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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 1.616 mal aufgerufen

Das Neueste auf einen Blick



 Behaviour (öffentlich)
Seiten 1 | 2
Kika Offline



Beiträge: 2.989

09.06.2009 16:31
Aggression und Krankheit Zitat · Antworten
Ich habe eine 3 Jahre alte Golden Retriever Hündin aus jagdlicher Zucht (DRC/VDH). Sie hat eine angeborene Herzerkrankung (mittelschwere Subaortenstenose, die Herzklappen schließen zusätzlich nicht mehr) und sie hat keine Östrogene.
Schon als Welpe fiel sie dadurch auf, dass sie nicht mit ihren Geschwistern beim Welpentreff herumrannte. Sie blieb lieber bei den Menschen. Früh zeigte sie explosionsartige Aggressionen anderen Hunden gegenüber (nur im Freilauf). Davon abgesehen ist sie ein wunderbarer Hund. Sie ist sehr menschenbezogen mit sehr viel "will to please". Ich mache mit ihr Dummytraining (Retrieverarbeit) soweit es ihre Kondition zulässt und es ist eine Freude mit ihr zu arbeiten. Sie ist sehr geduldig, leichtführig und verlässlich.
Seit drei Jahren versuche ich an ihrem Aggressionsproblem zu arbeiten. Dabei haben mich schon drei Hundetrainer beraten. Ihre Züchterin ist Trainerin und Tierpsychologin, die mich ebenso begleitet. Ich "verwalte" inzwischen ihr Problem. Sie hat zu einigen Hunden Kontakt, die sie kennt. Sie gibt die Spielregeln vor und die anderen respektieren das. Unhöfliche Hunde toleriert sie gar nicht. Wenn diese kleiner sind als sie, dann ist eine "Lochung" vorprogrammiert.
Wer hat ähnliche Probleme? Ich würde mich sehr über einen Erfahrungsaustausch freuen.
Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.047

09.06.2009 16:50
#2 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Für mich klingt das, was Du schilderst, gar nicht so sehr nach "Krankheit", eigentlich zeigt sie doch ganz normales Hundeverhalten für eine Rasse, die ja sehr menschenbezogen gezüchtet ist, auch wenn sie noch ein richtiger Retriever mit Eignung zum "Retrieven" zu sein scheint. Daß sie nicht mit jedem
Artgenossen Kontakt haben will, ist doch erstmal völlig in Ordnung.

Mich würde jetzt entsprechend interessieren, wie Du darauf kommst, daß die Aggression "nur" krankheitsbedingt auftritt und natürlich, welches Verhalten sie genau zeigt. Beschädigt sie, oder grummelt sie "nur" weg, bezieht sich das auf Neukontakte oder auch manchmal auf "alte Bekannte", gibt es ein Schema, nachdem sie neue bzw. die ausgewählten Kontakte vorzunehmen scheint? Erzähl doch einfach mal ein bißchen mehr, ich glaube, sonst ist es sehr schwierig, sich ein Bild von ihr bzw. Euch zu machen. Würde mich freuen, mehr zu lesen.

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

Käthe Offline



Beiträge: 885

09.06.2009 20:23
#3 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten
Genau, erzähl doch mal näher.

Ich kann mir schon vorstellen, dass explosionsartige, aggressive Ausbrüche und ein Herzleiden keine besonders gute Kombination abgeben

LG von Käthe und dem Tünnes

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Never trust a dog with orange eyebrows! [Terry Pratchett]

stoppel Offline



Beiträge: 8.461

09.06.2009 21:22
#4 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Es wäre schön, wenn du noch ein paar Fragen beantworten könntest.

Zitat von Kika
Früh zeigte sie explosionsartige Aggressionen anderen Hunden gegenüber (nur im Freilauf).

Hast du das selbst beobachtet? Wie sah solch ein 'Überfall' denn aus? Wie alt war sie da?

In Antwort auf:
Unhöfliche Hunde toleriert sie gar nicht. Wenn diese kleiner sind als sie, dann ist eine "Lochung" vorprogrammiert.

Welche Art von 'Unhöflichkeit' toleriert sie denn nicht?
Hat sie schon mal richtig zugebissen?

LG Iris mit Brummbär Richy und Springmaus Querida
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"Happiness is not a station you arrive at, but a manner of travelling." (M.L. Runbeck)

soffie Offline

Zwar nicht des Teufels General, aber doch des Satansbratens inquisitorische Fee


Beiträge: 6.337

10.06.2009 00:01
#5 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Zitat von Kika

Schon als Welpe fiel sie dadurch auf, dass sie nicht mit ihren Geschwistern beim Welpentreff herumrannte. Sie blieb lieber bei den Menschen. Früh zeigte sie explosionsartige Aggressionen anderen Hunden gegenüber (nur im Freilauf). Davon abgesehen ist sie ein wunderbarer Hund. Sie ist sehr menschenbezogen mit sehr viel "will to please".
. Sie ist sehr geduldig, leichtführig und verlässlich.
Sie hat zu einigen Hunden Kontakt, die sie kennt. Sie gibt die Spielregeln vor und die anderen respektieren das. Unhöfliche Hunde toleriert sie gar nicht.


Lara!!!.
http://www.youtube.com/watch?v=oTwkTFNc7UY

Gelocht hat sie noch keinen Hund ( um dem vorzubeugen gibt es ja MK , aber einige Kratzer gab es schon.


Liebe Grüsse
Kerstin

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Der Gedanke "Wie belohne ich meinen Hund für richtiges Verhalten?" zeichnet die Qualität der Ausbildung aus, nicht der über Bestrafung. (Edgar Scherkl)

Kika Offline



Beiträge: 2.989

10.06.2009 18:20
#6 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Hallo Barbara und alle anderen Leser,

ich freue mich, dass Dich mein Problem interessiert. Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Ich habe schon so viel mit ihr erlebt. Ich beschreibe mal das, was mir gerade so einfällt. Als sie Welpe war, besuchte ich zwei Welpengruppen. Die erste Gruppe betreute die Züchterin mit den Welpengeschwistern. Alle spielten und rannten, nur meine nicht. Dort zeigte sie das erste Mal diese explosive Aggression ohne zu verletzen. Scheinbar aus dem Nichts heraus. Ein Geschwister kam von hinten angelaufen. Sie fühlte sich vielleicht bedrängt und schon war es geschehen.
In der anderen Welpengruppe (gemischte Hunderassen) war sie unauffällig. Sie spielte aber nicht und rannte auch nicht herum. Sie blieb wieder bei den Menschen. Bei Spaziergängen machte sie mehrfach Krawall. Wenn andere Hunde sie bedrängten, dann krachte es ohne Vorankündigung.
Weil mir ihr Verhalten sonderbar vorkam und sie auch langsam war und nicht so herumrannte wie andere Welpen und Junghunde ging ich mit ihr zum Tierarzt. Diagnose: mittelschwere Subaortenstenose, der Hund ist nicht belastbar. Jetzt war mir klar, warum sie nicht so rannte wie andere Hunde. Da war sie fünf Monate alt.
Ich hatte den Eindruck, dass ihr etwas fehlt. Sie hat nie erlebt, dass es toll ist mit anderen Hunden zu rennen. Vielleicht hat sie sogar negative Verknüpfungen gemacht. Sie hat sich nie von anderen Hunden jagen lassen, sondern hat sich mit erhobenen Schwanz und Nackenbürste aufgebaut. So als wüsste sie genau, dass sie etwas zu verlieren hat. Sie könnte gemobbt werden, wenn andere Hunde ihre Behinderung bemerken.
In dem Alter hat sie das erste Mal gebissen. Sie war bei einem kleinen Hund zu Besuch, den sie schon kannte. Sie lag auf dem Boden und hatte ein Kuscheltier unter ihrem Kopf. Der andere Hund verteidigte seine Ressource und stürzte sich auf sie. Sie ging zum Gegenangriff über. Sie "lochte" im Nacken.

Ich ging weiter mit ihr in die Hundeschule. Nicht um "sitz,platz,bleib" zu lernen. Das konnte sie. Sie sollte weiter kontrollierten Kontakt zu gut sozialisierten Hunden haben. Wochenlang passierte nichts. Sie hielt sich im Freilauf zurück, wie immer. Dann kam auf dem Hundeplatz ein etwas kleinerer Hund von hinten bellend angelaufen. Sie stürzte sich auf ihn und "lochte" ihn am Ohr. Sie war so wild und setzte mehrfach nach. Ich trennte die Hunde. Die Wunde am Ohr musste genäht werden.

Hundebegegnungen beim Spaziergang waren und sind immer unterschiedlich. Es gab Kontakte, die ohne Aggressionen abliefen. Meistens war sie aber angespannt. Manchmal zeigte sie auch ein freundliches Wedeln.
Ein etwas zu langes Schnüffeln eines Rüden an ihrem Hinterteil konnte schon ausreichen, dass es wieder krachte. Das ist auch heute noch so. Das toleriert sie nur bei wenigen bekannten Rüden.
Dabei weiß man nie ob sie locht oder "nur" Krawall macht.
Es gab immer wieder Zeiträume, in denen ich dachte, dass es besser wird. Ich habe lange Zeit andere Hunde "lecker gefüttert". Sie für braves Verhalten bestätigt. Auch in ihrer Retrievergruppe kommt sie gut zurecht. Ihren Bruder Anton liebt sie offensichtlich.
Nie die Hoffnung aufgebend habe ich mir von der gleichen Züchterin (und mit ihrem O.K.) eine zweite Hündin geholt. Die kleine Genna ist jetzt neun Monate alt. Sie ist völlig anders. Sie findet es wunderbar mit anderen Hunden zu spielen und zu rennen. Es hat mit ihr noch nie so eine Situation gegeben wie mit meiner großen Ephi. Genna unterwirft sich immer. Sie ist eine kleine Meisterin im Anwenden von Beschwichtigungssignalen.
Leider hat es zwischen den beiden auch schon Zwischenfälle gegeben. Die ersten Wochen waren fürchterlich stressig. Ständig hatte ich Angst, dass der Genna etwas passiert. Es hat mehrfach gekracht und es hat auch "Lochungen" gegeben. Das Problem ist, dass Ephi von einer Sekunde auf die andere aggressiv wird. Sie droht nicht, es kracht sofort. Zum Glück wurde die Kleine noch nicht ernsthaft verletzt. Das erste Mal ist es bei der Futterzubereitung passiert. Die Kleine hat gebellt, nach dem Motto: "Mach schon, ich will endlich fressen". Das zweite Mal, als die Kleine über Ephis Liegeplatz rannte. Das dritte Mal aus dem Spiel heraus. Ephi lag auf dem Rücken und forderte die Kleine zum Spielen auf. Dann wurde es ihr wohl etwas zu unruhig (unübersichtliche, unkontrollierte Situationen mag sie gar nicht). Das vierte Mal war ein Leckerchen im Spiel, das auf dem Boden lag.
Sonst ist nichts passiert, sie droht nicht, sie knurrt nicht, sie lässt sich Spielsachen wegnehmen.
Inzwischen ist die Situation viel entspannter geworden, alles ist friedlich. Doch ich kann mir nie sicher sein. Ich bin immer aufmerksam und versuche Konflikte im Vorfeld zu verhindern. Man lernt ja dazu und erkennt mögliche Gefahren. Ich lasse die Hunde aber nie allein. Ich werde nie so entspannt sein können wie andere Hundebesitzer.
Mit fremden Hunden lasse ich sie nicht mehr zusammen. Sie zeigt auch ständig durch ihre Körpersprache, dass sie das nicht möchte.

Jetzt mache ich Pause.....meine Hunde müssen raus.....viele Grüße Kika

Kika Offline



Beiträge: 2.989

11.06.2009 19:22
#7 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Hallo zusammen,

erstmal danke, für die nette Begrüßung hier im Forum. Ich finde mich noch nicht wirklich gut zurecht hier....aber wird schon werden. Ich versuche mal ein Bild zu schicken von meiner Ephi und der kleinen Genna. Ephi ist die braune Hündin. Bin gespannt, ob das klappt.......Kika

Angefügte Bilder:
Ephi und Genna 2009.JPG  
Käthe Offline



Beiträge: 885

11.06.2009 20:16
#8 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Jepp, hat geklappt. Süß sind sie, deine beiden!

LG von Käthe und dem Tünnes

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Never trust a dog with orange eyebrows! [Terry Pratchett]

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.047

12.06.2009 01:36
#9 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Ja, Bild hat geklappt, ich hab's Dir auch gleich zum Avatar gemacht. :-)

Zum Problem muß ich später schreiben, dazu brauche ich etwas mehr Ruhe als ich sie momentan gerade habe. Aber vielleicht können Dir die anderen ExpertInnen hier schon einmal etwas sagen, Critter, Soffie, Raschnuck - ran an die Tastaturen und auch alle anderen, die mir gerade nur nicht einfallen, weil ich heute echt ziemlich "alle" bin, äußert Euch doch bitte schon mal, ja?

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

soffie Offline

Zwar nicht des Teufels General, aber doch des Satansbratens inquisitorische Fee


Beiträge: 6.337

12.06.2009 23:17
#10 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Hallo Kika,
ich bin auf diesem Gebiet zwar keine Expertin, aber auch nach mehrmaligen lesen kann ich nichts finden, was auf Fehlverhalten deines Hundes hinweist.
Gut....Ephi locht.... weil sie nicht lernen durfte, was eine Beisshemmung ist und weil sie sich in allergrösster Not befindet.
Auch denke ich nicht, dass es ohne Vorwarnung "kracht", sondern, dass ihre Signale übersehen werden, die anzeigen "jetzt ist das Maaß voll".

Zitat von Kika

Das erste Mal ist es bei der Futterzubereitung passiert. Die Kleine hat gebellt, nach dem Motto: "Mach schon, ich will endlich fressen". Das zweite Mal, als die Kleine über Ephis Liegeplatz rannte. Das dritte Mal aus dem Spiel heraus. Ephi lag auf dem Rücken und forderte die Kleine zum Spielen auf. Dann wurde es ihr wohl etwas zu unruhig (unübersichtliche, unkontrollierte Situationen mag sie gar nicht). Das vierte Mal war ein Leckerchen im Spiel, das auf dem Boden lag.


Auch nach diesen Zeilen kann ich kein Verhalten finden, was auf ihre Krankeit zurückzuführen ist.
Wieder ist an der Lochung die nichtvorhandene Beisshemmung schuld. Ephi hat die Kleine nur zurechtgewiesen. Allerdings auf eine Art, die zu heftig ist. Aber sie hat es nicht anders gelernt.

Ich denke, dass es das Beste für euch 3 ist, wenn ihr euch einen wirklich guten Trainer ins Haus holt.
Die Züchterin, die ja auch Tierphsychologin sein soll, scheint mir nicht die richtige Wahl zu sein, um euch bei diesem Problem helfen zu können. Sie hätter erkennen müssen, dass für einen Zweithund
die Zeit noch nicht reif ist.

Liebe Grüsse
Kerstin

Liebe Grüsse
Kerstin

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Der Gedanke "Wie belohne ich meinen Hund für richtiges Verhalten?" zeichnet die Qualität der Ausbildung aus, nicht der über Bestrafung. (Edgar Scherkl)

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.047

13.06.2009 00:55
#11 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Danke, Kerstin. Ich sehe das ähnlich, deshalb die Nachfrage in meinem ersten Beitrag. Ich fand und finde, daß der Hund aus seiner Sicht logisch und richtig handelt.

KiKa, wie kommst Du darauf, daß das, was der Hund zeigt, "krank" ist? Hat Dir das ein Tierarzt oder Trainer gesagt, oder ist das Deine eigene Analyse?

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

Kika Offline



Beiträge: 2.989

14.06.2009 16:59
#12 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Hallo Kerstin und Barbara,

ich verstehe was ihr meint. Eine Zurechtweisung ist o.k., das Problem ist die fehlende Beißhemmung.
Als Ephi Welpe war, habe ich die Beißhemmung geübt. Wenn sie zu grob war, habe ich laut aufgeschrien und das Spiel abgebrochen.
Ich konnte aber kein Spiel mit Hunden ersetzen. Mein Gedanke ist, dass sie aufgrund ihrer Herzerkrankung nicht mit anderen Hunden gespielt hat und ihr Sozialverhalten nicht einüben konnte. Wenn ich so überlege, dann fallen mir nur wenig Signale bei ihr auf. Sie züngelt und legt die Ohren nach hinten, wenn sie beschwichtigen will. Sie stellt die Nackenhaare und ihren Schwanz hoch, wenn sie bei fremden Hunden steht. Wenn diese eindeutig beschwichtigen oder sich unterwerfen ist alles o.k.
Wenn der andere Hund dann etwas zu lange schnüffelt, fühlt sie sich dann gleich in ihrer Existenz bedroht ???? oder warum wird sie so heftig?
Zum Vergleich: Gestern war ich mit Genna beim Training. Wir treffen uns mit einigen Welpengeschwistern (+ Anhang) bei der Züchterin. Die Hunde liefen frei herum und zwei Geschwister waren sich einig, dass Genna sich unbedingt unterwerfen sollte. Das sah schon etwas nach Mobbing aus. Das störte sie jedoch wenig. Sie reagierte so als wollte sie sagen: "Bei einem älteren Hund unterwerfe ich mich gerne, aber nicht bei euch. Wenn ihr was wollt, dann fangt mich doch." Sie kommt gar nicht auf die Idee Aggressionen zu zeigen, sie lenkt alles in Spielverhalten um.

Da Ephi nicht läufig wird, habe ich auch da eine Erklärung gesucht. Ich habe ihr Blut untersuchen lassen. Ihr Östradiol(Östrogen) ist kleiner als 1,0 pg/ml.
Zum Vergleich: eine kastrierte Hündin hat einen Wert von bis zu 10 pg/ml. Bei Rüden werden Werte bis 15 pg/ml als normal betrachtet!
Warum das so ist kann ich nicht sagen. Vielleicht hat sie keine Eierstöcke, oder die Hypophyse arbeitet nicht.....
Sie bekommt Östrogentabletten, das hat aber auch nichts geändert.

Freitag hatte ich wieder ein unangenehmes Erlebnis. Ich fuhr mit meiner Freundin und ihrem Goldi zum Kanal. Dort ist eine abgezäunte Stelle. Wir wollten ihren Rüden und meine Genna dort am Wasser spielen lassen. Es hielten sich dort einige Leute auf, die ein Boot auf den Hänger zogen. Meine Freudin unterhielt sich mit ihnen und erfuhr, dass das noch einige Minuten dauern würde. Ich wollte die Gelegenheit nutzen und holte die Ephi aus dem Auto, damit sie ihre Geschäfte schon mal erledigen konnte. Plötzlich stand da ein anderer Hund (kleiner als Ephi) - damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ephi lief sofort zu ihm hin (natürlich mit Nackenbürste und erhobenen Schwanz). Ich pfiff - keine Reaktion. Sie standen nur kurz nebeneinander, da wollte Ephi schon über ihn herfallen. Er wich zurück, ich pfiff wieder und Ephi kam zu mir. Also noch mal gutgegangen. Mein Herz bleibt mir dann fast stehen vor Schreck!.....Ich habe nichts gesehen, was der andere Hund falsch gemacht haben könnte. Er hat sie nicht bedrängt und nicht bedroht. Ephi ist auf ihn frontal zugelaufen.

Meistens wird es kritisch bei Hunden, die kleiner sind als sie. Ich habe den Eindruck, dass es aggressionshemmend wirkt, wenn die anderen Hunde mindestens gleichgroß sind oder mehrere Hunde anwesend sind. Ich habe auch schon gesehen, dass sie drohen kann. Sie war mit drei fremden, großen Hunden zusammen. Dem einen Hund zeigte sie einen Eckzahn, um ihn auf Distanz zu halten. Sie kann also drohen, sie gebraucht es nur viel zu wenig. Ich wäre froh, wenn mein Hund drohen und knurren würde. Das reicht ja normalerweise völlig aus, um sein Ziel zu erreichen. Nur wie sag' ich's meinem Hunde????

Die erste Hundetrainerin, die ich fragte, wollte ihr das mit einem kräftigen Leinenruck abgewöhnen.
Das hab' ich nicht gemacht!

Die zweite Hundetrainerin sah' durchaus einen Zusammenhang mit ihrer Erkrankung. Sie meinte, dass ich ihr den Kontakt zu fremden Hunden ersparen soll. Das sei jedesmal Stress für sie.

Der dritte Hundetrainer meinte, dass ich meine Anspannung auf Ephi übertrage. Ich soll schnell weggehen und sie allein lassen. Das hat sich meiner Meinung nach nicht bestätigt. Sie wird auch aggressiv wenn ich weit weg bin. Hab' ich ausprobiert - zum Glück beißt sie nicht immer.
In zweifelhaften Situationen hab' ich Ephi immer diese Tierarzttüte umgetan, sie ist schnell zu händeln und Ephi toleriert das gut. Er meint, ich habe keinen wirklich aggressiven Hund. Das soll ich lassen, sie könne nicht kommunizieren. Da die "Tüte" jedoch nicht ganz so eng sitzt, habe ich gesehen, dass sie trotzdem züngeln kann. Natürlich kann ich die nur immer kurz aufsetzen, da sie nicht hecheln kann.

Ich würde auch noch einen vierten Hundetrainer bemühen, wenn ich wüsste, dass der sehr gut ist.
Kennt ihr einen im Raum Münster - Osnabrück? ....v.G. Kika

soffie Offline

Zwar nicht des Teufels General, aber doch des Satansbratens inquisitorische Fee


Beiträge: 6.337

14.06.2009 22:35
#13 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Hallo Kika,
Ephi hat gelernt, in ,für sie bedrohlich erscheinenden Situationen, sich selbst zu helfen, indem ein Angriff gestartet wird.

Dabei erinnert sie mich sehr an Lara, von der ich etwas weiter oben ein Video eingestellt habe.
Noch vor 2 Jahren ging mit anderen Hunden gar nichts. Die Welpenstunde wurde mit ihr besucht, aber
spielen mit anderen Hunden wollte sie nie. Sie hatte nur Angst. Leider meinte die Trainerin damals
da müsse die Kleine durch. Die ängstlichen Besitzer mieden seit dieser Zeit jeglichen Hundekontakt.
Mit einem Jahr fing Lara an entgegenkommende Hunde anzugreifen (offline). Zwar waren die
Verletzungen bei den Opfern keine Bisswunden, aber immerhin Kratzer.

Lara durfte in der Zwischenzeit lernen, daß sie Hundekontakt nicht ertragen muss, weil ihre Bezugsperson dafür Sorge trägt, ihr Hunde, die sie nicht mag, vom Leib zu halten.
Manchmal regelt sie auch selber und das immer besser und ruhiger.

Kika,
ob Ephi`s Unsicherheit ihren Ursprung in einer Krankheit hat ist nicht von Bedeutung (evtl für den Züchter). Wichtig ist, daß du ihr hilfst ihre Ängste zu überwinden.
Und lass die Tüte weg. Damit kann der Hund, wenn sie dass Beissen verhindern soll, nicht richtig hecheln.

Hast du schon Antworten auf deine Frage bezüglich des Trainers?

Liebe Grüsse
Kerstin




Liebe Grüsse
Kerstin

Liebe Grüsse
Kerstin

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Kika Offline



Beiträge: 2.989

16.06.2009 16:41
#14 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Hallo Kerstin,

verstehe ich dich richtig? Ist es besser zu "splitten"?

Morgen habe ich Training mit Ephi. In der Retrievergruppe ist ein neuer Rüde, der sich sehr für ihr Hinterteil interessiert. Ephi hat ihm schon deutlich gemacht, dass sie das nicht möchte (ohne Leine, mit Leine lass ich sowieso keinen Kontakt zu). Aber es liegt noch 'was in der Luft - es könnte Krach geben. Nach dem Rat des letzten Trainers soll ich das nicht beachten und weit weg gehen, gar nicht hinschauen. Meinst du, dass ich sie eher beschützen soll. Ich agiere, damit der Hund nicht reagieren muss?
(wie geht das eigentlich mit dem Zitat??)

Ich habe Post bekommen. Vielen Dank dafür. Eine neue Perspektive.....

Viele Grüße Kika

Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.047

16.06.2009 23:20
#15 RE: Aggression und Krankheit Zitat · Antworten

Du solltest sie dringend beschützen. Laß nicht zu, daß sie (weiter) lernen muß, daß sie nur mit aggressivem Verhalten ihrerseits zum Ziel kommt. Das verselbständigt sich im schlimmsten Fall dahingehend, daß sie immer stärker aggressiv sein muß, um ihr Ziel, nämlich, daß der andere ihr vom Hals bleibt, zu erreichen. Ich bin der Meinung, es ist unsere Verantwortung, die diesbezüglichen Interessen unserer Hunde zu vertreten. Und das heißt für Dich: Hör auf, sie in solche Kontakte zu lassen bzw. zu schicken. Sie sagt doch deutlich, was sie will und was nicht. Das Schlimmste, was Du tun kannst, ist darauf nicht zu hören und sie allein zu lassen. Hilf ihr, und Du festigst das Vertrauen, das sie in Dich haben kann, hilf ihr nicht, und sie wird spätestens dann, wenn das Knurren und Drohen nicht funktioniert, noch heftiger in Auseinandersetzungen gehen als bisher schon.

Grundsätzlich solltest Du Dich vielleicht auch fragen, was Du von einem Partner an Deiner Seite erwarten würdest, wenn Du in eine Lage kämst, in der Du Dich hilflos, sozusagen "verraten und verkauft" fühlen würdest. Stell Dir vor, es steht ein bedrohlicher Mann vor Dir. Neben Dir ist ein großer, kräftiger Mensch. Du bekommst Angst, kannst aber nicht ausweichen, weil der Dir drohende Mann Dich immer wieder hinterherkommt und Dir an den Busen grabscht. Was würdest Du fühlen, wenn der große und kräftige Mensch neben Dir sich anwenden, nicht hinschauen würde? Hättest Du zu dem Vertrauen, wenn er Dir nicht helfen würde? Würdest Du ihm, seinen Signalen oder Aufforderungen danach und in anderen Lebenslagen wirklich folgen wollen oder können?

Wie wäre es auch mit Deinem künftigen Verhalten? Stell Dir vor, Du versuchst, dem Busengrabscher zu sagen, daß er Dich in Ruhe lassen soll. Du versuchst es freundlich, er geht nicht. Du versuchst es deutlicher, er grabbelt weiter. Du schubst ihn weg, er folgt Dir. Du gibst ihm eine Backpfeife, er hält Dich fest. Du trittst ihn in die Weichteile, er knickt ein und Du kannst abhauen. Was wäre Dein Fazit für ein "nächstes Mal"? Richtig, Du läßt die Zwischenschritte aus und trittst den Aggressor/den Reizauslöser gleich in die Weichteile. Und es ist Dir, wenn nochmal ein Typ genauso auftritt wie der, der Dich dazu gebracht hat, das Verhalten beim ersten Mal zu zeigen, verdammt egal, ob dieser "neue" vielleicht auch aufgehört hätte, wenn Du ihn nett darum gebeten hättest. Du hast nämlich Angst, Du willst nur eins: Nicht wieder erleben, was Du beim ersten Mal durchgemacht hast. Und es ist dann auch für Dich nur folgerichtig, von da an nur noch das Verhalten aufzugreifen, das Dir bereits Erfolg beschert hat.

Einzig, wenn der Mensch, der Dir beim ersten Mal nicht geholfen hat, schon in dem Moment nach vorne gehen und klären und den Aggressor "wegkriegen" würde, in dem der auch nur Bewegungen in Deine Richtung macht, würdest Du vielleicht noch einmal bereit sein, den Tritt in die Weichteile wegzulassen, der Dir vermutlich ja keinen Spaß gemacht hat, sondern einfach die einzige Lösung war. Und vermutlich würdest Du den Impuls, zuzutreten, selbst dann noch eine Weile haben, wenn der große und kräftige Partner Dir zwei- oder dreimal aus der Klemme helfen würde. Denn sicher bist Du ja nicht, daß er nicht doch wieder zu der Ignoranz des Anfangs zurückkehrt. Du müßtest erst wieder lernen, ihm zu vertrauen, und das ginge nur, wenn er Dir künftig IMMER aus der Patsche helfen würde. Würde er Dir aber erzählen, daß Du doch nun endlich mal lernen müßtest, Dich von Kerlen angrabbeln zu lassen - Du würdest ihm vermutlich die Freundschaft aufkündigen, oder?

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

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