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Dieses Thema hat 26 Antworten
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Das Neueste auf einen Blick



 Behaviour (öffentlich)
Seiten 1 | 2
Sanne Offline

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern


Beiträge: 1.245

04.03.2009 17:05
Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Liebe Alle,

nachdem ich nach nur kurzer Zeit sehe, was das konzentrierte Durchsetzen von Regeln und Körpersprache bewirkt, würde ich gerne einmal Eure Erfahrungen dazu sammeln. Was wir etwa vor etwa vier, fünf Wochen unter anderem eingeführt haben:
- Ich gehe im Freilauf vor. Dabei gebe ich kein Kommando oder ähnliches, setzt ein Hund an, mich zu überholen, laufe ich kommentarlos schneller und setze mich an die Spitze. Auf ein Signal „ok, lauf“, dürfen sie aber auch vorlaufen. Natürlich wird das hinter mir bleiben auch immer wieder belohnt, es muss ja auch Spaß machen. Ergebnis: Beide folgen mir meist brav, ich würde sagen in 80 % der Fälle laufen sie hinter mir, in 20 % der Fälle versuchen sie mich zu überholen.
- Obwohl die Hunde nichts sehen, merken sie, wenn ein Hund vor unserem Wohnzimmer-Fenster läuft und bellen dann. Ich habe mich nun immer davor gestellt und sie aus der Position (sitzen vorm Fenster) kommentarlos und ruhig weggedrängt. Ergebnis: Es wird nur noch extrem selten gebellt, was auch den Nachbarn schon positiv aufgefallen ist sowie den Kollegen aus dem Büro (dort mache ich es genauso)
- Im Garten dürfen sie erst nach Freigabe loszischen. Beim Bellen im Garten gehe ich genauso vor, wie im Haus, auch wenn das manchmal bedeutet, dass ich wie eine Irre an den Gartenzaun loszischen muss. Ergebnis: Deutliches Sinken der Bellquote im Garten. Gestern hat sogar ein Nachbarhund gebellt und die beiden sind still geblieben. Das wurde natürlich auch sehr belohnt.
- Rückruf: Muss funktionieren, das habe ich für mich festgelegt. Ich möchte meine Hunde irgendwann einmal aus wirklich jeder Situation abrufen können. Wenn Mini oder Elmo nicht hört, laufe ich sehr schnell und frontal auf sie zu und schimpfe („jetzt aber ab da“). Sofort danach wiederhole ich komm und belohne das kommen – dann kommen sie übrigens immer – ganz stark. Ergebnis: Im Urlaub konnten wir die Hunde abrufen, als sie gerade auf einen anderen Hund zuschießen konnten. Deutlich bessere Abrufbarkeit in allen Situationen.
- Hundebegegnung: Ich sehe keinen Hund. Ich laufe ganz normal weiter, so wie ich es sonst auch tun würde. Schauen sie dann zu mir, wird das belohnt, ebenfalls das ruhige Vorbeigehen. Spannt Mini zu stark an, schnalze ich sie ab, bei Zuwendung gibt es Klick und Leckerchen. Auch Direktkontakt wird so schön gefüttert. Elmo zeigt immer ob er Direktkontakt möchte oder nicht, wenn ich den anderen Hund ok finde, darf er. Ansonsten kann er an jedem Hund selbst bei niedriger Distanz (30 – 40cm) mittlerweile kommentarlos vorbeigehen. Er ist dabei aber natürlich sehr aufgeregt.
- Unterbinden von Mobbing: Mini rannte ganz gerne mal Elmo im Garten um. Das unterbinde ich via Abbruchsignal oder ich gehe dazwischen. Wenn es nichts hilft, kommt Mini nach oben. Gestern hat mich dann Schle darauf aufmerksam machen müssen, dass auch Elmo mobbt. Er stürzt sich nämlich mit Vorliebe auf Mini, wenn sie durch andere Hunde abgelenkt ist. Das wird nun ebenso unterbunden.
- Bett: Beide dürfen im bett schlafen und das ausgiebig Kuscheln wird sehr genossen. Sollten sie sich von alleine ins Bett bewegen, müssen sie aufstehen, wenn ich mich hinlegen will. Habe ich es mir gemütlich gemacht, dürfen beide nach Erlaubnis hoch. Genauso wird es mit dem Aufenthalt der Couch gemacht, wobei dort beide eher nicht mehr hochdürfen. Ich möchte einfach nach der Arbeit auch ein paar Minuten für mich alleine haben. Ich gehe dann eher runter zum Spielen. Zuvor haben sie schon gelernt, wenn keine Treppe davorstehe, dürfen sie nicht nach oben.
- Ich kontrolliere strategische Punkte. Ich laufe vor bei Ecken, Kreuzungen, Türen, etc.
- Ich begrüße Besucher zuerst.
Dies sind so ein paar Beispiele. Ganz wichtig ist mir dabei noch zu betonen, dass positives vVrhalten immer belohnt wird. Auch den Klicker setzen wir hier ein, da mir erst heute wieder aufgefallen ist, dass sie dann motivierter arbeiten. Ich klickere nur zur Belohnung, ich klickere z.B. nicht, wenn ein fremder Hund uns entgegenkommt (siehe oben). Ich strafe nicht, setze mich aber mit meinem Körper durch. Sollte ein Hund sich etwa vordrängeln, gehe ich mit dem Körper dazwischen und blockiere ihn. Erstaunlicherweise muss man den Hund dabei noch nicht einmal berühren.

Die Hunde sind seitdem deutlich ruhiger, friedlicher und entspannter. Sie spielen auch wieder viel mehr miteinander und zwar nicht nur „wer poppt wen“ wie es vor Elmos Kastra war. Ich kann mich in den letzten vier Wochen nur an zwei Bellsituationen bei Mini und drei bei Elmo erinnern. Eine davon war heute und da hat ein Hund aus einem Geschäft heraus gebellt, worauf die neben uns stehenden Hunde (Ein Westie und ein Jackie) lautstark antworteten (ich hatte mich mit der Besitzerin unterhalten) und Elmo machte dann mit.

Fazit ist für mich, dass ich diesen Weg weiter verfolgen werde. Bei Elmo gibt es noch ein paar Baustellen (besucher, fremde Menschen, die ihn angucken und ansprechen), weil er noch ein wenig unsicher jetzt nach der Kastra ist und er zwei Wochen op-bedingt nicht richtig „mitmachen“ konnte.

Letztendlich sind diese ganzen Maßnahmen ja Führungsmaßnahmen. Hier frage ich mich nun die ganze Zeit, ob die Hunde uns vielleicht doch als Rudelgemeinschaft begreifen, wenn so etwas so große Auswirkungen hat, zumal sie ja auch mit uns hundlich kommunizieren (Stichwort Beschwichtigung, auch wenn es nach Bloch nur wenige echte Beschwichtigungssignale gibt). Ein Streitthema, ich weiß, und ich habe selbst meine Position noch nicht dazu gefunden, aber Ihr vielleicht? Und wie setzt Ihr Regeln bzw. wie setzt Ihr diese durch? Nur durch das Belohnen von positivem Verhalten oder auch etwa durch besagte Body Blocks? Ich bin schon sehr gespannt.

Liebe Grüße

Sanne




Sennsitive Offline




Beiträge: 161

04.03.2009 20:34
#2 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Liebe Sanne,

wow, was du alles geschafft hast.

Über das gesamte Thema denke ich auch seit ein paar Wochen intensiver nach. Kann/soll man Hund nur und ausschließlich über Belohnung erziehen, oder kann/muss auch mal ein Verbot ausgesprochen werden? Ich arbeite bisher ähnlich wie du: loben was das Zeug hält bei allem, was sie toll machen, und Korrekturen soweit möglich durch meine Körperhaltung, ohne dabei den Hund zu berühren. (Wenn Alfons zum Vögel jagen ansetzt, muss natürlich auch mal die Stimme ran ).

Ich weiß nicht, ob die Hunde uns als Rudel oder als Familie oder als Team sehen ... vielleicht sind es alles auch nur verschiedene Begriffe für das Gleiche? Aber bei meinen beiden habe ich das Gefühl, dass es so ist. Wir leben als Team mit zwei menschlichen und zwei hundlichen Partnern zusammen. Die beiden haben untereinander Regeln, mein Mann und ich haben welche, und wir vier zusammen haben auch welche. Die sind für alle Beteiligten klar verständlich und werden eingehalten.

Gerade eben habe ich mich mit meinem Mann noch darüber unterhalten, dass unsere Hunde sogar Regeln einhalten, die wir ihnen niemals beigebracht haben. Also ich habe anfangs, als sie noch klein waren, regelrecht darauf gewartet, dass sie mal etwas klauen - Schuhe, Salzstangen, sonstiges Essen, Zeitschriften, Bücher, was auch immer - damit ich ihnen beibringen kann, dass sie das nicht tun sollen. Nur: Bis heute haben sie es noch nie gemacht. Ungelogen: Seit einer Woche liegt eine Salzstange auf der Couchlehne - ist mir mal runtergefallen und ich vergesse immer, sie wegzuschmeißen. Und obwohl meine Hunde Salzstangen über alles lieben und den ganzen lieben langen Tag auf der Couch rumliegen dürfen, liegt sie da immer noch. Direkt vor ihrer Nase. Aber sie gehen nicht ran. Und ich habe es ihnen nicht beigebracht. Genauso mit dem Müll: Wenn ich die Mülltüte an die Haustür stelle, wird aus der Entfernung mal die Nase in die Richtung gehalten, aber ansonsten passiert nix. Wenn unsere Putzfrau die Mülltüte an die Tür stellt, stehen beide Hunde daneben und würden sie auch ausräumen, wenn man nicht aufpasst. Lola klaut unseren Gästen auch regelmäßig Socken aus dem Zimmer - unsere nimmt sie nur, wenn ich sie bitte, sie mir in die Waschküche zu tragen. Ich kann sie auch mit den tollsten Einkäufen - Steaks, Käse, Hundefutter - im Auto lassen, und sie gehen nicht ran. Auch das habe ich ihnen nie beigebracht. Also für meinen Fall würde ich sagen: Ja, sie begreifen uns als Gemeinschaft und akzeptieren, dass es es "unser" und "ihr" gibt.

Deine letzte Frage zum Thema "wie setzt Ihr Regeln durch" geht mir auch seit einiger Zeit durch den Kopf. Ich lese immer öfter, dass Leute sagen, sie würden ihre Hunde nur und ausschließlich durch Belohnung erziehen. Und ich habe ehrlich gesagt noch Probleme, mir das in der Praxis vorzustellen. Meine Hunde werden NIEMALS körperlich bestraft oder angebrüllt. Aber ihnen durch Körpersprache oder auch Kommandos wie Nein, Nah oder Falsch aufzuzeigen, wo sie sich meiner Meinung nach nicht korrekt verhalten, finde ich - bis ich eines besseren belehrt werde - richtig. Dazu gibt es bei mir zwei Stimmfarben - die Feldbusch für tolles Verhalten und die Knef für "das lass mal lieber". Wobei ich auch immer wieder feststelle, dass richtig gute Körpersprache und extreme Nähe zum Hund sich gar nicht gut vereinbaren lassen, also die Signale des Körpers vom Hund viel besser wahrgenommen werden, wenn ein wenig Abstand herrscht und sie genau sehen können, was ich tue. (Was den Vorteil hat, dass man den Hund wirklich nicht berühren muss bei Bodyblocks o.ä.) Da reicht dann ein leichtes Aufrichten des Rückens, ein angedeutetes Vorbeugen des Oberkörpers, ein kleiner Schritt auf den Hund zu oder auch - im positiven Fall - ein Arme ausbreiten oder in die Hocke gehen für "Hierhin", ein beide Füße bewusst nebeneinander setzen für "Sitz", ein Losgehen mit dem linken Fuß für "weiter geht's", und ein Arme nach vorne schwenken für "nun lauf".


Oh je, das ist ja ganz schön lang geworden Aber so ist das mit interessanten Themen ... Hoffe, dich nicht gelangweilt zu haben und bin gespannt, wie die anderen Meinungen hier so sind.

*mitdenarmenwedelnd* Ivonne

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Willst du Meinungen über Tiere, frag die Menschen. Willst du Fakten, frag das Tier.
- J. Allen Boone

f-sharp-minor Offline




Beiträge: 799

04.03.2009 21:25
#3 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Boah ey, Sanne,

Chapeau! Da stehe ich grad ganz beschämt da und sehe nur noch Baustellen bei uns . Nein, ganz klasse! Glückwunsch! Ich freue mich schon darauf, dich und deine Fußhupen endlich mal zu treffen!

(die Liste hab ich mir mal ausgedruckt und unter's Kopfkissen gepinnt! )

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LG Mareike

Die kalte Schnauze eines Hundes ist erfreulich warm gegen die Kaltschnäuzigkeit mancher Mitmenschen. (Ernst R. Hauschka)

Margit Offline

mit offiziell gekürtem Forums-Loverboy und Master im Schnurcheln himself


Beiträge: 4.030

04.03.2009 21:50
#4 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten
Das ist ein sehr spannendes Thema. Danke für eure Berichte und Einblicke .

Ich habe dazu so meine eigene Meinung, und meine Trainingsmethoden habe ich in unserem Diary beschreiben. Ich versuche das mal hier zusammenzufassen.

Archy lebt im Moment im Freien fast ausschliesslich mit Führung. Ihm bleibt fast nichts selbst überlassen. Jedes Schnüffeln, Pieseln, sonstwas ist von mir erlaubt oder eben nicht und das Ganze sehr bewusst. Je konsequenter ich hier bin, desto einfacher geht alles. Deshalb auch die Fortschritte in der letzen Zeit.

Seine Spiele sind ausschliesslich Arbeitsspiele. Er muss mitmachen oder die Sache wird halt beendet und es geht ins Haus. Leckerlie "einsammeln" wird zum Füttern benutzt. Er hat seit Monaten keinen Futtertrog mehr, da alles erarbeitet wird von ihm und sei es durch einen Kong oder ein Päcklie. Er würde nie einfach eine gefüllte Schachtel nehmen, wenn ich es ihm nicht ausdrücklich erlaube. Meistens muss ich sogar 2 x nimms sagen, damit er es mir glaubt. Er geht dann immer noch mit Seitenblick auf mich zur Schachtel hin.

Ansonsten brauchen wir im Haus nicht viele Regeln, einfach weil es so super läuft. Er muss einfach vorm Spazieren auf seine Decke (jaja, das ist eine ewiges Spielchen von ihm, aufzustehen und so schauen, ob ich es gemerkt habe...). Und auch sonst, sagen wir mal, zu 90 % für Dinge, die er will, was tun: unser allseits geschätztes Schle'sches NILIG.

Ich benutze bei Archy sehr stark mein Stimme zur Führung. Wir haben auch mehrere Abbruchwörter, je nach Situation. Diese Wörter gebrauche ich notfalls auch in einem scharfen Tonfall. Meistens ist es ein "Fertig" oder "Nein". Auf der anderen Seite steht natürlich auch die starke stimmliche Motivation, wenn was gut läuft. Ich gebe aber auch zu, dass ich ihn schon "zur Schnecke" gemacht hab und auf einmal war der 50 m entfernte Hund gar nicht mehr schlimm. Vielleicht ist ein "zur Schnecke machen" für mich was ganz anderes wie für ihn, für ihn wars eventuell nur endlich mal eine klare Ansage, bei der alles gestimmt hat: Stimme, Körperhaltung, Ausstrahlung.

In kritischen Situationen setze ich notfalls sehr wohl meinen Körper ein. Wenn er in Begriff ist, sich hochzuspulen, laufe ich dann zum Beispiel links rum, d. h. wenn er im Fuess ist, auch in ihn rein. Meistens versucht er ja vor mich zu kommen, um andere Hunde anzugehen. Das ist dann ein Mittel, dass ich vertreten kann. Archy ist ja auch nicht gerade zierlich. Auch hier wird er mit dem Abbruchwort und Signal kontrolliert.

Er muss in für ihn schwierigen Situationen, z. B. nach dem Aussteigen aus dem Auto erst mal ins Platz und darf erst nach Blickkontakt mit mir wieder in Sitz und Fuess. Die Stadttrainings sind nur an der sehr kurzen Leine mit sehr viel Aufforderung zum Blickkontakt und gefühlten 8000 Leckerlies. Da gibt es kein Stehenbleiben und Schnüffeln oder Markieren.

Ich reglementiere und kontrolliere im Moment seine Welt, da gibt es wenig links und rechts.

Jetzt ist das nicht unbedingt mein Hobby so vorzugehen. Im Endeffekt führen uns all diese Punkte aber dahin, dass Archy in absehbarer Zeit an mich abgeben kann und auch in kritischen Situationen abrufbar ist. Dann kommt auch Stück für Stück die Freiheit. Aber nur so wie er es aushalten kann. Immer für alles zuständig zu sein und es allein regeln zu müssen, ist für einen Hund wie Archy fatal.

Auf jeden Fall lässt es sich nicht so einfach zusammenfassen. Ist das jetzt auch negative Bestärkung mit der ich da arbeite oder ist es schlicht dem Hund Führung angeboten, die er doch so dringend braucht. Wenn es irgend geht und es so toll weiterläuft wie die letzten Wochen, hoffe ich, dass ich ihm in absehbarer Zeit viel von seinem Stress nehmen kann und so ja auch sein Leben lebenswerter mache. Ich bezweifle nämlich echt, dass er das lustig findet, andere Hunde so anzugehen...

LG
Margit mit Archy
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Es gibt keine andere Wahl, als vorwärts zu gehen.
(Fridtjof Nansen)

Sennsitive Offline




Beiträge: 161

04.03.2009 22:21
#5 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Liebe Margit,

da ich dein Trainingstagebuch schon verschlungen habe, kann ich jetzt endlich mal meine Bewunderung für dich - und natürlich auch alle anderen, die hier so hart für und mit ihren Hunden arbeiten - loswerden.

Ich habe wirklich das Gefühl, dass hier bei euch allen der einzelne, einzigartige Hund im Vordergrund steht und alle Erziehungsmaßnahmen individuell auf ihn angepasst werden, und das finde ich einfach großartig.


Noch viele tolle Erfolge und nach und nach mehr Freiheiten wünsche ich euch! Ivonne

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Willst du Meinungen über Tiere, frag die Menschen. Willst du Fakten, frag das Tier.
- J. Allen Boone

Sanne Offline

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern


Beiträge: 1.245

04.03.2009 22:25
#6 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Danke für Eure Antworten und Einsichten.

Margit, Ivonne, ich sehe das alles auch nicht als negative Bestärkung, im Gegenteil. Gerade das Blockieren ist ja eine extrem hundliche Art dem caniden Liebling zu vermitteln: Ich kontrolliere. Auch genauso Abbruchworte oder mal ein klares Nein, empfinde ich nicht als schlimm und kann mir einfach nicht vorstellen, dass es für die Hunde schrecklich ist. Wir machen nicht solche Quantensprünge wie Du, Margit, aber ich sehe einfach ganz starke Verbesserungen, je mehr ich kontrolliere und übernehme.

Wobei, das kann ich zu Deiner Beruhigung sagen, Mareike, wir haben immer noch total viele Baustellen. Elmo bellt etwa immer noch Menschen an, wenn sie ihn nicht ignorieren, Mini kann oft keinen Direktkontakt aushalten, im Freilauf zu zweit und mit mir alleine, würden sie wahrscheinlich auch nicht so gut hören und zu zweit bellen sie Hunde, die nicht auf der anderen Straßenseite oder in 2m Entfernung sind an, zudem muss bei Mini auch noch eine gewisse Distanz zum anderen Hund da sein (mind. 1m bei angeleinten Hunden). Wobei mich auch etwas das Gefühl beschleicht, dass ich diejenige bin, die die Distanz braucht, bei Mini bin ich wegen dem früheren Kneifen in die Hinterläufe nämlich änsgtlicher als bei Elmo.

Aber um zurück zu kommen: Ich merke, die stärkere Reglementierung und Kontrolle gibt mir und den Hunden Sicherheit. Ich bin zB sicherer, wenn ich weiß, dass die Hunde mit einer kurzen Schleppleine,die über den Boden schleift, ich halte sie nicht in der Hand, hinter mir laufen und ich bei eventuell entgegenkommenden Hunden sie schnell unter Kontrolle habe. Sie bieten von alleine, wie bei Dir Ivonne, auch ganz neue Verhaltensweisen an. Sie stellen sich etwa hinter mich, wenn ich die Gartentür abschließe und warten, bis ich die Treppe hochgehe, um mir dann zu folgen. Sehr angenehm ist das.

Ich habe seit langem wieder echten Spaß an meinen Hunden und sie heitern mich auf, wenn ich mal schlecht drauf bin. Wie lange hatte ich das nicht mehr. Gestern waren wir etwa mit Scho und Camillo und zwei Hunden aus der HuSchu im Sachsenwald und es war einfach nur schön. Gut sie kannten alle Hunde und wir haben niemand getroffen, aber auch da: Sie blieben lieber hinter mir, als bei der vorausschießenden Amy und dem Mops Eddy mitzumischen und blieben ruhig, als gefährliche Waldarbeiter bei der Arbeit entdeckt wurden, Elmo hat nur einmal kurz gebellt, liess es aber sofort wieder sein. Camillo war bei dem Spaziergang natürlich ein Traum und wird nach wie vor von Mini sehr geliebt.

Ich laufe sogar manchmal wieder alleine mit den beiden Zwergen hier in HH-City, vorher der totale Horror für mich, jetzt ist es an Tagen, wo ich mich gut fühle möglich und es klappt.

Und da vieles erst durch die Umstellung der Regeln und verstärkten Führung und Konsequenz gekommen ist, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass das der falsche Weg ist.


Liebe Grüße

Sanne

Margit Offline

mit offiziell gekürtem Forums-Loverboy und Master im Schnurcheln himself


Beiträge: 4.030

05.03.2009 07:00
#7 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten
Ehrlich, Sanne, ich muss hier nochmal den Hut vor dir ziehen .

Ihr seid doch mit deinen neuen Führungsqualitäten sehr schnell auf den Punkt gekommen, an dem das Leben mit deinen beiden einfach schön ist. Es muss ja nicht perfekt sein, wär ja auch langweilig . Aber es ist grösstenteils entspannt und EASY. Und das iat auch mein Ziel. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, bin ich wirklich begeistert, von dem was du erreicht hast.

In Antwort auf:
Margit, Ivonne, ich sehe das alles auch nicht als negative Bestärkung, im Gegenteil. Gerade das Blockieren ist ja eine extrem hundliche Art dem caniden Liebling zu vermitteln: Ich kontrolliere. Auch genauso Abbruchworte oder mal ein klares Nein, empfinde ich nicht als schlimm und kann mir einfach nicht vorstellen, dass es für die Hunde schrecklich ist.


Du sprichst mir aus dem Herzen! Mal hart formuliert: Es ist auch Quälerei für die Hunde, wenn sie ohne oder mit wenig Führung bleiben müssen. Und wenn unsere Kaliber die Welt "allein in Angriff" nehmen müssen.

Zitat von Sennsitive

da ich dein Trainingstagebuch schon verschlungen habe, kann ich jetzt endlich mal meine Bewunderung für dich - und natürlich auch alle anderen, die hier so hart für und mit ihren Hunden arbeiten - loswerden.


Danke schön, Ivonne, das gebe ich gerne zurück an dich .

In Antwort auf:
Ich habe wirklich das Gefühl, dass hier bei euch allen der einzelne, einzigartige Hund im Vordergrund steht und alle Erziehungsmaßnahmen individuell auf ihn angepasst werden, und das finde ich einfach großartig.


Genau: Man muss sich wirklich den Hund anschauen und was er braucht. Leider sind gerade unsere Auslandshunde (soll keine Verallgemeinerung sein, aber wenn ich hier so schau, sind viele unserer "Kandidaten" Auslandshunde) einfach total überfordert, wenn wir sie "allein" mal machen lassen.

Was ich noch vergessen habe: Die ersten Erfolge bringen auch schon die erste Freiheit. Beim Laufen mit Suka darf der Bubi zum grössten Teil machen was er will.

LG
Margit mit Archy
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Es gibt keine andere Wahl, als vorwärts zu gehen.
(Fridtjof Nansen)

Nina Offline



Beiträge: 3.332

05.03.2009 15:33
#8 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Ich bin auch der Ansicht, dass gerade bei unsicheren Hunden mehr Führung besser ist, als zu wenig. Als bei Lotta die Bellerei anfing und ich mit ihr in die Hundeschule ging, sagte man mir, sie sei zu eingeengt und würde zu wenig Eigeninitiative zeigen. Ich sollte ihr mehr Freiraum geben.

Ein Beispiel: Ich möchte, dass sie "bei Fuss" läuft, aber Lotta balanciert stattdessen über einen Baumstamm. Ich will sie noch mal auffordern, aber die Trainerin sagt, es sei OK, wenn sie balancieren will, darf sie balancieren. Klar, balancieren ist nix Schlimmes. Nur, wie soll Hund unterscheiden, dass es OK ist, "bei Fuss" zu ignorieren, wenn sie über einen Baumstamm balancieren möchte, aber nicht, wenn sie ein Reh jagen oder einen anderen Hund zur Schnecke machen will?

Und genau so habe ich mir den Mist eingebrockt, den ich jetzt habe. Lotta zeigt massenhaft Eigeninitiative, nur leider geht die nicht nur Richtung balancieren. Also muss ich sie jetzt radikal in ihren Freiheiten einschränken, weil sie sonst die ganze Nachbarschaft terrorisiert. Habe ich ihr mit dem erweiterten Freiraum einen Gefallen getan? Nein, ganz im Gegenteil.

Im Nachhinein frage ich mich, wieso ich überhaupt jemals diesen Mist mitgemacht habe, aber ich war total verunsichert über meinen angeblich unglücklichen, eingeschränkten Hund und wollte ja nur das Beste für sie.

Sennsitive Offline




Beiträge: 161

05.03.2009 15:46
#9 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Liebe Nina,

deine letzte Frage hat sich hier wohl jeder schon mal gestellt. Wieso habe ich dies und jenes mitgemacht ... Wenn man nicht der Supertrainer mit x Jahren Erfahrung an allen möglichen Hunden ist, ist man halt darauf angewiesen, sich von erfahreneren Leuten etwas beibringen zu lassen. Und dass erfahrener nicht unbedingt auch "richtig für uns" bedeutet, muss man auch erstmal lernen. Aber worauf wir alle hier stolz sein können ist doch, dass wir alle gemerkt haben, dass das nicht der richtige Weg für unseren Hund ist, und uns entsprechend umorientiert haben. Sprich wir alle haben ein sehr gutes Bauchgefühl, was durch Erfahrung einfach immer noch besser wird.

Die Hundehalter, die sich blind auf eine Methode verlassen, auch wenn es ihrem Bauchgefühl widerstrebt, tun mir viel mehr Leid als die, die sich viel anschauen, dabei viel Mist entdecken, aber lieber mal einen Fehler machen und ihn erkennen, als ihr Gefühl total zu ignorieren.

Und ich stimme dir vollkommen zu: Ein unsicherer Hund braucht nicht einen Hauch weniger Führung als ein sicherer, und lieber ihm einmal zu viel das Gefühl gegeben, er muss sich um nix kümmern, als zu wenig. Und diese Baumstamm-Beispiel ... da wäre es doch wohl besser gewesen, den Hund noch einmal kurz ins Fuß zu rufen und ihn dann zum Balancieren zu schicken, als ihn selber überlegen zu lassen, wann ein Kommando befolgt werden muss und wann nicht. Jaja, man muss wohl viele Trainerfrösche küssen, bevor man seinen Prinzen findet

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- J. Allen Boone

Käthe Offline



Beiträge: 885

05.03.2009 15:56
#10 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Zitat von Sennsitive
Jaja, man muss wohl viele Trainerfrösche küssen, bevor man seinen Prinzen findet


Was für eine traurige Wahrheit

Ich bemühe mich auch derzeit, möglichst alles selbst in die Hand zu nehmen und für Tünnes zu regeln. Manchmal merke ich, dass das gar nicht so leicht ist, an alles gleichzeitig zu denken - aber es ist wohl einfach Übungssache.

Was die Körpersprache betrifft: Das ist vielleicht eins meiner schwächsten Felder. Ich lese und gucke und versuche zu lernen... aber so recht gelingt mir das sicherlich noch nicht.

LG von Käthe und dem Tünnes

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Never trust a dog with orange eyebrows! [Terry Pratchett]

Sanne Offline

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern


Beiträge: 1.245

05.03.2009 16:29
#11 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Zitat von Käthe
Zitat von Sennsitive
Jaja, man muss wohl viele Trainerfrösche küssen, bevor man seinen Prinzen findet

Was für eine traurige Wahrheit
Ich bemühe mich auch derzeit, möglichst alles selbst in die Hand zu nehmen und für Tünnes zu regeln. Manchmal merke ich, dass das gar nicht so leicht ist, an alles gleichzeitig zu denken - aber es ist wohl einfach Übungssache.
Was die Körpersprache betrifft: Das ist vielleicht eins meiner schwächsten Felder. Ich lese und gucke und versuche zu lernen... aber so recht gelingt mir das sicherlich noch nicht.


Ich habe einen ängstlichen Chi-Welpen mit Wurf-Disc zum Abbruch des Bellens bringen wollen, ich war mit den beiden in einem klassischen Schäferhund-Verein der alten Schule. Da habe ich keinen Frosch, sondern eine dicke fette, warzige Kröte geküsst.

Aber man macht einfach Fehler und es braucht seinen Weg. Noch vor einem Jahr wäre ich auch bzgl. dem Mehr an Führung skeptisch gewesen, aber man entwickelt sich halt.

Zitat von Margit
Ehrlich, Sanne, ich muss hier nochmal den Hut vor dir ziehen .


Das kann ich nur zurückgeben, auch an Dich, Iris.

Liebe Grüße

Sanne

Nina Offline



Beiträge: 3.332

05.03.2009 18:59
#12 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Zitat von Sennsitive

Die Hundehalter, die sich blind auf eine Methode verlassen, auch wenn es ihrem Bauchgefühl widerstrebt, tun mir viel mehr Leid als die, die sich viel anschauen, dabei viel Mist entdecken, aber lieber mal einen Fehler machen und ihn erkennen, als ihr Gefühl total zu ignorieren.



Man muss sich einfach klar machen, dass man selber seinen Hund 1000 mal besser kennt als jeder noch so kompetente Trainer. Wir sehen sie jeden Tag und in unzähligen unterschiedlichen Situationen und nicht ein mal pro Woche in der Hundeschule.

stoppel Offline



Beiträge: 8.461

05.03.2009 22:25
#13 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Hallo Sanne,

es liest sich sooooo gut, dass du wieder gerne mit deinen Zweien durch Hamburg und sonstwo gehst.
Genau dahin wollen wir ja wohl alle kommen. Zusammen mit unseren Hunden Spaß zu haben.

Den hast du dir auch wirklich verdient und letztlich erarbeitet.
Das ist in vielerlei Hinsicht mit deinen zwei 'Fußhupen' um einiges schwerer als mit einem Hund auf Hüfthöhe. Wie viele Besitzer ziehen und ruckeln bei den Kleinen nur an der Leine.

Ich kann alles, was du an Führung auflistest und wie du es umsetzt, auch für Richy unterschreiben. Er braucht ebenfalls klare, aber auch sehr ruhige und vor allem konsequente Ansagen. Und noch viel wichtiger ist die richtige Körperhaltung. Beispiel: Je nachdem wie ich stehe oder mich bewege, kommt er langsam oder schnell, halbherzig oder in Spiellaune zu mir auf 'Komm'.

Viel zu lange habe ich ihn viel zu sehr machen lassen, weil ich ihn nicht 'drangsalieren' wollte. Die Unsicherheit wurde immer größer und damit die Probleme (HUndebegegnungen, Abrufbarkeit, Leinenaggression). Nun habe ich endlich einen Hund, der seine Umwelt gelassen wahrnimmt und mir weitgehend die Führung überlässt. Ich bin froh, dass wir uns das selbst erarbeitet haben, denn für mich war es ein Ausprobieren aus dem Bauch. Anderslautende Fachmeinungen irgendwelcher Trainer hätten mich da sehr verunsichert.

Baustellen gibt's auch bei uns noch etliche, aber die Richtung stimmt. Und endlich ist nicht mehr klar, wer lieber zur Runde aufbricht - Richy oder ich!

Mein voller Respekt für deine Leistung mal 2!

LG Iris mit Brummbär Richy und Springmaus Querida
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"Happiness is not a station you arrive at, but a manner of travelling." (M.L. Runbeck)

Sanne Offline

auf Wunsch mit Zwergverbalerotikern


Beiträge: 1.245

06.03.2009 19:25
#14 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Zitat von stoppel
Baustellen gibt's auch bei uns noch etliche, aber die Richtung stimmt. Und endlich ist nicht mehr klar, wer lieber zur Runde aufbricht - Richy oder ich!


Das ist bei uns auch so, kann ich voll unterschreiben. Eigentlich bräuchte ich einen neuen Benutzertitel "Die, die mit Spaß durch Baustellen führt" oder so.

Morgen gehen wir mal wieder zum Training, ich bin gespannt wie es laufen wird. Ein junger, lebhafter Labbi ist dabei, solche Hundetypen sind am schwersten für die Zwerge.

Iris, mein Respekt für die Arbeit mit Richy ist Dir auch sicher. Du wagst Dich ja sogar an den Freilauf in belebten Gebieten, das schaffen wir (oder ich) etwa noch nicht.

Liebe Grüße

Sanne

stoppel Offline



Beiträge: 8.461

06.03.2009 21:35
#15 RE: Führung und Körpersprache Zitat · Antworten

Um Ostern herum bin ich 10 Tage im Norden.
Vielleicht können wir uns dann ja mal messen? Zum spaßigen Baustellenvergleich?

Ich stelle mir gerade vor, dass Richy sich hinter mir versteckt, wenn Mini auf ihn losstürmt...

LG Iris mit Brummbär Richy und Springmaus Querida
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"Happiness is not a station you arrive at, but a manner of travelling." (M.L. Runbeck)

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