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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 2.606 mal aufgerufen

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 Behaviour (öffentlich)
Seiten 1 | 2
Sunshine Offline




Beiträge: 10

19.06.2011 01:13
Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Hallo liebe Fories,
dann möchte ich euch einmal von dem Verhalten meiner 1jährigen Hündin Sun erzählen.
Am Besten beginne ich von ganz vorne...
Sun kam im Alter von ca 6-7 Monaten zu mir. Zu ihrer Vorgeschichte weiß ich nichts, nur dass sie aus einem belgischen Tierheim kommt.
Bis zu ihrer ersten Läufigkeit verhielt sie sich Artgenossen gegenüber völlig neutral. Sie war ein wenig interessiert, musste aber nicht zu jedem hin stürmen. Bellen, knurren, etc gab es bei ihr gar nicht.
Dann kam besagte Läufigkeit und sie verhielt sich richtig heftig gegenüber anderen Hunden. Für mich hatte es den Anschein als hätte sich mein Hund über Nacht verändert. Gestern noch friedlich, heute hängt sie kläffend und knurrend in der Leine.
Zuerst hatte ich die Hoffnung, das Verhalten würde sich mit der Läufigkeit wieder legen, leider ist dem nicht so.
Sieht sie einen Hund, hängt sie sich in die Leine, kläfft und knurrt was das Zeug hält und lässt sich mit nichts ablenken. Ansprechbar ist sie dabei nicht mehr.
Es gab mittlerweile zwei Situationen in denen sie frei auf fremde Hunde zu laufen konnte.
Das erste Mal war auf einer kleinen Haustiermesse. Ich hatte das Gleichgewicht verloren und dabei die Leine losgelassen, sie stürmte auf den kleinen Terrier zu und machte gar nichts. Sie stand vor ihm, wedelte kurz mit dem Schwanz und schnüffelte ihn ab. Obwohl sie ihn vorher noch verbellt und verknurrt hatte.
Das zweite Mal kam es letzte Woche in unserem Urlaub dazu. Ich trainierte mit ihr offline und habe die Dogge zu spät gesehen, damit konnte ich nicht schnell genug reagieren und Madame rannte auf sie zu. Auch hier passierte nichts, Sun schnüffelte die Dogge kurz ab, wedelte ebenfalls kurz mit dem Schwanz und lief ihr dann ins Wasser nach.
Ich bin mir sicher, dass sie den Hund, wäre sie an der Leine gewesen, angebellt und angeknurrt hätte.

Wahrscheinlich spielt meine eigene Unsicherheit (die ich mittlerweile entwickelt habe) mit in das Verhalten rein. Aber auch wenn ich einen entgegen kommenden Hund nicht vor ihr entdecke, veranstaltet sie ein solches Theater.

Zu Menschen ist sie immer freundlich, auch zu Fremden, Kindern, Joggern, Radfahrern...das interessiert sie alles nicht wirklich. Kommen Fremde zu Besuch werden sie kurz begrüßt, es wird geschaut ob man sich Sreicheleinheiten abholen kann und dann ist es auch wieder gut.
Mit Hunden die sie vor ihrer Läufigkeit kennen gelernt hat, kommt sie immer noch ohne Probleme klar.

Momentan bin ich ehrlich gesagt auch etwas überfordert, weil ich nicht weiß wie ich in einer solchen Situation zu ihr durchdringen kann, bzw wo ich überhaupt ansetzen soll.
Ich hoffe ihr könnt Sun und mir einen Stups in die richtige Richtung geben :) und falls ich irgendetwas Wichtiges vergessen habe, einfach nachfragen.

Liebe Grüße,
Saskia, Gina und Sun

Tante_Haha Offline

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa


Beiträge: 39.741

19.06.2011 12:46
#2 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Erstmal Danke für die Schilderung der Probleme. Dass Aggression bei Hündinnen mit der ersten Läufigkeit auftritt hab ich schon öfter gehört. Vielleicht liegt es daran, dass sich Rüden sich dann anders verhalten und vielleicht nicht mehr die "Höflichkeitsregeln" einhalten, also z.B. sich langsam und im Bogen nähern, sondern ziemlich zielstrebig auf die Hündin zugehen. Auch Hündinnen sind manchmal "stutenbissig" gegenüber läufigen Hündinnen und sie ändern vielleicht ihre Körperhaltung und Körpersprache, ohne dass wir das mitbekommen. Und ist die betroffene Hündin dann an der Leine, merkt sie dass sie nicht weg kann und es entwickelt sich aggressives Verhalten. Da könnte man noch viele Beispiele nennen - die Ursache werden wir vermutlich nie rausbekommen.

Aber eins kann ich Dir sagen: das kann man super trainieren. Gefragt ist Geduld, Einfühlungsvermögen und Kreativität

Als Erstes musst Du Sun zeigen, dass Du ihr hilfst durch eine für sie schlimme Situation durchzukommen. Das erreichst Du am Besten, wenn Du erstmal Distanz aufbaust, also z.B. einen großen Bogen gehen, ein paar Meter in die Wiese - eben einfach ausweichen. Und zwar so weit, dass Sun wieder ansprechbar ist. So lernt sie, dass sie den Hund nicht verscheuchen muss, denn Du gibst ihr die Möglichkeit auszuweichen.

Was uns sehr geholfen hat - und ich trainiere das aktuell wieder verstärkt - ist Blickkontakt. Da muss man etwas Geduld haben. Erstmal wird zu Hause geübt. Du bewaffnest Dich mit super leckeren Leckerchen. Ich hab es so gemacht, dass ich das Leckerchen in die Hand genommen habe und die Hand neben mein Gesicht hochgehalten habe und das Signal "Schau" gegeben habe. Der Hund schaut automatisch zum Leckerchen. Warte 2 Sekunden, dann bekommt Sun das Markerwort oder den Click und Du gibst ihr das Leckerchen. Wichtig ist, dass die Hand neben dem Gesicht erst NACH dem Markersignal runter genommen wird. Wenn sie irgendwann gelernt hat auf die Hand zu schauen, nimmst Du nur noch die Hand hoch und das Leckerchen kommt erst danach. Lass die Zeit, die Sun den Blickkontakt halten soll immer länger werden. Aber wirklcih in ganz kleinen Schritten, also 2 Sekunden, 5 Sekunden, 10 Sekunden usw. Irgendwann wird sie die Hand als Hilfsmittel nicht mehr brauchen und Dich auch ohne Hand anschauen. Wenn sie das kann, fängst Du an unter immer steigender Ablenkung zu trainieren, also im Garten, dann in einer ruhigen Straße, dann auf einer Wiese ohne Hunde, dann draussen, wenn ein Hund gaaaanz weit weg ist usw. - ich habe aber immer mit dem Handsignal wieder angefangen.
Je öfter Du das machst, desto automatischer schaut Dich Sun auf Signal an. Wenn sie einmal verstanden hat, dass das Signal "Schau" immer kommt, wenn sie einen Hund sichtet, wird sie Dich irgendwann von alleine anschauen. Dann gibt´s einen Jackpot.

Benutze das Signal während des Trainings nur dann, wenn Du sicher bist, dass sie es auch ausführen kann. Es hat keinen Sinn "Schau" von ihr zu verlangen, wenn sie total unter Streß steht. Aber irgendwann seid ihr im Training so weit, dass sie das Signal auch ausführt, wenn ihr einem Hund ziemlich nahe gekommen seid. Ich benutze in so arg schwierigen Situationen gerne zusätzlich das Handzeichen, weil es meinen Hunden leichter fällt die Hand anzusehen als mein Gesicht.

Es lässt sich nicht immer vermeiden, dass man Hunden begegnet, die man vorher nicht gesehen hat. Geh ruhig aus der Situation raus, auch wenn Dein Hund tobt. Versuch z.B. ihr durch Deinen eigenen Körper die Sicht auf den Hund zu nehmen und tretet den Rückzug an. Rückzug ist auch ein gutes Stichwort. Etwas, das im menschlichen Verhaltensrepertoire offenbar ganz hinten steht, ist wieder in die andere Richtung zurückzugehen. Mir fällt das auch oft erst sehr spät ein. Wenn man einem Hund frontal begegnet und es gibt keine Möglichkeit auszuweichen, dreh um und geh zurück. Diese Kehrtwende kannst Du mit einem Signal auch erstmal auf dem "Trockenen" üben.

Es gibt sehr viele Hunde, die an der Leine pöbeln. Die Wenigsten haben das Glück, dass Herrchen oder Frauchen ernsthaft am Problem arbeiten wollen. Es geht nicht darum den Hund einfach ruhigzustellen, sondern darum ihm das schreckliche Gefühl des Ausgeliefertseins und den Streß zu nehmen.

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
__________________________________________________________________________

Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.
Karl Valentin

nellyrott Offline




Beiträge: 30

20.06.2011 00:47
#3 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Zitat
Dann kam besagte Läufigkeit und sie verhielt sich richtig heftig gegenüber anderen Hunden. Für mich hatte es den Anschein als hätte sich mein Hund über Nacht verändert. Gestern noch friedlich, heute hängt sie kläffend und knurrend in der Leine.



Hallo Saskia,

kann es sein, daß Deine Hündin während der ersten Läufigkeit durch einen anderen Hund gestresst wurde und sie überfordert war?

Eventuell wiederholt sich dieser Streß für Sun bei jeder Hundebegegnung, ähnlich wie bei einem Trauma.

Die Aggression von Sun scheint darauf abzuzielen, daß sie sich einen Fremd-Hund erstmal vom Leib hält. Sobald sie aber merkt, daß sie die Situation meistern kann (ohne Leine hat sie ja deutlich mehr Möglichkeiten!), gewinnt sie auch ihre Selbstsicherheit zurück und stellt ihr aggressives Verhalten ein.

Liebe Grüße,
Maria.

***Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut.***

Tigger Offline

Smilie by GreenSmilies.com Hardcore-Leckerchenspenderin (Admin)


Beiträge: 9.039

20.06.2011 08:16
#4 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Hallo Saskia!

Frau T. hat Dir schon gute Tips gegegen.
So habe ich das Problem auch bei meiner alten Hündin in den Griff bekommen.
Mit Clickern und Belohnung.
Mit jeder Begegnung die gut läuft wirst Du auch sicherer und somit auch ihr als Team.

LG Anja mit Jacky & Andres
Im immer dabei: unsere Dicke



Das Schönste, was ein Hund hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken, denn was tief in unserem Herzen verankert ist, können wir durch den Tod nicht verlieren.

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.064

21.06.2011 00:53
#5 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Ich senfe an dieser Stelle mal als Mali-Halter. Und als Trainer. :-)

1) Dein Hund verhält sich völlig normal. An der Leine kann sie nicht meiden, auch einfrieren fällt als Verhaltensstrategie aus, es bleibt nur die Aggression. Das Ziel ist: Distanz zum Reizauslöser, in Eurem Fall zum anderen Hund. Motto: Wenn ich nicht gehen kann, dann vertreibe ich ihn.

Ich höre, wenn ich so etwas sage, oft: Aber sie könnte doch meiden, sie will das gar nicht. Das ist dann Ad 2: Hunde, die nicht meiden konnten, haben oft gelernt, daß die Aggression die einzig erfolgreiche Lösung ist. Denn fast immer entfernen sich die angepöbelten Hunde. Und auch, wenn sie das nicht tun, weil der Pöbler pöbelte, denkt der Pöbler, daß er Erfolg hatte, einfach, WEIL sie sich entfernen.

Hat ein Hund eine solche Strategie oft genug verfolgt, ersetzt sie alle anderen Strategien und wird zum Selbstläufer. Er wird zu einem, der nicht so aussieht, als ob er eigentlich meiden wollte, weil er genau das verlernt hat, da es nie erfolgreich war.

2) Ich würde, bevor ich jetzt ständig Distanzen aufbaue, zunächst überlegen, was Dein Hund braucht oder nicht braucht, was er kann und was nicht. Heißt: Wann ist Distanz das Richtige, welche Distanz ist nötig und sinnvoll, wie komme ich dann aber irgendwann auch mal an anderen Hunden vorbei usw. usf..

Erfahrungsgemäß würde ich sagen, daß Du in erster Linie über zweierlei nachdenken müßtest. Zum einen: Was will mein Hund, was ist sein Ziel? Zum anderen: Wie kann ich ihm helfen, das Ziel zu erreichen, ohne, daß er aggressives Verhalten zeigen MUSS?

Hinzu kommt, daß Du eine Linie für Dich finden müßtest, die Dir einen geraden Rücken ermöglicht und damit eine coole souveräne Führung Deines Hundes. Malis prüfen sowas besonders ab, sie wollen geführt werden und gehen dann für Dich durch's Feuer, aber sie erkennen auch schnell, wenn die gezeigte Führung gar keine wirkliche ist. Sie brauchen unser Selbstvertrauen und unsere Stärke, wenn wir unsicher sind oder uns unsicher zeigen, übernehmen sie schneller als Hunde anderer Rassen das Ruder und die Führung, einfach, weil das gleichsam in ihrer Stellenbeschreibung steht.

3) Mache Dir klar, daß Dein Hund kein falsches oder böses Verhalten zeigt, sondern einfach ein hundliches und ein für ihn absolut logisches. Wirf nicht in Schubladen und lasse Dir nicht einreden, daß Dein Hund "problematisch" ist, wenn er sich einfach wie ein Hund bzw. wie ein stinknormaler Mali benimmt.

Dazu gehört, daß aggressives Verhalten während Läufigkeiten absolut normal ist. Das ist von der Natur schlicht so eingerichtet und in der freien Wildbahn auch nötig. Denn nur die Hündin, die stark genug ist, Konkurrentinnen "auszuhebeln", bekommt einen starken und guten Partner, mit dem sie starken und guten Nachwuchs haben kann.

Zudem obliegt es später ebenjenen Hündinnen, das Wichtigste, das ein Rudel in freier Wildbahn besitzt, zu verteidigen, nämlich die Jungtiere. Das ist auch der Grund, warum Hündinnenkämpfe oft viel heftiger und mit mehr Verletzungen einhergehen als die unter Rüden, die sich in aller Regel eher kommentkämpfend verhalten als die Damenwelt.

Wenn Deine Lütte das von Dir geschilderte Verhalten zeigt, solltest Du das im Hinterkopf haben, einfach, weil es damit leichter ist, positiv zu arbeiten, wenn man weiß, daß etwas, was der Hund aus unserer Sicht unerwünscht tut, eigentlich aus hundlicher Perspektive völlig in Ordnung ist.

3) Um ein konkretes Training zu raten, müßte jeder, der Dir raten sollte, a) von Verhaltensbiologie und Lernverhalten etwas Ahnung haben und b) Dich und Deine Hündin erleben und beobachten können. Denn was am Ende erfolgreich sein kann, hängt davon ab, wie Dein Mädel tatsächlich motiviert ist, wie Eure Kommunikation aktuell aussieht und was für sie letztlich am sinnvollsten bzw. einfachsten zu gehen ist.

Viele Grüße
Barbara mit Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias, Lausbub Seppl und 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance)

----

"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

Sunshine Offline




Beiträge: 10

23.06.2011 13:31
#6 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Vielen Dank für eure ausführlichen Beiträge! Ich komm leider erst jetzt zum antworten, bin ja gut beschäftigt

Zitat von Tante_Haha
Als Erstes musst Du Sun zeigen, dass Du ihr hilfst durch eine für sie schlimme Situation durchzukommen. Das erreichst Du am Besten, wenn Du erstmal Distanz aufbaust, also z.B. einen großen Bogen gehen, ein paar Meter in die Wiese - eben einfach ausweichen.



Bögen laufe ich schon eine ganze Weile, zumindest wenn die Umgebung das zulässt. Sie fixiert den entgegen kommenden Hund dann noch, aber sagt nichts. Sie ist trotzdem sehr angespannt und läuft ganz steif.
Wenn wir irgendwo sitzen und sie sieht von weitem einen Hund kommen, beginnt sie zu zittern und behält dabei den Hund im Auge. Erst ab einer bestimmten Nähe fängt sie mit dem Bellen an.
Und du hast Recht, ich kann mich an keine Situation erinnern, in der ich einfach wieder umgedreht hätte. Das werde ich jetzt im Kopf behalten.

Solange ich das Signal übe, sollte ich Hundebegegnungen vermeiden?
Ich trainiere gerade zeitgleich am zugfreien Leinelaufen. Wenn sie zieht, bleibe ich stehen und warte bis sie zu mir zurück kommt und mich anschaut, dafür bekommt sie ein Leckerchen.
Vor ein paar Tagen haben wir dann dabei einen Hund getroffen. Der lag in einigem Abstand im Platz. Sun hat ihn gesehen und verspannte sich sofort. Normalerweise nehme ich dann automatisch die Leine kürzer und werde nervös. Diesmal habe ich die Leine lang gelassen, bin stehen geblieben und habe auf ihre Aufmerksamkeit gewartet. Anschließend sind wir ganz ruhig an dem Hund vorbei gelaufen.

Zitat von nellyrott
kann es sein, daß Deine Hündin während der ersten Läufigkeit durch einen anderen Hund gestresst wurde und sie überfordert war?



Ich kann mich eigentlich an keine Situation erinnern. Als sie das erste Mal so auf einen Hund reagierte, war ich gerade auf dem Hundeplatz. Sie saß neben mir und zickte plötzlich den Hund auf meiner rechten Seite an. Am nächsten Tag begann sie dann Blutströpfchen zu verlieren.
Während der Läufigkeit kam uns ein einziges Mal ein interessierter Dobermannrüde entgegen. Ich habe versucht ihn von ihr fernzuhalten und ihn immer wieder abgedrängt. Sun war solange hinter mir. Gina hat sich dabei auch immer wieder zwischen den Rüden und mich gedrängt bis er endlich von seinem Besi abgeholt wurde. Alleine hätte ich ihn nicht lange von Sun abhalten können.
Aber meinst du die Situation könnte schon ausschlaggebend gewesen sein?

@Elektra
Wenn ich mich beim Bogen laufen wohl fühle, wäre das aber in Ordnung? Schaden kann das ja nicht. Sie hat damit die Entfernung zum anderen Hund, die sie möchte oder?

Ich wollte auch gar keine Standardlösung haben, nur ein paar Richtlinien. Wie du geschrieben hattest, sie bekommt mit, wenn ich unsicher oder mit der Situation überfordert bin.

Ich hoffe ich habe jetzt nichts vergessen, wenn doch tut es mir leid und es war bestimmt nicht böse gemeint :)

LG,
Saskia, Gina und Sun

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.064

23.06.2011 16:06
#7 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Zitat von Sunshine
@Elektra
Wenn ich mich beim Bogen laufen wohl fühle, wäre das aber in Ordnung? Schaden kann das ja nicht. Sie hat damit die Entfernung zum anderen Hund, die sie möchte oder?



Oh, Moment, Distanz aufbauen und Bögen laufen war für mich nicht das Gleiche. Distanz aufbauen wäre für mich, vom Reiz wegzugehen. Bögen laufen heißt, Distanz aufbauen, aber den Reiz auch zu passieren. Das ist nicht nur in Ordnung, sondern wichtig. Ich gehe immer leichte Bögen, mit jedem meiner Hunde, obwohl sie kein Artgenossenproblem (mehr) haben. Einfach, weil eine frontale, zu gerade Annäherung in der Hundesprache aggressives Verhalten bedeutet. Heißt: Der andere Hund fühlt sich bedroht, und der eigene droht, ohne es zu wollen, weil wir ihn an der Leine mit uns führen.

Wichtig beim Weggehen, wenn Du das tun möchtest und was für eine frühe Trainingsphase auch durchaus mal sinnvoll sein kann, ist, sich nicht selbst vom anderen Hund wegzudrehen. Damit kommunizierst Du Deinem lediglich, daß Du die Bedrohung aus den Augen läßt, was für ihn heißt/heißen muß: Führer strategisch blöd, muß ich also die Kontrolle übernehmen.

Gehe lieber rückwärts, schaue weiter den anderen Hund an, ziehe Deinen ruhig mit und lobe SOFORT, wenn er sich auch nur einen Millimeter zu Dir wendet und/oder die Leine auch nur leise locker wird.

Viele Grüße
Barbara mit Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias, Lausbub Seppl und 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance)

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Tante_Haha Offline

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa


Beiträge: 39.741

23.06.2011 16:48
#8 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Zitat von Elektra
Gehe lieber rückwärts, schaue weiter den anderen Hund an, ziehe Deinen ruhig mit und lobe SOFORT, wenn er sich auch nur einen Millimeter zu Dir wendet und/oder die Leine auch nur leise locker wird.


*meld* Dazu hab ich jetzt mal eine Frage. Ich mache das immer so, dass ich erstmal rückwärts gehe. Ab einer Entfernung, in der ich denke, dass es für meine Hunde ok ist, drehe ich mich dann aber schon wieder um und gehe normal. Ist das dann ok? Sobald ich merke, dass es zu früh war, gehe ich auch wieder rückwärts. Ich persönlich finde es schon wichtig, dass man dann auch irgendwann wieder normal weggehen kann. An der Hauptstraße mit einem schmalen Fussweg, der auch für Radfahrer zugelassen ist, beispielsweise, kann man ja nicht ewig rückwärts laufen...

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.
Karl Valentin

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.064

23.06.2011 17:36
#9 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Zitat von Tante_Haha
*meld* Dazu hab ich jetzt mal eine Frage. Ich mache das immer so, dass ich erstmal rückwärts gehe. Ab einer Entfernung, in der ich denke, dass es für meine Hunde ok ist, drehe ich mich dann aber schon wieder um und gehe normal. Ist das dann ok?


Ja, natürlich. :-)

Viele Grüße
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Tante_Haha Offline

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa


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23.06.2011 18:57
#10 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Danke... manchmal bin ich dann doch verunsichert... - mehr auf mein Bauchgefühl hören, denn das stimmt meistens...

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Karl Valentin

nellyrott Offline




Beiträge: 30

29.06.2011 13:20
#11 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Zitat
Ich wollte auch gar keine Standardlösung haben, nur ein paar Richtlinien. Wie du geschrieben hattest, sie bekommt mit, wenn ich unsicher oder mit der Situation überfordert bin.


Hallo Saskia,

ich denke auch, daß es für Deine Mali-Hündin ausschlaggebend ist, ob Du Unsicherheit oder Sicherheit vermittelst.

Aus eigener Erfahrung habe ich folgende Prioritätenliste für meine Nelly erarbeitet:

1.Wahl: NICHT die Leine kurz nehmen, angemessenen Bogen laufen.

2.Wahl: wenn Bogen laufen mangels Raum nicht möglich ist, Zurückgehen!
Um keine Unsicherheit meinerseits auf meine Hündin zu übertragen, sage ich "Da hinten ist Franky! Komm, wir gehen zu Franky! Spielen!" (Franky ist Nellys Lieblingsfreund; da läßt sie alle anderen Hunde links liegen.)

3.Wahl: wenn auch hinter uns ein Hund auftaucht, dann sage ich "Jetzt müssen wir aber einen Zahn zulegen, sonst erwischen wir den Zug nicht mehr. Leider haben wir nicht die Zeit, uns jetzt mit einem Hund auseinanderzusetzen. Komm Nelly, lauf!"

So überliste ich meine eigene Psyche und Nelly zieht in der Regel mit. Ich muß sagen, daß ich manchmal ganz schön stolz auf mein schauspielerisches Geschick war!

Achtung!
Wahl 2 (Lieblingshund Franky) darf nicht zu oft eingesetzt werden, sonst funktionierts nicht mehr; Das Objekt der Begierde muß deshalb abgewechselt werden.

Das waren meine kleinen Tricks, um MICH souverän durch die Situation zu bringen.

LG, Maria + Nelly.

***Die Seele ernährt sich von dem, worüber sie sich freut.***

baraloki Offline




Beiträge: 7.411

29.06.2011 22:28
#12 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Danke,
Die Zusammenfassung und Erklärung von unseren "Erklärbären" konnte ich noch mal gut gebrauchen.

Bitte:
Ich würde diese Texte, weil ich das eine tolle Zusammenfassung finde, sehr gern im Leipziger Forum "Trainingspartnerbörse" einstellen, wo es auch immer mal um Artgenossenaggression geht. Auch weil einige von uns genau das üben wollen. Darf ich sowas eigentlich?

°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Herzlichst, Bara mit Forumself Loki [url=http://www.smilies.4-user.de][img]http://www.smilies.4-user.de/include/Tiere/smilie_tier_118.gif[/img][/url]

[small]Tiere sind die besten Freunde.
Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht.
Mark Twain[/small]

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.064

29.06.2011 23:01
#13 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

So blöd es klingen mag, aber von meiner Seite: Nein. Ich möchte nicht, daß Texte von mir irgendwo verwendet werden, wo ich nicht nachvollziehen kann, was daraus gemacht und/oder interpretiert wird.

Wenn, stelle ich selbst meine Texte nach genauer Prüfung des Mediums ein, inklusive entsprechender Copyright-Hinweise.

Ich will und muß da die Kontrolle behalten. Viel zu leicht steht irgendwann irgendwo etwas, das angeblich von mir ist, aber aus einem Zusammenhang gerissen oder falsch wiedergegeben oder falsch gekennzeichnet ist. Im schlimmsten Fall macht da jemand irgendwas, was nach hinten losgeht, weil er es entweder falsch verstanden oder es eben so wiedergegeben wurde, daß es nicht mehr meinen Ansatz spiegelt. Im schlimmsten Fall heißt es dann am Ende: "Die Hundeschule Dehn hat aber gesagt ..." und ich werde für Sachen verantwortlich gemacht, die mit mir gar nichts zu tun haben.

Darüberhinaus gibt es Medien, in denen ich generell NIE eine Veröffentlichung haben wollen würde, z.B. "Bild" oder andere Medien, die auf diesem Niveau "arbeiten" sowie eben auch eine ganze Reihe von Foren.

Sei mir nicht böse, aber was ich hier schreibe, bleibt bitte auch hier. Mit Euch hier teile ich mein Wissen allerdings dann wieder sehr gerne.

Viele Grüße
Barbara mit Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias, Lausbub Seppl und 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance)

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Sunshine Offline




Beiträge: 10

30.06.2011 15:02
#14 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Zitat von Elektra
Oh, Moment, Distanz aufbauen und Bögen laufen war für mich nicht das Gleiche.


Dann habe ich das falsch verstanden.

Im Moment sieht es bei uns so aus:
Treffen wir einen Hund, wechsle ich bogenförmig die Straßenseite und denke über das Wetter nach. Zudem versuche ich zwischen Sun und dem anderen Hund zu gehen. Sie macht sich trotzdem sehr steif und knurrt auch, aber sie springt nicht in die Leine. Das ist für mich schon ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung.
Mittlerweile korrigiert sie sich sogar selbst, wenn sie die Leine voll ausgenutzt hat

Was mir so noch aufgefallen ist, sie ist sehr wachsam geworden, seit sie nicht mehr Leine ziehen "darf". Das heißt, sie läuft vor, zurück, rechts, links, aber ohne Zug. Schaut überall hin, dreht sich im Kreis, tänzelt herum, Kopf hoch erhoben, Ohren aufrecht, der Schwanz im Bogen nach unten...

Erspäht sie dann zB. einen Igel, der über die Straße huscht, bellt sie nicht oder springt in die Leine wie sie es sonst getan hat, sondern wartet angespannt. Ich nehm sie einfach mit, aber sie schaut trotzdem zurück zu der Stelle und lässt sich nur mit ziehen, bzw läuft widerwillig mit.
Ich frag mich jetzt einfach, ob ich ihr da was falsch vermittelt habe?
Das steht zwar nicht im direkten Zusammenhang mit ihrer Aggression, aber wenn sich da was entwickeln sollte wird sie das bestimmt auch auf Hunde übertragen...

@nellyrott
Das ist sehr interessant, werde das mal versuchen. Dankeschön!

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.064

30.06.2011 22:50
#15 RE: Aggression gegenüber Artgenossen Zitat · Antworten

Zitat von Sunshine
Ich nehm sie einfach mit, aber sie schaut trotzdem zurück zu der Stelle und lässt sich nur mit ziehen, bzw läuft widerwillig mit.
Ich frag mich jetzt einfach, ob ich ihr da was falsch vermittelt habe?


Ich weiß nicht, aber spontan vom Gefühl her würde ich sagen: Wenn Du sie "einfach" mitnimmst, wie sieht das aus? Ich würde es für immens wichtig halten, daß Du sie eben nicht nur hinter Dir herziehst, das kann zu völlig falschen Verknüpfungen führen. Biete ihr eine Alternative an und versuche, dahin zu kommen, daß Du die Leine nicht als Zwangsinstrument (mitziehen) verwenden mußt.

Ein Beispiel, um deutlich zu machen, was ich meine: Wenn Du einen Hund siehst, gehe Deinen Bogen, aber denke nicht über das Wetter nach, sondern binde den Hund via Clicker und Signalgebung aktiv an Dich. Denke daran, daß das Verhalten, das er zeigt, für Deinen Hund logisch und das Deine, zerrende, unlogisch ist. Du mußt dahin kommen, daß Du ein logisches und gangbares Ersatzverhalten aufbaust, sonst wird es nicht funktionieren, fürchte ich.

Viele Grüße
Barbara mit Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias, Lausbub Seppl und 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance)

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