennend geschirrsüchtig sowie Tante Lupa (Admin)


Beiträge: 38.103

05.07.2008 19:53
#36 RE: 2 Hunde-2 Probleme oder nur 1 Problem? Zitat · Antworten
Zitat von Schle Miel
Seh ich auch so. Und könnte ruhig vertieft werden. Ist doch interessant, auch für andere Hundeleute


Stimmt, ich habs grad ganz fasziniert gelesen.....




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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Der ist nicht klein, der ist ein Hundekonzentrat. :o)

Doppelpack Offline

Grenzgänger im Teutonen-Land


Beiträge: 107

06.07.2008 09:39
#37 RE: 2 Hunde-2 Probleme oder nur 1 Problem? Zitat · Antworten
Und ich sehe das auch so........

Aber mal zum Loser-Thread :
Wir üben mit 2 HUnden gleichzeitig an der 5-mtr. Leine. Es fing auf einem Parkplatz an - ohne Ablenkung, d.h. ohne andere Hunde etc.
Wirklich normales über den Platz laufen, in versch. Geschwindigukeiten, vor oder zurück, zick/zack oder stehenbleiben. Aber nicht um die Hunde zu ärgern und andauernd in die Leine laufen zu lassen. Sondern ich ich sollte die Hunde völlig vergessen. Aber: und das war am Anfang der wichtigste Punkt (ist es jetzt auch noch) nicht reden nur loben sobald einer von beiden zu mir kommt und noch überschwenglicher loben, wenn mich einer dabei auch noch ansieht. So liefen also die ersten zwei Wochen ab. Und ich übte fleissig. 2-3 mal am Tag! Ohne Leine gab es erst mal nicht mehr. Immer schnell hin zum Platz. Dabei allerdings immer jegliches unerwünschtes Verhalten ignorieren. Mittlerweile übten wir einige Hundebegegnungen! Ich muss sagen am Anfang der Übungen war ich frustriert, stellte ich doch fest, das meine Vierbeiner sich wie immer aufführten, aber mit durchhalten und weiterlaufen, nicht drauf achten. Immer wieder am Hund vorbei, im Kreis, langsam wie oben schon beschrieben. Nach 10 Minuten wurden sie ruhiger, nach 30 Minuten merkten die beiden so langsam, dass nix schlimmes zu erwarten war. So läuft es zwar immer noch, aber wir üben jetzt mit Hunden, die unsere "Feinde" waren. Mit einer Halterin verabrede ich mich jetzt ab und zu. Sie hatte für meine Problem sehr viel verständnis. Andere wiederum nicht. Aber ich denke erstmal das ist ein Anfang für uns 3. Jetzt übe ich nicht mehr so häufig auf dem Platz, nur wenn der Trainer und unser Feind Zeit haben. Der Trainer bringt sog. "Übungshunde" mit. (Cooler Service) würde meine Hunde auch dafür hergeben, wenn man jemanden helfen kann. Ansonsten übe ich mit etwas kürzerer LEine jetzt immer unterwegs. Auch auf dem normalen Bürgersteig, die Leute glotzen zwar alle, so komisch wie ich hier rumhoppele, aber 2es ist, wie es ist". Und ich habe nun auch mehr Selbstvertrauen.

Bitte hört aber jetzt bloss nicht auf Tipps zu geben, habe sämtliche Tipps mit ins Training genommen, ausser den Maulkorb! Sorry Schle... Aber ich bin stärker als die meine "Thöle"!!! Und jetzt ist sie immer die erste, die ich von der Palme kriege. Super, was???
Gruss
Melanie

Melanie
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Der Hund ist das einzige Wesen auf Erden, das dich mehr liebt als sich selbst.

Greylove Offline

Die Hunden Schlösser baut


Beiträge: 403

06.07.2008 09:48
#38 RE: 2 Hunde-2 Probleme oder nur 1 Problem? Zitat · Antworten
Hallo zusammen,
@Doppelpack
Dein Zitat:
Aber mal zum Loser-Thread.

...bitte hör auf, die Situation schwarz zu sehen.Wenn Du nicht an Dich und Deine Hunde glaubst,kannst Du nicht richtig nach vorne sehen...glaube mir mit dem ersten Erfolgserlebnis kommt der Mut zurück.....aber daran muss man arbeiten.
Denke einige hier können das auch bestätigen.

....und nicht alles auf einmal üben wollen.Langsam, Schritt für Schritt.

Vergiss nicht das gelernte auch in der freien Natur oder in anderen Gebieten ein zu setzten.Dort sind auch vermeindliche " Feinde ".
...sonst verbinden die Beiden es möglicher Weise nur mit dem Platz.
...die Leute die Dir gut gesonnen sind binde in Eure Übungen ein. Verabrede Dich mit Ihnen. Macht mal zusammen einen Ausflug mit Hunden, wenn es möglich ist. Die Leute die Dich nicht verstehen, mußt Du ignorieren....ganz einfach.

Mit freundlichen Grüßen
Greylove

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.047

06.07.2008 13:54
#39 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten

Zitat von Elektra
Was mir deine Frage und dieses Erlebnis einmal mehr zeigen, daß wir uns vielleicht auch davon verabschieden müssen, immer nur positiv arbeiten zu müssen, weil wir den armen Hundis ja nicht wehtun wollen. [...] Versteh mich nicht falsch, ich plädiere NICHT dafür, Woody oder überhaupt einem Hund dauernd auf die Pfoten zu treten, darum geht es nicht. Ich sage aber: Manchmal müssen Einwirkungen sein, eben weil ein charakterlich starker, unabhängiger Hund sich von einem "Weichei" an seiner Seite (aus seiner Sicht) nicht führen lassen wird, und zwar aus mir durchaus verständlichen Gründen. Ich sage darüberhinaus: Wenn schon Einwirkung, dann lieber einmal richtig (kräftiger Leinenruck, KEIN Gezuppel) als tausende von Malen halbherziges Rumgeziehe, das der Hund schlicht in seine Handlungsketten einbaut und eben NICHT ernstnimmt.


Ich muß mich hier nochmal selbst erklären. ;-)

Ich habe mich mit diesem Thema ja viel auseinandergesetzt, und wer mich kennt, weiß, daß ich kein "Hardliner" bin, der über negative Verstärkung oder positive Strafe AUSBILDET. Für mich ist es selbstverständlich, daß ich JEDEM Hund ALLES zunächst einmal AUSSCHLIESSLICH positiv beibringe. Ich favorisiere dabei den Klicker, weil ich bei vielen Hunden gemerkt habe, daß dieser prima als Marker funktioniert und die Vierbeiner einfach "anspricht". Ich habe allerdings jetzt gerade einen Trainings-Hund, der panische Angst davor hat. Genauso, wie es mir bei ihm wichtig ist, dann NICHT darauf zu beharren, sondern eine Alternative für ihn zu finden, die für IHN besser ist, so ist es mir aber auch wichtig, NICHT darauf zu beharren, daß IMMER ALLES positiv ist.

In keiner Familie, in keinem Rudel, in keiner Gruppe von Mensch und Tier, in keinem Leben ist immer alles positiv. Sowenig anti-autoritäre Erziehung bei Kindern funktioniert, funktioniert sie beim Hund. Der Hund ist ein Lebewesen, das im Normalfall in hierarchischen Strukturen lebt und diese auch zu seiner Sicherheit, dazu, sich wohlzufühlen, braucht. Nichts ist für ihn schlimmer als Unklarheit, ein Mangel an Struktur. Nur leider gibt es immer wieder Menschen, die ihn nur mit ihrer Liebe zuschütten und nicht merken, daß es nicht liebevoll ist, einen Hund in der Wahllosigkeit der Antiautorität allein zu lassen.

Meiner Erfahrung, meinem Wissen und meinem Gefühl nach muß ich bei vielen Hunden das ZUVOR ABSOLUT POSITIV Erlernte in der Folge durch Korrekturmaßnahmen absichern. Es mag Hunde geben, die durch Stimme, die lauter wird, schon ausreichend beeindruckt sind, doch auch das IST eine negative Maßnahme. Und es gibt eine Reihe von Hunden, die eben ihr Verhalten nicht gleich unterbrechen, wenn ich sie mal böse angucke, sondern -wie Herr Ben- trotz positiven und generalisierten Gelernthabens ihr Verhalten nicht unterbrechen, weil sie gerade ein Signal kriegen. Zum Beispiel, weil das Blümchen am Wegesrand gerade viel spannender ist.

Nur leider brauche ich -gerade ich- einen Hund, der ABSOLUT im Gehorsam steht. Wenn ich den nämlich allein lasse, macht er womöglich das, was er früher tat, wenn er allein war - nämlich Aggression zeigen. Ich muß einen SICHEREN Rückruf haben, Ben muß sicher "Sitz" und "Platz" machen, nicht nur, wenn es ihm gefällt. Und ich denke, das gilt für alle Hunde, nicht nur "problematische". Im heikelsten Fall kann ein sofort ausgeführtes Signal das Leben des Hundes retten (denken wir mal an einen, der auf eine Straße zurast, weil er irgendwas verfolgt, wenn der sich auf Kommando VOR der Straße setzt oder legt, wäre ja schon viel gewonnen, oder?), und ich habe keinerlei Problem damit, meinem Hund nachhaltig zu sagen, daß er tun MUSS, was ich ihm sage.

An diesem Punkt, dann, wenn der Hund definitiv generalisiert gelernt hat, bin ich der Ansicht, muß ich ihm auch negativ sagen, daß mir Ernst ist mit einem Signal, wenn er es nicht ausführt.

Ich sehe dauernd Leute, die mir erzählen, ihr Hund könne ja hören, doch, zu Hause folge er wie eine Eins. Toll. Nur leider, leider im Wald nicht. Ich höre dauernd Leute, die mir erzählen, sie bilden ihren Hund nur positiv aus. Im Ergebnis haben sie dann aber leider, leider ihre Hunde "draußen" nicht im Griff. Da wird dann weiter lustig an der Leine gepöbelt (nee, is klar, der Hund hört super, aber angeleint Hunden begegnen, das geht dummerweise gar nicht) oder das Signal nicht ausgeführt (och, der kommt schon, ich muß es nur leider, leider zehnmal sagen), aber der Hund ist wenigstens nie negativ verstärkt worden.

Ich will niemandem sagen, er muß seinen Hund "beidseitig" ausbilden. Das muß jeder für sich selbst entscheiden, und wenn es -wie ich es z.B. bei Milli sehe- funktioniert, dann ist es prima, nur positiv zu arbeiten. Ich lasse mir aber auch umgekehrt von niemandem einreden, daß man alle Hunde so erziehen kann oder daß ich meinen Hund quäle, weil ich ihm auch mal deutlich sage, wo es langgeht. Ich glaube, gerade weil ich meinem Hund liebe, muß ich ihm gelegentlich sehr deutlich machen, daß er mir zu folgen hat. Und -aber das schrieb ich auch schon mehr als einmal- ihm SOFORT, wenn er dann wieder "bei mir ist", zu sagen: Toll, das hast Du jetzt super gemacht, jetzt kriegst Du Dein Leckerchen, Deine Streicheleinheit.

Was ich übrigens noch viel schlimmer finde, als eine direkte Auseinandersetzung mit einem Hund, ist eine indirekte mit einem Menschen. Hintenrum zu meckern halte ich für sehr viel widerlicher als an einer Leine zu rucken, auf derartige Hinterfotzigkeiten kämen unsere Hunde nicht und ich nie im Leben an oder mit einem Hund.

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

Doppelpack Offline

Grenzgänger im Teutonen-Land


Beiträge: 107

06.07.2008 14:07
#40 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten
Hallo Barbara,
ja ich stimme dir da zu. Also mein Fehler lag und liegt auch noch in genau dieser falschen Einstellung von mir gegenüber den Hunden. Mittlerweile habe ich gemerkt, genau wie du es so toll beschreibst, dass es nicht nur mit Lob geht. Aber es ist sehr wichtig, damit der Hund begreift, "so jetzt war es richtig"!
Ich arbeite zusätzlich zur Aufmerkskeit auch daran, dass ich meine Kommandos nur noch 1x sage und mich dann durchsetze. Ich merke jetzt erst, wie oft ich die Kommandos wiederholt habe. Kein Wunder dass die beiden mich nicht für Ernst nahmen. Ich bin auch im Hause rigoroser geworden. Sitz vor dem Napf, kein Schlafen mehr auf der Treppe, ich schubse sie mit dem Fuss aus dem Weg, wenn sie dort im Weg liegen. Natürlich nur leicht! Ich merke ehrlich, es funktioniert, vielleicht werden sie dadurch auch draussen lenkbarer.

Was ich noch anmerken wollte, wir üben wie ich es schon schrieb nicht mehr nur auf dem Parkplatz, sondern immer! Ich meine wirklich immer! Ich weiss, dass die beiden Wauzis es sonst mit dem Platz verknüpfen würden! Aber danke nochmal für den Hinweis!

Und "Loser-Thread" war ironisch gemeint. Ich fühle mich momentan manchmal echt schon wie "Superman", wollte hier nur nicht gleich schon als Neuling über den Wolken schweben.

Ich bin echt dankbar, dass ich nach über einem Jahr hier tolle Worte und Hilfe fand.

Danke nochmals

Melanie
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Der Hund ist das einzige Wesen auf Erden, das dich mehr liebt als sich selbst.

Schle Miel ( gelöscht )
Beiträge:

06.07.2008 14:09
#41 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten



In Antwort auf:
In keiner Familie, in keinem Rudel, in keiner Gruppe von Mensch und Tier, in keinem Leben ist immer alles positiv. Sowenig anti-autoritäre Erziehung bei Kindern funktioniert, funktioniert sie beim Hund. Der Hund ist ein Lebewesen, das im Normalfall in hierarchischen Strukturen lebt und diese auch zu seiner Sicherheit, dazu, sich wohlzufühlen, braucht. Nichts ist für ihn schlimmer als Unklarheit, ein Mangel an Struktur. Nur leider gibt es immer wieder Menschen, die ihn nur mit ihrer Liebe zuschütten und nicht merken, daß es nicht liebevoll ist, einen Hund in der Wahllosigkeit der Antiautorität allein zu lassen.


Unterschreibe ich 1:1.

Doppelpack Offline

Grenzgänger im Teutonen-Land


Beiträge: 107

06.07.2008 14:10
#42 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten

Und karin...
Super, besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. Ich sehe mich in deinem Statement echt wieder.

Melanie
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Der Hund ist das einzige Wesen auf Erden, das dich mehr liebt als sich selbst.

yashilica Offline



Beiträge: 1.301

14.07.2008 22:19
#43 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten
Zitat von Doppelpack
Ich fühle mich momentan manchmal echt schon wie "Superman", wollte hier nur nicht gleich schon als Neuling über den Wolken schweben.


Ich finde, dass dieser Beitrag von dir mit der erreichten Leistung und Einsicht einen Platz im Angebermodus und Glücksmomente verdient hat!!! ABSOLUT!

Ich freu mich mit Eurem Erfolg und du schwebst absolut berechtigt auf der Wolke - jedes kleine Freudenswölckchen hat absolut seine Daseinsberechtigung und ich glaub ich rede für alle hier im Forum, wenn ich sage, wir untertützen nicht nur in Kummer und Frust, sondern wir freuen uns auch von en gern mit jedem Sonnenstrahl, der einem begegnet und den er hier im Forum mit uns teilt!

Weiter so!

Conny

Ginger Offline




Beiträge: 7.899

15.07.2008 07:33
#44 RE: 2 Hunde - 2 Probleme oder doch nur 1 Problem? Zitat · Antworten

Zitat von yashilica


Ich freu mich mit Eurem Erfolg und du schwebst absolut berechtigt auf der Wolke - jedes kleine Freudenswölckchen hat absolut seine Daseinsberechtigung und ich glaub ich rede für alle hier im Forum, wenn ich sage, wir untertützen nicht nur in Kummer und Frust, sondern wir freuen uns auch von en gern mit jedem Sonnenstrahl, der einem begegnet und den er hier im Forum mit uns teilt!

Weiter so!

Absolut!

Wir freuen uns mit euch

Grüßle Anja
mit Ginger, Bolli und Milli

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