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Dieses Thema hat 59 Antworten
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bonita



Beiträge: 46



18.04.2009 11:58
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

@Nina: Möchte mich Deinen Ausführungen anschließen... hast Du optimal formuliert.

@Elektra + Spunk: Wenn ich einen Vorschlag machen darf... Ich find's ja immer schade, wenn Beiträge oder Hinweise/Tipps etc. in einem Thread etwas untergehen, weil sie dort gerade zwar aktuell auftauchen aber grundsätzlich anderswo thematisch hingehören würden.
Warum macht ihr es nicht so, dass im eigentlich Thread ein Hinweis gegeben werden darf und zwar nicht direkt auf das spezielle Buch, sondern einfach darauf, dass in der entsprechenden Rubrik, in diesem Fall "ex libris", ein entsprechender Buchtipp zugefügt wird.
@Spunk: Also genau andersherum... im Thread einen Verweis auf die entsprechende Rubrik, in der Dein Buchtipp dann konkret erscheint. So haben alle etwas davon... diejenigen, die im Thread lesen und bei Interesse auch den Buchtipp finden und diejenigen, die mal "nur" nach guten Büchern suchen.

Mrs.Sheels



Beiträge: 222


18.04.2009 12:20
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten
Zitat von Elektra
Seid mir bitte nicht böse, aber an diesem Punkt möchte ich jetzt keinen Kompromisse machen. Ich habe von Anfang an viel Rücksicht auf User-Wünsche genommen, ich habe versucht, zu programmieren und umzusetzen, was Ihr wolltet, und ich glaube, dabei ist nicht das schlechteste aller Foren rausgekommen. Ich bitte daher an diesem Punkt jetzt einfach um Euer Verständnis, daß ich hier jetzt mal nicht demokratisch entscheide, sondern es so beibehalte, wie es die Regeln sagen, auch wenn das jetzt nicht alle verstehen oder für richtig halten.


Hallo Barbara,

ist jetzt nicht böse gemeint, aber ich denke du solltest dir mal die Forumsregeln vornehmen, in dich gehen und überlegen, was noch rein gehört, denn es ist in letzter Zeit ja schonmal vorgekommen, dass du deine Regeln im Kopf hattest und gerügt hast und sie dann erst in die öffentlich lesbaren nachtragen musstest. Wir können dir leider nicht in deinen Kopf gucken ;)
Es geht mir nur darum, dass die User nicht alles lesen können, um zu sehen, wo du mal drauf hingewiesen hast, dass du z.b. keine Büchernennung im allgemeinen Forumsbereich magst.

Ist wirklich nicht böse gemeint, nur die Sicht eines Users, der versucht sich an die Regeln zu halten, weil er nicht gerne gerügt wird

lg, Bettina

bonita



Beiträge: 46



18.04.2009 12:40
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Wenn ich jetzt ganz lieb Bitte! sage.... äääähhhmmm.........
könnten wir dann an dieser Stelle zum Ursprungsthema zurückkehren?

Für diese allgemeinen, grundsätzlichen Themen gibt's doch sicher auch eine andere Stelle!?

Ich frage mich gerade, ob ich überhaupt eine Chance in meiner Situation habe.
Mit "meiner Situation" meine ich, dass ich mit 3 Hunden unterwegs bin, von denen die zwei Rüden Jagdtrieb haben und die Hündin bedingt, was heißt, dass ich sie allein zwar stoppen könnte aber auch das nur bedingt, denn zu dritt macht eine Hetzjagd dreimal soviel Spaß.

Mal angenommen, ich würde es tatsächlich so weit bringen, meine beiden Jäger jeweils im Einzeltraining aus dem Vorstehen; bzw. Fixieren heraus so weit zu kontrollieren, dass ich das Einspringen und Hetzen tatsächlich verhindern könnte.... wie würde das dann beim gemeinsamen Spaziergang aussehen?
Was wäre anders oder besonders wichtig, wenn ich mehrere Hunde gleichzeitig kontrollieren muss?
Oder gibt es da keinen Unterschied mehr, vorausgesetzt im Einzeltraining wurde alles ausreichend gefestigt?

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

Beiträge: 38.940



18.04.2009 12:53
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Gute Idee, werd ich machen, Bettina, am besten mit Petra und Anja zusammen, damit das "Triumvirat" auch einer Meinung ist und sich in den eigenen Regeln gut auskennt. Mädels, wir brauchen einen Termin. :-)

Petra, auch Du hast recht, zurück zum Thema möchte ich jetzt auch und auch die anderen darum bitten, das jetzt mitzugehen.

Ich denke, eine Chance hast Du schon. Es ist halt schwieriger und kostet mehr Nerven, denke ich. Wenn Du mit den Hunden einzeln wirklich intensiv und so trainierst, daß das neue Verhalten in allen Situationen abrufbar ist, sollte es keinen Unterschied mehr geben, wenn Du die drei dann wieder gemeinsam führst.

Ich habe gestern mit meinen beiden zwei Waldgänge gemacht. Wir haben immer wieder Rückruf, immer wieder Reaktion auf Namen und immer wieder mal sitz, platz und bleib geübt. Spätestens wenn Seppi etwas zu weit weggeht, rufe ich ihn ab - und zwar auch und gerade dann, wenn er gar keine Spur/Witterung hat. Wenn ich nur trainieren würde, wenn Hase oder Reh auch für mich wahrnehmbar sind, hätte ich keine Chance, festigen muß ich alles VOR dem Ernstfall, damit ich IM Ernstfall Rüstzeug habe.

Beide Wälder sind übrigens stark bewildet. Beide Hunde hatten zwischendrin mehrfach Witterungen/Fährten. Keiner der beiden ist auch nur ein einziges Mal abgedüst, spätestens, wenn ein Pfötchen vom Weg abwich und ins Unterholz wollte, rief ich, clickerte ich und fütterte ich. Es waren entspannte und sehr schöne Gänge, beide, also auch kein Streß für mich, die ich ja hellwach und aufmerksam sein mußte und das möglichst unangestrengt. Es müssen Dir einfach bestimmte Abläufe und Signale in Fleisch und Blut übergehen. So, wie bei Mareike in etwa, die auch dann "Stop, Straße" zu Idefix sagt, wenn Idefix zu Hause im Körbchen schlummert. :-)

Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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"Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden."
(Papst Franziskus)

bonita



Beiträge: 46



18.04.2009 13:32
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Bedenken habe ich gerade noch dahingehend....

Macht es Sinn und ist es richtig, ganz unterschiedliche Reize mit gleicher Methode anzugehen?

Zum einen den unangenehmen, angstauslösenden Reiz (fremder Mensch) und zum anderen den angenehmen, triebauslösenden Reiz (Wild).
Gegen den unangenehmen Reiz habe ich doch eher leichtes Spiel attraktive Alternativen, wie Leckerchen, zu bieten.
Kann ich den angenehmen, Endorphine verheissenden Reiz, überhaupt toppen?
Wo genau liegt der Punkt, was macht es aus, dass der Hund sich tatsächlich gegen Trieberfüllung und für mein "Allerweltssignal" entscheidet.
Ein Stückchen banale Fleischwurst kann es doch nicht sein, oder?
Liegt das Geheimnis eher im Ritual, in der Gewöhnung... so nach dem Motto "Hoppla, jetzt hab ich doch tatsächlich den Hasen verpasst, weil ich nicht aufgepasst habe und ganz automatisch in dieses langweilige Platz gefallen bin"?
Irgendwie kapier ich noch nicht, was genau im Hund abläuft.

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

Beiträge: 38.940



18.04.2009 19:38
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Sei mir nicht böse, aber irgendwie habe ich das Gefühl, Du zäumst das Pferd von hinten auf und willst alles sofort und auf einmal. So funktioniert das leider nicht, es geht meinem Dafürhalten nach generell zunächst um lang andauernde Prozesse von Beziehungsaufbau. Grundsätzlich ist es so, daß Dein Hund sich an Dir orientieren soll, was wiederum bedeutet: Du mußt für ihn in jeder Hinsicht attraktiv sein.

Ich glaube, es ist ein absoluter Trugschluß, zu glauben, daß Du Angst und Aggression besser bewältigen kannst als Jagdverhalten, genauso, wie ich nicht glaube, daß Du gegen unangenehme Reize, die Angst und Aggression auslösen, mit "einfach nur ein bißchen Leckerchen" ankommen kannst.

Alle genannten Verhaltensweisen entstehen beim Hund unterbewußt, sie sind für ihn nicht kontrollierbar, und sie entspringen alle einem einzigen Ziel: Das Überleben zu sichern. Ein Hund, der Angst hat, hat sie um Leib und Leben, auch wenn der Reiz aus Menschensicht nicht bedrohlich wäre oder wir ihn als "banal" empfinden, kannst Du dem Hund nicht einfach sagen "Dir passiert ja nix, hier haste ein Leckerchen, und nu halt die Klappe". Fakt ist: Dem Hund passiert etwas. Nämlich, daß er Angst hat. Und wenn ein Hund Angst hat, kommt in den allermeisten Fällen kein Leckerchen dieser Welt dagegen an. Helfen kann einzig ein Mensch, dem der Hund so sehr vertraut, daß er sich in seiner Angst an ihn wenden kann. Und das heißt: Der Mensch muß beweisen, daß er befähigt ist, den Hund zu führen, der Mensch muß zeigen, daß sein Einfluß stärker ist als die Angst um Leib und Leben.

Genauso ist es mit der Aggression. Sie dient dem Überleben nicht weniger, der Hund will mit ihr sicherstellen, daß der Reiz ihm nichts tun kann, und wenn dieser sich nähert, hat der Hund nur die Chance, ihn zu vertreiben, indem er ihn im schlimmsten Fall sogar verletzt. Dazu kommt, daß insbesondere die Aggression nicht viel weniger selbstbelohnend ist als das Jagdverhalten des Hundes. Das eine schüttet Adrenalin und Cortisol aus, die schmerzunempfindlich machen und die Kräfte, die auch wir Menschen kennen, wenn wir unter extremen Streß oder in extreme Wut geraten, freisetzt, das andere Dopamin, das dazu dient, zu überbrücken, daß Hunde nur in rund 5% aller Fälle erfolgreich jagen und in 95% erfolglos bleiben. Gäbe es da nicht ein Hormon, das den Hund im Verhalten als solchem, dem Hetzen also, glücklich machte, würde kein Hund jagen wollen, nicht bei der miesen Erfolgsquote.

Ich halte es grundlegend für gefährlich, über "Trieberfüllung" zu sprechen, manche Leute tun das auch, wenn sie über Aggression reden, und es ist einfach falsch. Kein Hund hat den Trieb, zu beißen oder zu töten. Jagd- und Hetzverhalten sind wie die Aggression immer "nur" Mittel zum Zweck, zum einen soll die Ernährung gesichert werden, zum anderen sollen Gefahren abgewendet werden.

In beiden Situationen werden sich Hunde an dem orientieren, der sie ruhig und sicher zum Ziel zu führen weiß. In einer Gruppe wäre das der erfahrenste und souveränste Hund, in einer Mensch-/Hund-Gruppe sollte das der Mensch sein.

Das heißt konkret, daß wir unseren Hunden Wege aufzeigen müssen, auf denen sie aggressionsfrei sein können und sich doch nicht bedroht fühlen müssen, weil wir für sie regeln. Und es heißt, daß wir ihnen quasi "Jagdalternativen" bieten müssen, d.h. wir sollten ihnen zu Dopamin-Ausschüttungen verhelfen, indem wir z.B. Jagdersatzspiele spielen, indem wir in wildreichen Gebieten mit ihnen arbeiten und sie für diese Arbeit belohnen, indem wir ihnen mitteilen, daß bereits ein Anzeigen eines Wildes dazu führt, daß sie bekommen, was sie mit der Jagd letztlich auch erreichen wollen: Futter nämlich.

Das alles geht natürlich nur, wenn unsere Hunde uns als diejenigen akzeptieren, die ihnen zu allem verhelfen, was sie für ein glückliches Leben brauchen. Und das heißt eben: Wir müssen einen intensiven Beziehungsaufbau auf allen möglichen Ebenen betreiben, um am Ende dieser besonderen Verhaltenskette unsere Hunde eben auch von Wild abrufen zu können. Schwerer, als Angst und Aggression in den Griff zu kriegen, ist das sicher nicht, im Gegenteil, sagt meine Erfahrung mit aggressiven Hunden.

Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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(Papst Franziskus)

bonita



Beiträge: 46



18.04.2009 20:14
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten
In Antwort auf:
Sei mir nicht böse

Warum sollte ich? Bin ich nicht!

Allerdings hat mich schon bei Deiner ersten Antwort das Gefühl beschlichen, dass Du denkst, dass meine Problemschilderungen sich auf ein- und denselben Hund beziehen.
Dem ist nicht so. Sorry, wenn ich das nicht deutlich gemacht haben sollte.
Jagdtrieb haben vorrangig meine beiden Rüden.
Aggression aus Angst unterstelle ich meiner Hündin.
"Auf einmal" möchte ich die Probleme so gesehen schon angehen aber eben bei verschiedenen Hunden.

In Antwort auf:
Ich glaube, es ist ein absoluter Trugschluß, zu glauben, daß Du Angst und Aggression besser bewältigen kannst als Jagdverhalten

Vielleicht ist das jetzt vermessen von mir aber ich glaube es dennoch.
Bestärkt fühle ich mich in diesem Glauben auch durch die Tatsache, dass man oft und reichlich von Erfolgen lesen kann, was Verhaltensauffälligkeiten aus Angst angeht aber kaum von Erfolgen gegen Jagdtrieb.
Ich glaube, der Trainer, der tatsächlich wüßte, wie er einen jagenden Hund allein durch positive Bestärkung und artgerechter Kommunikation von seinem Tun abhalten und dies anderen Haltern entsprechend vermitteln könnte, würde steinreich.

In Antwort auf:
genauso, wie ich nicht glaube, daß Du gegen unangenehme Reize, die Angst und Aggression auslösen, mit "einfach nur ein bißchen Leckerchen" ankommen kannst.

Mmmmhhhhh.... jetzt bin ich etwas verwirrt.... hab ich das irgendwo tatsächlich behauptet?
Leckerchen sehe ich eher, wie jemand es hier nannte "um einen Fuss in die Tür zu kriegen".
Wenn ich irgendwo geschrieben habe, was Du zitierst, dann war ich offenbar volltrunken .


In Antwort auf:
indem wir ihnen mitteilen, daß bereits ein Anzeigen eines Wildes dazu führt, daß sie bekommen, was sie mit der Jagd letztlich auch erreichen wollen: Futter nämlich.

Ist das nicht ein Widerspruch zu:
In Antwort auf:
Gäbe es da nicht ein Hormon, das den Hund im Verhalten als solchem, dem Hetzen also, glücklich machte, würde kein Hund jagen wollen, nicht bei der miesen Erfolgsquote.


In Antwort auf:
indem wir ihnen mitteilen, daß bereits ein Anzeigen eines Wildes dazu führt, daß sie bekommen, was sie mit der Jagd letztlich auch erreichen wollen: Futter nämlich.

Wäre das jetzt nicht "gegen angenehme Reize mit einfach nur ein bißchen Leckerchen ankommen" ?

In Antwort auf:
Gäbe es da nicht ein Hormon, das den Hund im Verhalten als solchem, dem Hetzen also, glücklich machte, würde kein Hund jagen wollen, nicht bei der miesen Erfolgsquote.

Ich glaube, dass es genau dieses Hormon ist, gegen welches wir nicht ankommen, schon gar nicht mit "einfach nur ein bißchen Leckerchen".
Der Mensch kommt nicht mal gegen seine eigenen Hormonausschüttungen an, wenn man an all die menschlichen Süchte (Alkohol, Nikotin etc.)denkt.
Um wieviel schwerer muss es folglich sein, gegen die eines anderen Lebewesens, noch dazu von einer anderen Spezies, anzukommen?



Nina



Beiträge: 3.332


18.04.2009 21:43
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Zitat von bonita

Vielleicht ist das jetzt vermessen von mir aber ich glaube es dennoch.
Bestärkt fühle ich mich in diesem Glauben auch durch die Tatsache, dass man oft und reichlich von Erfolgen lesen kann, was Verhaltensauffälligkeiten aus Angst angeht aber kaum von Erfolgen gegen Jagdtrieb.


Ich glaube, das liegt eher daran dass Angst und Aggression ein viel größeres Problem für den Halter sind als Jagdtrieb und er darum auch stärker daran arbeitet. Bei einem aggressiven Hund schwebt die Gefahr, dass ein Mensch oder anderer Hund verletzt wird, wie ein Damoklesschwert über einem. Ist der Jagdtrieb nicht zu kontrollieren, gut, dann bleibt der Hund eben an der Schleppleine, aber es tut niemandem weh. Es ist die eigene Angst, die den Halter antreibt, etwas zu tun. Jagdtrieb dagegen ist vielleicht lästig, aber nicht bedrohlich.

Lotta hat beides, Angstaggression und Jagdtrieb, und ich muß gestehen, dass ich nicht halb so intensiv am Jagdtrieb arbeite, wie an den Aggressionen.

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

Beiträge: 38.940



18.04.2009 23:42
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Ich sehe das genauso wie Nina: Ben hat auch Jagdtrieb, aber an dem habe ich erst gearbeitet, als ich seine Aggression im Griff hatte und fand es auch deutlich problemloser als alternatives Verhalten zu seinem "alten" Muster Artgenossen und Menschen gegenüber aufzubauen.

Daß Du bei Deinen verschiedenen Hunden an unterschiedlichen Problemen arbeiten willst, hatte ich schon verstanden. Aber wenn ich Deine Beiträge lese, habe ich trotzdem den Eindruck, daß Du an tausend Baustellen gleichzeitig ansetzen und alles auf einmal erledigen willst. Und ich glaube, daß das nicht funktionieren kann. Jutta sagte es in anderem Zusammenhang schon einmal: Das zentrale Ziel muß sein, Deine Arbeit zu strukturieren, und das bedeutet: Du solltest mit jedem Hund einzeln trainieren und da dann in der Reihenfolge der Dringlichkeit. Heißt: Arbeite eine halbe Stunde mit Hund 1 an seinem Jagdverhalten, dann arbeite eine halbe Stunde mit Hund 2 an seinem Jagdverhalten und danach arbeite eine halbe Stunde mit Hund 3 an seinen Aggressionen, wenn das die Wertigkeit der Probleme ist, die Du siehst.

Daß ich dachte, Du meintest, mit Leckerchen ein komplexes Problem wie Aggressionen in den Griff kriegen wollen, lag an folgendem Satz von Dir:

In Antwort auf:
Gegen den unangenehmen Reiz habe ich doch eher leichtes Spiel attraktive Alternativen, wie Leckerchen, zu bieten.

Vielleicht habe ich den falsch verstanden, obwohl ich garantiert nicht volltrunken war, falls Du nicht gemeint hast, was ich daraus verstand, leiste ich hiermit Abbitte.

Nein, es ist kein Widerspruch: Zum einen zeige ich meinem Hund über Spiele mit Leckerchen, daß er sein Futter von mir bekommt und es nicht jagen muß. Darüber, daß ich Such- bzw. Jagdspiele mache, baue ich Dopaminausschüttungen, die ein Hund auch hat, wenn er nur vermeintlich und durch mich ausgelöst, jagt, mit ein, ich decke also mit einem guten Training beide Teilbereiche ab.

Nein, es ist nicht "mit Leckerchen gegen etwas ankommen". Wie ich an anderer Stelle schon erklärte, bleibt es ja nicht beim Leckerchengeben, ich baue über den gezielten Einsatz von Futter als Belohnung für erwünschtes Verhalten mehrere Dinge auf: 1) Ich tue etwas mit dem Hund gemeinsam, ich baue also eine Beziehung auf. 2) Ich tue etwas, das der Hund möchte, es passiert aber alles nur auf meine Initiative. Das Gute kommt also von stets mir, so daß der Hund lernt, daß ich ihn führe und ihm guttue, wenn er sich mir anvertraut. 3) Futter dient, wenn ich richtig trainiere, lediglich zur Belohnung für ein erwünschtes Verhalten, es transportiert also Informationen für den Hund. Das funktioniert aber nur, wenn ich es nicht einfach so gebe, sondern via operanter Konditionierung zielgerichtet als Hilfsmittel einsetze.

Ich glaube nicht, daß Hunde gleichermaßen Suchtverhalten zeigen wie wir Menschen. Richtig ist, daß wir Hormonausschüttungen entgegenwirken müssen und das nicht ganz einfach ist. Aber: Wir können in punkto Aggressions- und/oder Jagdverhalten mit einem Training ansetzen, bevor es zu den entsprechenden Ausschüttungen kommt, während wird dem Junkie bzw. Raucher leider die Zigaretten und das Dope nicht einfach wegnehmen können. Und genau das ist ja der Punkt, an dem Jutta mit ihrer Aussage "ich clickere, wenn der Hund anfängt, vorzustehen/anzuzeigen" ansetzt und über den ich auch spreche, wenn ich sage: Agieren, nicht reagieren ist Trainings Gebot. Wir müssen rechtzeitig anfangen, zu handeln, und wir müssen vorher gut genug trainiert haben und dürfen nie nur im Ernstfall eingreifen, weil dann alternatives Verhalten gar nicht gefestigt sein kann.

Es ist doch so: Fast jedes Verhalten besteht aus einer Folge von einzelnen Schritten, erst am Ende der Kette sind wir chancenlos. Beispiel: Aggression, hier - gegen Artgenossen.

Hund sieht anderen Hund und zeigt an, daß er ihn sieht. In diesem Moment kann ich handeln, indem ich ihm einen Reiz neu besetze, ihn an einen Reiz gewöhne oder ein alternatives Verhalten aufbaue - der Hund kann noch lernen, während er das, wenn der Artgenosse unaufhaltsam näher kommt und ich nichts tue, was mein Hund als Erfolg betrachten könnte (also z.B. dafür sorge, daß der Reiz sich nicht weiter nähert oder wir vom Reiz weggehen),nicht mehr kann. Die Möglichkeiten einer Einflußnahme durch mich werden im Verlauf des hundlichen Aggressionsverhaltens (Aufmerksamkeit -> Konflikt -> weg wollen, aber nicht können, weil an Leine -> in die Leine springen -> knurren -> knurren und fletschen -> drohend nach vorne gehen -> schnappen -> beißen) immer geringer werden, ab einem bestimmten Punkt werden wir tatsächlich gegen die Hormone nicht mehr ankommen, weil sie in zu hohem Maße vom Hund "Besitz ergreifen". Aber wer sagt denn, daß wir darauf warten müssen? Wir üben vorher, außerhalb des eigentlichen Problemverhaltens, und wir rufen das, was wir wollen, rechtzeitig ab, dann haben wir auch gute Chancen, ein Verhalten zu drehen, ohne gegen Hormone arbeiten zu müssen, die den Hund bereits "übermannt" haben.

Gleiches gilt auch für das Jagdverhalten. Ich muß doch nicht mit dem Training warten, bis der Hund wirklich und wahrhaftig das Reh hetzt. Ich kann a) alternatives Verhalten, das ich im Fall der Fälle abrufen möchte, so gesichert wie irgendwie möglich "trocken" trainieren und b) aufmerksam genug sein, um zu handeln, wenn der Hund sich noch in der ersten oder max. zweiten Jagdsequenz befindet, statt ihm hinterherzubrüllen, wenn er schon "unterwegs" ist.


Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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(Papst Franziskus)

bonita



Beiträge: 46



19.04.2009 14:03
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Ups... das ist soviel an Info... das muss ich mehrmals lesen.
Danke, Barbara, dass Du Dir soviel Mühe machst.

Bei diesem Leckerchen-Satz hab ich rein an die Wertigkeit der Belohnung gedacht.
Fällt mir per geschriebenem Wort nicht immer ganz leicht, konkret und unmissverständlich rüber zu kommen.
Kein Grund zur Abbitte!

Dass ich an tausend Baustellen gleichzeitig ansetzen und alles auf einmal erledigen will ist sicher von Dir ganz richtig empfunden.
Allerdings hat das weniger mit fehlender Geduld als mit dem Fehlen des bereits angesprochenen roten Fadens zu tun.

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

Beiträge: 38.940



20.04.2009 01:13
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

In Bezug auf das Finden des roten Fadens habe ich eine Idee. Führe mal eine Woche lang Protokoll, für jeden Hund einzeln. Du gehst spazieren und setzt Dich zu Hause sofort hin, um aufzuschreiben, damit Du nichts vergißt. Protokolliere: Datum, Uhrzeit, Ort, gezeigtes erwünschtes Verhalten (Art, z.B. Hund A hat sich freiwillig zu mir umgeguckt, Hund B kam von sich aus zurück, Hund C folgte besonders gut auf Signal A, B oder C usw.), Anzahl des gezeigten erwünschten Verhaltens, gezeigtes unerwünschtes Verhalten (Art, z.B. Hund A rannte zu weit vor, Hund B guckte sich nie freiwillig an, Hund C hörte nicht auf Signal A, B oder C usw.), Anzahl gezeigten unerwünschten Verhaltens, Handlungsbedarf für Hund A, B oder C an diesem Tag zu dieser Zeit, an diesem Ort.

Wenn Du am Ende der Woche bei erwünschtem Verhalten für den jeweiligen Hund z.B. siebenmal stehen hast, er führte immer und überall ganz toll "Sitz" aus, wenn ich es sagte, schaute mich aber nie von sich aus an, weißt Du: Dieser Hund muß motiviert werden, Dich anzuschauen, "Sitz" beherrscht er aber so, daß kein Handlungsbedarf da ist.

Grundlegend wäre es so, daß Du das unerwünschte Verhalten, daß der jeweilige Hund besonders oft gezeigt hast, als erstes im Training angehen solltest und zwar nach dem Schema: Ein Verhalten pro Hund, das Du bearbeitest, bis der Hund genau dieses Verhalten nicht mehr zeigt, erst danach nimmst Du das unerwünschte Verhalten, das er am zweithäufigsten gezeigt hat, dran und so weiter und so fort.

Mit dieser Vorgehensweise findest Du effektiv heraus, was dringend ist und was nicht und kannst der Reihe nach üben, was zu bewältigen ist, bis Du alle Baustellen erledigt hast, danach festigst Du via Trainingskärtchen nach dem Zufallsprinzip alles, was Du aufgebaut hast, weiter, damit der Hund auch nichts von dem, was er gelernt hat, wieder verlernt, wobei Du ebenfalls weiter protokollieren solltest, um Dir vor Augen führen zu können, was Ihr schon geschafft habt und was Ihr noch schaffen müßt.

Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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bonita



Beiträge: 46



22.04.2009 11:09
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Deinen Rat befolgend habe ich gestern zum erstenmal getan, wogegen ich mich bisher gesträubt hatte und bin mit jedem einzeln gegangen.

Anstelle meiner sonst üblichen 5m-Schleppen hab ich dabei eine 10m-Leine genommen, damit der Hund auch tatsächlich die Möglichkeit bekommt, sich uneingeschränkt zu entscheiden.

Was anders war:
- keiner zog an der Leine (war ja auch doppelt so lang)
- jeder einzelne schenkte mir mehr Blickkontakte, als wenn ich mit allen Dreien gleichzeitig unterwegs bin (oder ich nehme sie dann weniger wahr)
- ich hatte sehr viel mehr das Gefühl, des miteinander anstelle des nebeneinander

Der Große:
- Blickkontakte ja aber sehr viel weniger als die anderen beiden
- das Heranrufen klappt teils teils... auf dem asphaltierten Teil besser, je weiter wir ins Grün kommen, umso mehr Ablenkung durch Gerüche und desto weniger Aufmerksamkeit
- beim Heranrufen bleibt er ab und an einfach nur stehen, nach dem Motto "ich warte doch hier, das muss reichen"
- ähnliches gilt für Sitz und Platz... Sitz manchmal... Platz eher selten... (scheint ihm wohl zu aufwendig)
- je mehr Ablenkung durch Gerüche, desto uninteressanter werden sogar Käse oder Wurst...Fährten wird vorgezogen
- auf einer Wiese mit Wildwuchs bleibt dann die Nase am Boden und ich bin komplett abgeschrieben, unangeleint würde er da erstmal durchstöbern
- Hasen gesehen...kurzes Vorstehen...click...Lob...Annäherung (ich an ihn)...dann ist er eingesprungen und wollte hinterher..."hier"...click...kurzer Blick zu mir... Jackpot...Blick zum Hasen..."hier"...Blick zu mir... C+B...das Ganze noch zwei- dreimal und er fuhr runter und kam brav mit mir mit...
Sah für'n Anfang vielleicht nicht schlecht aus, dennoch bin ich seeehr skeptisch bei Wild jemals einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Die Kleine:
- ist ne kleine Hektikerin aber kann auch enorm konzentriert sein und seeeehr pfiffig
- sie wollte gleich lostoben..."Steh"...C+B
- sobald sie den Clicker sieht, lässt sie mich kaum noch aus den Augen...ist mir schon zu viel Blickkontakt...sie soll nicht an meinen Augen hängen, sondern auch Schnüffeln gehen etc.
- "Sitz"... sie macht Sitz und sofort Platz... o.k., dann nehm ich eben bei ihr gleich "Platz"
- "Bleib" (wegen des Autos)...sie steht nach 2 Sekunden viel zu früh auf, weil meinerseits nix weiter passiert war...also Trainingsbedarf
- im Grün auch etwas unaufmerksamer aber bleibt in meiner Nähe und schenkt auch (wenn auch weniger)weiterhin Blickkontakte

Der Kleine:
- sehr viel mehr Blickkontakte als wenn wir alle zusammen unterwegs sind, da orientiert er sich auch an den beiden anderen, gestern nur an mir... war eine sehr schöne, eher neue Erfahrung für mich.
- reagiert, ähnlich wie die Kleine, zügig aufs Heranrufen, bleibt im Sitz oder Platz (bietet auch immer beides an)bis ich freigebe
- Hundekontakt: habe schon weit vorher C+B angefangen...beim Näherkommen fing er an zu fiepen... "hier"...Blick zu mir...C+B...einige Wiederholungen...beim Zusammentreffen wollte er kurz vorpreschen...Fuß auf Leine..."hier"...bellen + fiepen... mich runtergebeugt...Bllick zu mir...C+B...und dann sprang er plötzlich ganz erfreut um mich herum, als Mensch würde ich es fast als Erleichterung deuten...kurzes gemeinsames Toben...alles war gut
(An der Stelle hatte ich etwas gepatzt, weil ich selbst unschlüssig war, wie die Situation aussehen sollte. Ich war mir uneins, ob ich beide Hunde sich begrüßen lassen sollte oder ob wir ohne Kontakt aneinander vorbei gehen sollten. Trainingsbedarf für mich = ich sollte künftig im Vorfeld wissen, wie wir eine Situation durchlaufen wollen. Genau während meines Entscheidungsdilemmas wollte mein Hund vorpreschen, als er hätte er meine kleine Unsicherheit sofort aufgenommen.)
- im Grün ebenfalls etwas unaufmerksamer aber durch Ansprache + C+B noch sehr viel besser kontrollierbar als der Große
- Fasan im Feld ging hoch...er schoß hinterher, bis Leine gespannt war..."hiiiier"...schmiss sich rum und kam zurück...C+Jackpot (ohne Leine hätte das natürlich gaaaaanz anders ausgesehen)

Dies hab ich jetzt auch mal für mich selbst runtergeschrieben, weil ich gestern nicht mehr dazu kam, leider.
Ich glaube, Elektras Tipps könnten mir auf die Sprünge helfen. Letztendlich brauche ich aber wohl noch einiges an Erfahrungswerten, um beurteilen zu können, ob es uns weiter bringt.
Vor allem brauche ich selbst mehr Praxis in der Organisation und im Handling.
Erst mal wieder einen bestimmten Weg und damit ein Ziel vor Augen zu haben trägt jedenfalls schon dazu bei, mit mehr Spaß und Motivation zu agieren.

Sonora


01.05.2009 11:56
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten
Zitat von Toni
Mich würde ja mal dein Training unheimlich interessieren. Kann man das irgendwo hier nachlesen??
Was passiert, wenn Kepri sich setzt bei Sichtung? Wie belohnt man da?
LG Nicole


Heute geht es nur sehr kurz, da Ginger gleich vor unserer Tür steht

Also, wir fingen an mit dem Beklickern jeder Sichtung, jedes Vorstehen, jedes Verharren wurde beklickert, so fing Kepri nach gut 1,5 Jahren an bei Sichtung sofort zu mir zu eilen, um sich den Futterbeutel werfen zu lassen oder eben mit etwas sehr schmackhaftem belohnen zu lassen. Das war der grösste Schritt, die Zeitspanne war sehr lang, da wir nicht jeden Tag Sichtungen hatten.

Im nächsten Schritt übten wir das Sitz aus der Bewegung und auch das sofortige Sitzen, sobald ich stehenblieb.

Ich erhöhte den Reiz bei der Sichtung, indem ich Kepri nicht mehr ansprach, ich blieb einfach stehen und lies sie schauen, sie korrigierte sich meist binnen 5 Sek und kam zu mir und setzte sich voller Erwartung vor mich (Vorsitzen), ich lobte schon den Ansatz zu mir zu kommen, bei mir folgte dann je nach Ausstattung ein Spiel mit dem Futterbeutel oder ich warf mehrere Leckerchen zum Suchen.

Heute erwarte ich nicht mehr, dass sie direkt zu mir kommt, bleibt sie ansprechbar (bei Rehen noch ein no go), gibt es ein Sitz mit ihrem Zweitnamen (der verspricht Spiel)
Toni

wo langjährig unschuldig sitzender Knasti entschädigt wird

Beiträge: 6.135



01.05.2009 12:17
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten

Super....danke Anja.
Hatte letztens nämlich, das Tobi einen Hasen aufspringen und weglaufen sah. Habe ihm "Sitzt" zugerufen und er hat sich tatsächlich gesetzt. Habe ihn dann mit Fleischwurst belohnt und dachte mir so: "Was für eine "armselige" Belohnung im Vergleich zum "Hasenjagen".
Futterbeutel werfen, das habe ich auch schon gemacht, als ich ihn vom "Mäusebuddeln" abhalten wollte. Tobi trabte aber am Futterbeutel vorbei, obwohl er ihn, wenn ich den verstecke und er darf ihn suchen, toll findet.
Tobi ist ein fanatischer Mäusebuddler........und ich muß gestehen, mich nervt es oft. Er ist auf Felder fast nicht mehr "unter uns". Habe jetzt angefangen, ein Kommando aufs Buddeln draufzusetzten und gebe ihm das manchmal, wenn er ansetzt. Er schaut mich dann immer nochmal kurz an und fängt wie wild an zu Buddeln. Seitdem ich ihm das auch mal zugestehe, kann ich es auch besser unterbinden mit eine "Ähä". Denke mir halt, das er dann nicht ganz so frustriert ist, denn beim nächsten Mal darf er ja vielleicht wieder.
Oder ist das eher variabel bestätigt........hmmmm.
LG Nicole

**************
Liebe Grüße
Nicole mit "Stinkstiefel" Tobi, und Balou, mein Bärchen, für immer im Herzen

"Ihr Hund mag Ihnen gegenüber vielleicht ungehorsam sein, aber den Gesetzmäßigkeiten des Lernens gehorcht er stets ausnahmslos perfekt."

Jean Donaldson

Elektra

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)

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01.05.2009 14:32
RE: Jagdtrieb Zitat ·antworten
Zitat von bonita
Deinen Rat befolgend habe ich gestern zum erstenmal getan, wogegen ich mich bisher gesträubt hatte und bin mit jedem einzeln gegangen. Anstelle meiner sonst üblichen 5m-Schleppen hab ich dabei eine 10m-Leine genommen, damit der Hund auch tatsächlich die Möglichkeit bekommt, sich uneingeschränkt zu entscheiden.


Sehr spannend und typisch für unsere Hunde: Sie zeigen uns, was sie brauchen. Ich denke, Deine Vierbeiner haben Dir genau mit diesem "Versuch" gesagt: Das ist der richtige Ansatz. Wenn Du so willst, wäre das das Ende Deines roten Fadens, von dem aus Du das Knäuel ordnen und sauber aufwickeln kannst.

In Antwort auf:
Was anders war:
- keiner zog an der Leine (war ja auch doppelt so lang)
- jeder einzelne schenkte mir mehr Blickkontakte, als wenn ich mit allen Dreien gleichzeitig unterwegs bin (oder ich nehme sie dann weniger wahr)
- ich hatte sehr viel mehr das Gefühl, des miteinander anstelle des nebeneinander


Hier dokumentierst Du selbst sehr schön, worum es in einem Training gehen muß: Volle Konzentration des Bezugsmenschen auf das, was er erreichen will bzw. muß, für jeden Hund das Gefühl: "Jetzt gehört Frauchen mir, und wir haben zusammen Spaß." Denn darum geht es mit jedem Training: Wir erreichen Ziele gemeinsam und freuen uns über jeden erfolgreichen Schritt in die richtige Richtung. Das kannst Du leider einfach nicht schaffen, wenn Du auf drei Hunde gleichzeitig achten mußt, dann arten Spaziergänge wahrscheinlich eher dahingehend aus, daß Du nur noch mit "aufpassen" beschäftigt bist, zumeist ein Schuß, der eh nach hinten losgeht, denn damit hast Du recht: Du kannst nicht immer alles kontrollieren und schon gar nicht vorhersehen.

Was aber möglich ist, ist den Ort des Trainings in etwa auf die folgenden Kriterien abzuklopfen:
1) Ist er normalerweise reizarm oder mit sehr vielen Reizen gepflastert? Ich kenne hier Wege, die sehr stark von Joggern frequentiert sind, aber wenig von Hundehaltern. Es gibt Reitwege, auf denen sich außer den Reitern gewöhnlich kaum jemand aufhält, und die Reiter sind meist auch nur sonntags da. Auf anderen Strecken weiß ich einfach, daß ich zahlreiche Hunde treffen werde, auf manchen sogar, welche Hunde das sein werden.
2) Gibt es viel Wild? Zu erwarten im Moment eigentlich in jedem Wald, von daher: Wald derzeit für Dich eher zu meiden, dafür aber Wirtschaftswege durch Felder nehmen, die einen möglichst weiten Blick freigeben, so daß Du entgegenkommende Reize jeder Art sehr früh sehen und mit ihnen umgehen kannst.
3) Gibt es viele Dinge, die die Hunde sonst interessieren/aufregen könnten? Hier zu nennen z.B. Kühe auf Weiden, die Kuhfladen hinlegen könnten, die Deine Hunde ähnlich gerne haben könnten wie Pogi. :-)

Ich gehe mal davon aus, daß Du mehrere Routen hast, die Du häufiger gehst. Schreib Dir doch einfach mal auf, wie sie beschaffen sind, lege an jede den Maßstab dieser drei Fragen an und poste eventuell hier, was Du herausgefunden hast, dann können wir Dir vielleicht sagen, wo es sinnvoll ist, anzufangen bzw. wirst Du es, wenn Du einfach so strukturiert an die Sache herangehst, selbst auf einen Blick sehen, ob Du eine neue Route erschließen mußt, weil die alten alle zu reizvoll sind oder ob Du einen der alten Wege nutzen kannst, weil er sehr wenig Ablenkung bietet.

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Der Große:
- Blickkontakte ja aber sehr viel weniger als die anderen beiden


Ansatz 1: Blickkontakttraining mit dem Großen, beginnend ganz schlicht auf der Straße vor Eurer Wohnung oder irgendwo, wo er sich gut auskennt, Du Dich ruhig und sicher fühlst und die Ablenkung zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr niedrig sein wird. Also auf asphaltierten Teilen zum Beispiel.
Blickkontakttraining meint in ersten Angang: Du stehst, Hund steht, Hund ist an Leine. Hund guckt Dich an (NICHT die Leckerchentasche, und Du solltest auch keine Leckereien in der Hand haben, sondern in einem Beutel, in den Du erst NACH dem Click greifst), ohne ein Signal zu bekommen, also komplett freiwillig: Click -> Leckerchen -> Weitergehen.
Wichtig: Geduldig sein. Nicht forcieren, sondern wortlos abwarten, bis der Hund von selbst schaut.
Nach einigen Metern: Stehenbleiben, Vorgang wiederholen. Pro Gang einer halben Stunde mindestens 20x, steigere die Ablenkung erst, wenn er auf diesem einen Weg bei jedem Stop von selbst Blickkontakt aufnimmt.
Dann: Das gleiche "Spiel", aber etwas näher an Hecken und Büschen, aber noch nicht richtig im Grün.
Danach, wenn es wie oben beschrieben klappt: Weiterer Ortswechsel, der leicht erschwerte Ablenkung bietet und so weiter und so fort ...

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das Heranrufen klappt teils teils... auf dem asphaltierten Teil besser, je weiter wir ins Grün kommen, umso mehr Ablenkung durch Gerüche und desto weniger Aufmerksamkeit
- beim Heranrufen bleibt er ab und an einfach nur stehen, nach dem Motto "ich warte doch hier, das muss reichen"
- ähnliches gilt für Sitz und Platz... Sitz manchmal... Platz eher selten... (scheint ihm wohl zu aufwendig)
- je mehr Ablenkung durch Gerüche, desto uninteressanter werden sogar Käse oder Wurst...Fährten wird vorgezogen
- auf einer Wiese mit Wildwuchs bleibt dann die Nase am Boden und ich bin komplett abgeschrieben, unangeleint würde er da erstmal durchstöbern
- Hasen gesehen...kurzes Vorstehen...click...Lob...Annäherung (ich an ihn)...dann ist er eingesprungen und wollte hinterher..."hier"...click...kurzer Blick zu mir... Jackpot...Blick zum Hasen..."hier"...Blick zu mir... C+B...das Ganze noch zwei- dreimal und er fuhr runter und kam brav mit mir mit...


Ansätze: Baue ein Umorientierungssignal auf. Der Hund muß dafür NICHT zurückkommen, schaut Dich aber auf ein Signal an. Resultieren würde das aus Schritt 1, sobald der Hund Dich immer freiwillig anschaut, wenn Du stehenbleibst, sagst Du in dem Moment, in dem Du das tust, "schau" (oder "warte" oder was Dir sonst gefällt, auf das Wort kommt es nicht an).
Der Hund lernt, das Wort mit der Handlung zu verbinden, was Du dann in von Dir beschriebener Situation nutzen kannst. Das Zurückrufen ist gerade für jagdtriebige Hunde nicht leicht, oft können sie deutlich besser auf ein "warte" reagieren und quasi gewollt "vorstehen". Kommt der Click und ist der mit einem tollen Leckerchen verbunden, hat der Vierbeiner schnell raus, daß es sich lohnt, Wild anzuschauen, aber nicht hinterherzurennen.

Klappt das Ganze an kurzer Leine, kannst Du danach die Distanz aufbauen, angefangen bei der 5-m-Schleppe, dann an der 10-m-Schleppe, dann mit wenig Ablenkung offline, dann mit mehr Ablenkung offline usw..

Übrigens, ein Tip dazu: Wenn Dein Hund in einer Kaninchenhecke steckt und schnüffelt, dann auf Dein Signal herauskommt, sollte er einen Click UND die Erlaubnis zum Weiterschnüffeln bekommen. So lernt er: Frauchen setzt zu dem, was ich toll finde, noch was Tolles dazu UND ich darf das tun, was ich wollte, mit ihrer Erlaubnis. Doppelter Lerneffekt, da doppelt kommuniziert: Wenn ich Frauchen folge, passieren nur tolle Sachen.

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Sah für\'n Anfang vielleicht nicht schlecht aus, dennoch bin ich seeehr skeptisch bei Wild jemals einen Fuß in die Tür zu bekommen.


Sorry, aber bitte sei geduldig. Du hast EINMAL geübt, was erwartest Du? Du brauchst nach wie vor die obligatorischen 5000 erfolgreichen Wiederholungen. Schaffst Du sie, hast Du mehr als nur einen Fuß in der Tür, das schwöre ich Dir.

Frage mal Karin/Woodyfan: Wir sind Mittwochabend mit Ben offline in der Dunkelheit durch extrem stark bewildertes Gebiet, inklusive Wald (mit Taschenlampe für uns, Ben hätte die nicht gebraucht), gegangen. Er hat nicht eine Sekunde versucht, eine Spur zu verfolgen.
Frage Anja/Sonora: Herr Ben mag ein Sturkopf sein, aber durch den Bergheimer Tagebau kommt er an allen Stellen vorbei, an denen Kepri "hochsteigt" und Wild damit anzeigt und an denen Seppi hektisch schnüffelnd selbiges tut.
Bei Ben - Kosten: Fast drei Jahre intensives Training. Nutzen: Mein Hund geht NICHT jagen.
Frage weiter Anja/Sonora: Seppi ging einige Male neben der Spur, war kurz im Unterholz, kurz auf den Wiesen/Feldern. Ein "Tschüß, Seppi", das Umdrehen und Weggehen, ohne mich umzuschauen, brachte ihn innerhalb von Sekunden IMMER zu mir zurück.
Frage weiter Karin/Woodyfan: Wir gingen nachmittags/am frühen Abend spazieren, gleiches extrem stark bewildertes Gebiet, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, "beste" Jagdzeit, weil das Wild auf die Felder kommt. Seppi war einige Male kurz verschwunden, max. 10-20 Sekunden und IMMER in Sicht. Er mäuselsprang fröhlich durch eine Wiese, ich mußte extrem "dranbleiben" und ihn "lotsen", aber er kam, nachdem das Tollen beendet war, ohne einer Fährte gefolgt zu sein.
Kosten: Mittlerweile zwei Monate intensives Training. Nutzen: Mein Hund geht Fährten folgen, ist aber zu mir umzuorientieren, OHNE weiteres Signal als eines, das mein Weggehen verkündet.

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- "Bleib" (wegen des Autos)...sie steht nach 2 Sekunden viel zu früh auf, weil meinerseits nix weiter passiert war...also Trainingsbedarf


Ansatz: Du erwartest zu früh zuviel. "Bleib" trainiere mit "Platz" und Click nach einer Sekunde. Wenn das überall zuverlässig klappt, trainiere "Platz" und Click nach zwei Sekunden, danach läßt Du drei Sekunden verstreichen bis Du clickest und so weiter. Wenn Du eine gute Liegedauer erreicht hast, steigere die Ablenkung.
Wenn Du Rückschritte merkst, beispielsweise, daß sie nach fünf Sekunden immer ohne Click aufsteht, gehe einen Schritt zurück und festige von da aus neu.
Wenn Du merkst, daß eine bestimmte Ablenkung zu Unzuverlässigkeit führt, gehe auch hier einen Schritt zurück, trainiere nochmal unter weniger Reizeinflüssen.

Wichtig: Wenn Du mit Clicker arbeitest, löst der Click immer das Signal auf. Du solltest das Leckerchen NICHT in Richtung Hund geben, sondern den Hund aufstehen und sich das an Deiner Hand hängende Futter holen lassen.
Sinn liegt vor allem darin, daß Du ja in Wiederholungen arbeitest. Steht der Hund aus einem "Platz" mit dem Click und Leckerchen wieder auf, hast Du schon die Position für die nächste Übung erreicht, fütterst Du ihn im Liegen, mußt Du ein Signal zwischensetzen, daß das Aufstehen erst erlaubt, was kontraproduktiv wäre und auch zu Belohnungswirrwarr führen kann, weil es passieren könnte, daß Du lediglich das Aufstehen belohnst und nicht wie gewünscht das Liegenbleiben.

In Antwort auf:
- im Grün auch etwas unaufmerksamer aber bleibt in meiner Nähe und schenkt auch (wenn auch weniger)weiterhin Blickkontakte


Gehe zurück zu weniger Ablenkung, festige nochmal nach, gehe erst dann wieder ins Grün.

In Antwort auf:
(An der Stelle hatte ich etwas gepatzt, weil ich selbst unschlüssig war, wie die Situation aussehen sollte. Ich war mir uneins, ob ich beide Hunde sich begrüßen lassen sollte oder ob wir ohne Kontakt aneinander vorbei gehen sollten. Trainingsbedarf für mich = ich sollte künftig im Vorfeld wissen, wie wir eine Situation durchlaufen wollen. Genau während meines Entscheidungsdilemmas wollte mein Hund vorpreschen, als er hätte er meine kleine Unsicherheit sofort aufgenommen.)


Guter Ansatz. Mach "Trockentraining", schreib Dir notfalls auf, wie Du vorgehen solltest und übe weiter so, wie es für Dich und den Hund funktioniert.

In Antwort auf:
- im Grün ebenfalls etwas unaufmerksamer aber durch Ansprache + C+B noch sehr viel besser kontrollierbar als der Große
- Fasan im Feld ging hoch...er schoß hinterher, bis Leine gespannt war..."hiiiier"...schmiss sich rum und kam zurück...C+Jackpot (ohne Leine hätte das natürlich gaaaaanz anders ausgesehen)


Schöner Erfolg, trotzdem zurückgehen zu weniger Ablenkung und weiter festigen.

In Antwort auf:
Ich glaube, Elektras Tipps könnten mir auf die Sprünge helfen. Letztendlich brauche ich aber wohl noch einiges an Erfahrungswerten, um beurteilen zu können, ob es uns weiter bringt.
Vor allem brauche ich selbst mehr Praxis in der Organisation und im Handling.
Erst mal wieder einen bestimmten Weg und damit ein Ziel vor Augen zu haben trägt jedenfalls schon dazu bei, mit mehr Spaß und Motivation zu agieren.


Ich denke, Dein Weg sollte der einer klaren Struktur sein. Schreib Dir täglich Tabellen, für alle drei Hunde.
1) Datum, Uhrzeit
2) Ort und seine Ablenkung
3) Besonderheiten (z.B. Hund getroffen, wo nicht erwartet oder selbst schlecht drauf gewesen und genervt reagiert oder Regen/Hitze/Wind und andere Wettereinflüsse usw.)
4) Art der Übung (freiwilliger Blickkontakt, Umorientierungssignal, Komm-Training, "Platz"-Übungen), wobei Du mehr als dieser vier Dinge nicht gleichzeitig üben solltest, eigentlich wäre es am sinnvollsten, das "Platz" auf später zu verschieben und nur die drei Sachen, die ineinandergreifen straight anzugehen)
4) Anzahl der Wiederholungen, davon erfolgreich, davon nicht erfolgreich

Tip: Nie zu lange trainieren, lieber fünf Minuten als zehn, aber mit jedem Hund einzeln. Mach das zweimal am Tag, und Du wirst sehr schnell, sehr große Fortschritte erleben und, das finde ich zentral, auch für Dich selbst Motivation aus Erfolgserlebnissen finden können.

Viele Grüße
Barbara mit Lausbub Seppl, 'dame de coeur' Lupa und Kuschelbub Parcifal sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenhund Ben und Spitzbub Ilias

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"Die Flüchtlinge sind keine Zahlen, sie sind Personen: Sie sind Gesichter, Namen, Geschichten – und als solche müssen sie behandelt werden."
(Papst Franziskus)

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