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Dieses Thema hat 6 Antworten
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Das Neueste auf einen Blick



 Behaviour (öffentlich)
Vanille Offline




Beiträge: 31

13.08.2011 11:35
Vanilles Geschichte Zitat · Antworten

Ich habe Vanille als ca 12 Wochen alten Welpen übernommen, weil die Vorbesitzerin sie angeblich wegen Unverträglichkeit ihrer älteren Rottweilerhündin nicht behalten konnte. Wie ich später rauskriegte, war das gelogen, diese Frau war eine Händlerin, auch ihre Rottihündin, sowie noch diverse andere Welpen wurden von ihr im Internet mit rührseligen Geschichten angeboten.

Offensichtlich hat die Kleine in ihrem kurzen Leben auch schon einiges erlebt, denn kaum bei uns zu Hause mutierte sie bei jeder kleinsten Gelegenheit uns gegenüber zu einer zum Äußerten entschlossenen Kampfmaschine. Ein Blick zuviel, eine Berührung an der falschen Stelle oder zur falschen Zeit, eine Einschränkung ( nein, Hunde gehören nicht in den Kühlschrank ) und schon war Schluß mit lustig. Im besten Fall ist sie kurz zur Salzsäule erstarrt, bevor sie sich in Arm , Bein oder was immer sie erwischen konnte verbissen hat, meistens jedoch hat sie jede Vorwarnung komplett übersprungen.

In den ersten Tagen fielen also Hund und Menschen von einem Schock in den nächsten. Wir haben stundenlang beratschlagt, welche Optionen wir haben und ich muß gestehen, es waren auch durchaus Gedanken wie, hätten wir sie bloß nie geholt oder such schon mal einen Platz unter der Eiche aus, dabei.

Aber nur kurz. Zwischendurch hatte sie durchaus nette Momente, besonders mit den beiden anderen Hunden Abby und Alno, hier hat sie sich wie ein normaler kleiner Welpe verhalten.

Nach einer telefonischen Beratung mit der Praxis von Barbara Schöning und ersten Verhaltenstipps wurden wir schon etwas zuversichtlicher. Wir sollten versuchen, möglichst alles zu vermeiden, was Wutanfalle auslösen könnte oder wenn das nicht zu vermeiden war, uns deeskalierend verhalten.

Gleichzeitig ackerte ich in Rekordzeit das Buch von James O`Heare über Aggressionsverhalten bei Hunden durch und recherchierte darüber im Internet. Mir rauchte zwar so manchesmal der Schädel, das Meiste war absolutes Neuland für mich ( Schande über mich, ich habe schon solange Hunde !! ), aber jetzt wurde Vanilles Verhalten immer verständlicher.

Was muß man sie als kleinen Welpen bedrängt und gequält haben, daß sie sich so wehren mußte. Offensichtlich war sie zu Anfang im Kontakt mit uns ständig im Streß und auf der Lauer. Sie hatte wochenlang starker Durchfall und hat gesoffen und gepinkelt wie ein Loch. Man, hat die uns oft Leid getan
und gleichzeitig war es extrem rührend, wenn sie dann doch langsam immer mehr auftaute und Zuwendung genießen konnte.

Wir haben dann zügig mit positer Verstärkung angefangen (in dieser konzentrierten Form auch Neuland für uns ) , erst mit Markerwort, dann mit Clicker. Auf den Clicker reagiert Vanille besser, vielleicht kann ich nicht immer gleich gut suuuper! sagen. Beim Lernen ist Vanille der absolute Streber, sie begreift derartig schnell, daß ICH mit dem Lernen hinterherkommen muß. Oft stell ich mittendrin fest, das meine Struktur und mein Timing noch suboptimal sind. Zum Glück ist Vanille großzügig im Übersehen meiner Defizite.

Zur Zeit ist es so, daß sie in den meisten Situationen wie ein ganz normaler, fröhlicher Hund wirkt .
Kritische Situationen, wie kurz nach dem schlafen oder wir sitzen gemeinsam auf dem Sofa werden von uns so gemanagest, daß sie damit klar kommt.

An allen anderen Baustellen arbeiten wir noch.

Soweit erstmal von uns

Jagddame Offline

möglicherweise Erfinderin des "Trick 17"


Beiträge: 2.175

13.08.2011 13:35
#2 RE: Vanilles Geschichte Zitat · Antworten

Danke fürs Berichten deiner Geschichte . Und ich würde sagen, das schreit nach einem Tagebuch . Da kannst du immer schön deine Erfolge festhalten. Und wenn dann mal ein Misserfolg kommt, kann man wieder nachlesen... Das kann sehr hilfreich sein! Mit Aggression kenne ich mich nicht aus und kann dir dehalb keine Tips geben, aber ich kann zumindest meine Bewunderung ausdrücken, darüber das du nciht aufgegeben hast und dich schlau gemacht hast

Liebe Grüße
Juli + Bella

stoppel Offline



Beiträge: 8.461

13.08.2011 17:01
#3 RE: Vanilles Geschichte Zitat · Antworten

Schön, wenn man nach vielen Jahren mit Hund noch etwas dazu lernen darf.
Wenn auch ganz schön unter Zeitdruck. Puuuuuhhhhh

Gut, dass ihr direkt in die richtigen Hände gekommen seid. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn jemand Vanilles Verhalten als Dominanzgehabe interpretiert hätte.

Julis Tipp mit dem Tagebuch solltest du überdenken.

LG Iris mit Brummbär Richy und Springmaus Querida
_______________________________________________

"Happiness is not a station you arrive at, but a manner of travelling." (M.L. Runbeck)

Mydog Offline

Direktorin des Zwockel-Zirkus und bekennend geschirrsüchtig sowie Tante Lupa (Admin)


Beiträge: 38.107

13.08.2011 17:10
#4 RE: Vanilles Geschichte Zitat · Antworten

Ach herrjeh, was mag diese arme Maus in den ersten 12 Wochen ihres Lebens bloss schon erlebt haben.

Eure anfänglichen Gedanken sind nur zu verständlich, die hätte wahrscheinlich jeder irgendwann gehabt. Aber es ist schön zu wissen, daß Ihr bereit wart und seid, sie nicht zu verurteilen sondern ihr zu helfen. Und da seid Ihr ja auf einem wunderbaren Weg.

Ich wünsche Euch auf diesem Weg weiter alles Gute und freue mich, wenn wir Euch ein Stück des Weges begleiten dürfen!




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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Der ist nicht klein, der ist ein Hundekonzentrat. :o)

Vanille Offline




Beiträge: 31

13.08.2011 19:46
#5 RE: Vanilles Geschichte Zitat · Antworten

supi, ich hasse meinen Computer
Jetzt hab ich so einen langen Text geschrieben, und er hat alles geschreddert.

Ich versuchs Morgen nochmal

Vanille Offline




Beiträge: 31

14.08.2011 21:21
#6 RE: Vanilles Geschichte Zitat · Antworten

Jeder in unserem Umfeld hat Vanilles Verhalten als Dominanzgehabe gesehen. Zum Glück hatte aber keiner einen passenden Tipp parat, wie dieser Kampfzwerg real zu bezähmen sei. Und selbst wenn wir gewollt hätten, getraut hätte sich sowieso keiner von uns.

Echt nicht auszudenken, was der Kleinen passiert wäre, wenn sie woanders, z.B. bei einer Familie mit kleinen Kindern oder tatsächlich bei Dominanzfreaks gelandet wäre. Sie ist doch der klassische Fall fürs Tierheim oder Bullterrier in Not.

Aber auch wenn wir uns jetzt auf einem guten Weg fühlen, ohne dieses Forum wäre es für uns viel schwerer gewesen !
Eure Geschichten und eure Erfahrungen waren gerade in der Anfangszeit so wichtig für uns. Sie haben so veil Mut gemacht und uns motiviert. Und es war so schön zu sehen, wie Vanille langsam aber sicher ein fröhlicher Welpe wurde. Selbst jetzt noch mit über 7 Monaten haben wir oft noch den Eindruck, sie holt die unbeschwerte Babyzeit nach.

Traurig stimmt noch, daß ihre Zwangshandlung Schwanzfangen immer nochmal wieder auftritt, wenn auch nicht mehr so oft und in abgeschwächter Form. Das kann ich auch noch nicht wirklich einordnen. Zu Anfang hat sie jede Ecke, jeden engen Winkel ( besonders beliebt im Badezimmer zwischen Klo und Dusche )genutzt, um ihren Schwanz zu fangen.

Zu Anfang war sie dabei kaum ansprechbar, heute ist sie immerhin gut abrufbar. Allerdings bin ich mir über die Auslöser nicht im Klaren, ich kann nicht erkennen, ob es z.B. Frust oder Langeweile sein könnte. Und sie macht es auch eher in ruhigen als in stressigen Momenten. Und nie in ihrer Box. Viellecht hat ja einer von euch damit schon Erfahrungen gemacht und kann mir weiterhelfen.

Ich wüßte auch gern, was in ihr vorgeht dabei. Sie macht es relativ langsam und wirkt dabei sehr in sich gekehrt. Sollte ich sie jedesmal sofort aus der Situation herausholen oder entsteht dabei im Hundehirn vielleicht Hormonell ein selbstbelohnender, beruhigender Zustand ? Im Internet habe ich bislang noch nicht viel darüber finden können, außer daß das bei Bullterriern ein Genfehler sein könnte.

Tante_Haha Offline

Mobiles Spaßzentrum und Sicherheitszentrale für drei Buben und Tante Lupa


Beiträge: 39.741

14.08.2011 22:20
#7 RE: Vanilles Geschichte Zitat · Antworten

Deine Geschichte macht mir traurig und glücklich zugleich. Traurig, weil Vanille offenbar keinen anderen Weg als ihre Aggression mehr gesehen hat und man möchte sich nicht ausmalen, was sie in diese Verhaltensweise getrieben hat . Glücklich macht mich die Geschichte auch, denn Vanille ist bei Euch gelandet - bei Menschen, die verstehen wollen, die nicht aufgeben und die mit sicherheit ein wundervolles Leben mit ihr verbringen werden!

Zum Zwangsverhalten habe ich gelernt, dass man Hunde zunächst nicht davon abhalten sollte - es sei denn, dass das Verhalten gesundheitsschädlich ist (wie z.B. Stellen am Körper aufbeissen etc.). Der Hund hat sich diese Strategie angeeignet, um mit großem Streß fertig zu werden. Dieses Verhalten zu verbieten oder zu unterdrücken ruft erstmal noch mehr Streß hervor. Wenn ihr aber grundsätzlich gut und vernünftig mit ihr arbeitet und sie somit immer weniger Streß haben muss, wird sie sicher bald Alternativen finden. Ihr schafft das ganz bestimmt!!!
Mein Lumpi hat z.B. aus Streß getrunken. In schlimmen Zeiten war das tatsächlich gesundheitsschädlich, denn er hat mit seinen etwas über 20 kg oft bis zu 3 Liter Wasser getrunken. Da musste ich ihm gelegentlich das Wasser einfach wegnehmen und mich ganz intensiv mit ihm beschäftigen. Aber je entspannter er wurde, desto kleiner wurde sein Wasserkonsum.

Ein Tagebuch wäre vielleicht wirklich eine gute Idee! Mir hilft es sehr!

Viele liebe Grüße
Frau T. mit Lumpi, Mo und Nils
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Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.
Karl Valentin

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