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Dieses Thema hat 59 Antworten
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 Behaviour (öffentlich)
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Mydog Offline

Direktorin des Zwockel-Zirkus und bekennend geschirrsüchtig sowie Tante Lupa (Admin)


Beiträge: 38.104

29.03.2008 18:54
#16 RE: Pro oder Contra? Schwarz oder Weiß? Zitat · Antworten

Zitat von Schle Miel
Frage zwischendurch: Es ist aber schon klar, dass nicht alle Auslandshunde "vom Land" kommen und dementsprechend nichts kennen ?

Klar ist das klar (mir jedenfalls ;-))!
Aber es machen sich eben viele zu wenig Gedanken darüber, daß es diesen Kulturschock geben könnte.




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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Der ist nicht klein, der ist ein Hundekonzentrat. :o)

Mielita Offline



Beiträge: 1.325

29.03.2008 20:00
#17  Zitat · Antworten

Mydog Offline

Direktorin des Zwockel-Zirkus und bekennend geschirrsüchtig sowie Tante Lupa (Admin)


Beiträge: 38.104

29.03.2008 22:14
#18 RE: Pro oder Contra? Schwarz oder Weiß? Zitat · Antworten

Zitat von Mielita
Mydog: Genauso falsch wäre es aber sicherlich, die Frage nach Auslandshunden kategorisch mit Nein zu beantworten. Wie gesagt es gibt nicht NUR schwarz oder weiß bzw. pro oder contra, es ist immer ein UND

Genau das hatte ich doch auch gesagt. Ich würde bei beiden Auslands- und Inlandshunden eben sagen: grundsätzlich ja, aber.....




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.050

30.03.2008 03:08
#19 RE: Pro oder Contra? Schwarz oder Weiß? Zitat · Antworten

Ich versuche, meine Gedanken ordnend zu antworten, daher die Punkte, nicht aus Klugscheißerei oder so, ok?

1. Kulturschock heißt ja nicht nur, daß ein Hund nichts kennt und hier alles kennenlernen muß. Er kann sehr wohl auch in seinem Heimatland Erfahrungen mit allem Möglichen gesammelt haben. Trotzdem wird er einen Kulturschock erleben, einfach, weil hier vieles ganz anders ist. Angefangen mit den klimatischen Verhältnissen über Dinge, die sein Immunsystem da angriffen und hier nicht oder umgekehrt bis hin zu generell anderen Lebensverhältnissen (grundlegender Umgang mit Hunden an sich, Bevölkerungs- und Hundedichte, Leinenführung, Gesetze usw.).

2. Nicht zu vergessen bei der Frage "Auslandshund" oder nicht, "Tierschutzhund" oder nicht: Die gleichen Einschränkungen, die Ihr hier zurecht für Eure Antworten macht, gelten doch auch für Züchterhunde. Es kann mir beim falschen Züchter genauso gut passieren, daß ich ein Tier bekomme, daß ich nicht händeln kann, charakterlich oder weil es schlecht sozialisiert ist. Es gibt also hier wie dort ein "aber" und kein "immer".

3. Eine besondere Form von Kulturschock entsteht für mich durch den wilden Import von Rassen, die hier nichts zu suchen haben/hätten. So denke ich, daß es nicht leicht ist, hier einen Border Collie, einen Australian Shepherd oder einen Podenco nicht nur art-, sondern auch rassegerecht zu halten. Das ist ebenfalls ein Aspekt, den viele "Retter" vollkommen außer acht lassen.

4. Ähnliches gilt für die Packer(rassen) bzw. deren Kreuzungen. Zu oft wird von Seiten der Orgas entweder verschwiegen, was in dem Hund offenbar drinsteckt (sieht Moritz, der angebliche Nicht-Terrier von Denise), und wenn sie es wahrheitsgemäß sagen, dann macht sich noch öfter der Neuhund-Besitzer nicht klar, was es bedeuten kann, z.B. einen Mischling aus Staff oder Pitbull o.ä. zu halten.
Das meint eben nicht nur höhere Hundesteuern und gesetzlich diktierte Unannehmlichkeiten, sondern auch charakterlich möglicherweise gewünscht gezüchtetes und genetisch bedingte hohe Aggressionsbereitschaft, mit der man im Alltag umgehen muß und die dann möglicherweise eben beispielweise eine hohe Unverträglichkeit mit Artgenossen bedeutet und die (mit der durch typisches Packer-Verhalten verbundenen Tendenz, nicht aufzugeben, festzuhalten) zu einem hohen Verletzungsrisiko beim "Gegner" führt und daher besondere Sorgfalt des Halters nötig macht.
Was es bedeutet, einen Hund mit hoher Aggressionsbereitschaft a. ausbilden und b. führen zu müssen, weiß ich ja nun auch: Eine hundertprozentige dauernde Aufmerksamkeit des Menschen im besten Fall, ein dauerhaftes auf Leine und/oder Beißkorb Angewiesensein im schlimmsten.

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

----

"Just a generation ago if you went near a dog when he was eating and the dog growled, somebody would say, 'Don't go near the dog when he's eating!, what are you crazy?' Now the dog gets euthanized. Back then, dogs were allowed to say, NO. Dogs are not allowed to say no anymore...They can't get freaked out, they can't be afraid, they can never signal 'I'd rather not.' We don't have any kind of nuance with regard to dogs expressing that they are uncomfortable, afraid, angry, or in pain, worried, or upset. If the dog is anything other than completely sunny and goofy every second, he goes from a nice dog to an 'AGGRESSIVE' dog." (Jean Donaldson)

EssenerRudel Offline

Stehauf-Frau


Beiträge: 1.005

30.03.2008 11:16
#20 RE: Pro oder Contra? Schwarz oder Weiß? Zitat · Antworten

Es kommt immer auf das Selbe raus. Egal ob ein Hund vom Züchter, aus dem Tierheim oder aus dem Ausland kommt, oder auch von Privat: man muss sich vorher darüber im Klaren sein was man will und welcher Hund passt! Immerhin geht man eine Bindung von ca 14 Jahren oder auch länger ein!

SabineW Offline

Pöttisches Dornröschen, das gestählt mit letztem ungarischen Mohikaner auf Messers Schneide das "Bodlenberg Hilton" samt "Fred's Pizzaofen" betreibt und Tante Mogli


Beiträge: 985

09.05.2008 14:03
#21 RE: Pro oder Contra? Schwarz oder Weiß? Zitat · Antworten

Zitat von Elektra
1. Kulturschock heißt ja nicht nur, daß ein Hund nichts kennt und hier alles kennenlernen muß. Er kann sehr wohl auch in seinem Heimatland Erfahrungen mit allem Möglichen gesammelt haben. Trotzdem wird er einen Kulturschock erleben, einfach, weil hier vieles ganz anders ist. Angefangen mit den klimatischen Verhältnissen über Dinge, die sein Immunsystem da angriffen und hier nicht oder umgekehrt bis hin zu generell anderen Lebensverhältnissen (grundlegender Umgang mit Hunden an sich, Bevölkerungs- und Hundedichte, Leinenführung, Gesetze usw.).


Das kann ich in vollem Umfang bestätigen! Transportstress (nicht zu unterschätzen!), anderer Sprachklang, Umgebungswechsel, neue Gerüche (jedes Land "riecht anders"), andere Unterbringung (Wohnung, Haus), Halsband/Leine, höherwertiges Futter, "neue" Bakterien-/Virenstämme - all' dies sind Dinge, welche der eine Hund eher verpacken kann, als der andere. In jedem Fall setzt man Hunde mit einem Import einer hohen Belastung aus.

Zitat von Elektra
3. Eine besondere Form von Kulturschock entsteht für mich durch den wilden Import von Rassen, die hier nichts zu suchen haben/hätten. So denke ich, daß es nicht leicht ist, hier einen Border Collie, einen Australian Shepherd oder einen Podenco nicht nur art-, sondern auch rassegerecht zu halten. Das ist ebenfalls ein Aspekt, den viele "Retter" vollkommen außer acht lassen.

4. Ähnliches gilt für die Packer(rassen) bzw. deren Kreuzungen. Zu oft wird von Seiten der Orgas entweder verschwiegen, was in dem Hund offenbar drinsteckt (sieht Moritz, der angebliche Nicht-Terrier von Denise), und wenn sie es wahrheitsgemäß sagen, dann macht sich noch öfter der Neuhund-Besitzer nicht klar, was es bedeuten kann, z.B. einen Mischling aus Staff oder Pitbull o.ä. zu halten.
Das meint eben nicht nur höhere Hundesteuern und gesetzlich diktierte Unannehmlichkeiten, sondern auch charakterlich möglicherweise gewünscht gezüchtetes und genetisch bedingte hohe Aggressionsbereitschaft, mit der man im Alltag umgehen muß und die dann möglicherweise eben beispielweise eine hohe Unverträglichkeit mit Artgenossen bedeutet und die (mit der durch typisches Packer-Verhalten verbundenen Tendenz, nicht aufzugeben, festzuhalten) zu einem hohen Verletzungsrisiko beim "Gegner" führt und daher besondere Sorgfalt des Halters nötig macht.
Was es bedeutet, einen Hund mit hoher Aggressionsbereitschaft a. ausbilden und b. führen zu müssen, weiß ich ja nun auch: Eine hundertprozentige dauernde Aufmerksamkeit des Menschen im besten Fall, ein dauerhaftes auf Leine und/oder Beißkorb Angewiesensein im schlimmsten.

Problem hierbei ist, dass viele "Retter" sich leider kaum oder nur wenig mit "Rassekunde" beschäftigen. Diese ist aus meiner persönlichen Sicht zwingend erforderlich: zum einen, damit man Hunde vom Phänotyp her überhaupt einigermassen zuordnen oder beurteilen kann und zum anderen, um -wenn es denn schon sein muss- bei Vermittlungen die nötige Sorgfalt walten zu lassen.

LG
Sabine


EssenerRudel Offline

Stehauf-Frau


Beiträge: 1.005

09.05.2008 14:55
#22 RE: Pro oder Contra? Schwarz oder Weiß? Zitat · Antworten
Das Thema hat soviel für und wieders... auf einen Nenner kommen wir da sicherlich nicht. Immerhin geht es hier um Lebewesen!
Es wird oft negativ diskutiert, dass es meist die kleinen, süßen, jungen Hunde sind, die von den Orgas vermittelt werden. Das stimmt ja meist auch. Aber warum? Weil die Tierschützer vor Ort eben eine Auswahl treffen müssen! Sie stehen jeden Tag vor dieser Auswahl, auch wenn sie es noch sehr wollen, auch sie können nicht jedem Hund helfen. Sie müssen menschenbezogen sein, verträglich mit Artgenossen, und eine Chance auf Vermittlung haben. Nur durch die Vermittlungen fließt das Geld, das für die Orgas so verdammt wichtig zum weitermachen ist. Seriöse Organisationen arbeiten auch an der Verbesserung der örtlichen Begebenheiten. Deren Ziel ist nicht, alle Hunde nach Deutschland zu bringen, sondern die Lebensbedingungen im Land/ Region zu verbessern.
Aber die Situation in den Auffangstationen ist auch nicht optimal für die Hunde. Dort stehen sie extrem unter Stress. Eine Garantie für den Charakter kann niemand geben! Dessen müssen sich alle bewusst sein, die einen Hund aus dem Tierschutz nehmen! Auch sollten sie sich bewusst darüber sein, dass es eine ganze Zeit dauern kann, bis wirklich "der Freund" an der Seite ist. Und vorallem, wieviel Arbeit darin stecken kann! Beispiele dafür haben wir ausreichend hier im Forum...
Mitleid ist hier fehl am Platz! Auch und gerade die Hunde aus dem TS sollten nach den Aspekten wie Lebensumstände, möglicher Zeitaufwand, Erfahrungen, anfänglich evtl. höhere TA Kosten .... ausgewählt werden.
Und vorallem sollte man sehr neutral auf den Hund zugehen! Er hat diesen ganzen Weg hinter sich, den ganzen Transportstress, die Angst weil er eben nicht weiß dass er jetzt in Sicherheit fliegt... alles neu, alleine, und dann diese Menschen vor der Nase, die nichts anderes tuen als Schmuseeinheiten aufzudrängen...
Ich verstehe die Situation! Klar, man hat ja lange auf den Wauzi gewartet, die Vorfreude stieg bis ins unermessliche - und dann? Ein häuflein Hund das erstmal gar nicht weiß, was mit ihm geschieht.... Der Hund hat doch hier alle, Futter, Leckerlies, ein Bett, Spielzeug, warum nur hat er uns nicht lieb? Ist er krank? Er schläft nun den 3. Tag fast komplett durch. Die Hunde kennen diese Fürsorge überhaupt nicht! Und vorallem begreifen sie auch nicht sofort, dass sie in Sicherheit sind. Vertrauen braucht Zeit, auch bei Hunden... und bei Hunden aus schlechten Verhältnissen dauert es noch länger.

Ich wünsche allen mit Hunden aus schwierigen Verhältnissen (egal ob aus D oder sonstwo) ganz viel durchhalte Vermögen, Konsequenz, Energie für die Rückschläge und traumhafte Erfolgserlebnisse!
Und all denjenigen, die sich nach reiflicher Überlegung nicht für solch einen Hund entscheiden, sondern zu einem guten Züchter gehen auch ganz viel Spass mit dem Wauzi, es gibt immerhin ganz viele Möglichkeiten den Tierschutz hier und überall zu unterstützen, schaut nur mal nach, wieviel altes Zeug (Leinen, Halsbänder, Körbchen... ) ihr in den Ecke habt. Wäre doch schade wenn sie dort verrotten, oder? Also auf, es gibt viele Stellen die sich darüber freuen! (will jetzt nicht aufdringlich sein, aber wenn ihr niemanden kennt oder findet, bevor sowas im Müll landet...)
Elektra Offline

und definetely not everybody's darling (Forumsbetreiber)


Beiträge: 41.050

10.05.2008 01:01
#23 RE: Pro oder Contra? Schwarz oder Weiß? Zitat · Antworten

Und auch hier gilt: Wir können etwas tun. Und wenn wir hier in diesem Forum zum einen rational argumentieren und nicht schönreden und zum anderen Mut machen, immer und immer wieder.

Viele Grüße
Barbara mit 'dame de coeur' Lupa (G'lupa de la Noire Alliance), Ritter Parcifal, Prince Maddox und Sir Lancelot sowie in ewiger Verbundenheit mit Malibub Athos, Seelenbub Ben, Spitzbub Ilias und Lausbub Seppl

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Greylove Offline

Die Hunden Schlösser baut


Beiträge: 403

10.05.2008 08:58
#24 RE: Kulturschock Zitat · Antworten

Hallo zusammen,
schönes Thema.
Leider gibt es immer noch Menschen die nicht wissen dass der Hund erst mal ankommen muss.
Wir haben oft mit Galgos zu tun die aus Spanien kommen.
Die Lebensweise die diese Hunde prägt ist eine andere als hier zu Lande, aber das hat Elektra schon gesagt.
Vor kurzer Zeit war ich in einem Seminar,welches mir noch mehr Horizont aufgetan hat.
Warum läßt sich ein Hund kein Halsband umbinden. Ja weil er z. B. beim einfangen mit einer Schlinge Todesangst bekommen hat.
Deshalb ist es auch z. B. wichtig dem Hund zu ermöglichen es von sich au zu entscheiden wo er angefaßt wird.Erst später kann man ganz sanft dieses mit ihm trainieren.
Viele HUnde sind es einfach nicht gewöhnt die menschl Nähe zu genießen und werden dann oft schon von vorn herein mit soooooo viel Liebe überhäuft,dass er überhaupt nicht in Ruhe erst mal die ERSTEN Eindrücke im neuen Leben gewinnen kann.
Ach es gibt da so viel zu erzählen.
Man müßte endlos Zeit haben.
Schöne Pfingsten.

Mit freundlichen Grüßen
Greylove

Mydog Offline

Direktorin des Zwockel-Zirkus und bekennend geschirrsüchtig sowie Tante Lupa (Admin)


Beiträge: 38.104

10.05.2008 09:10
#25 RE: Kulturschock Zitat · Antworten

Zitat von Greylove
Ach es gibt da so viel zu erzählen.
Man müßte endlos Zeit haben.

Hoffe, Du findest sie bei Gelegenheit noch!

Es ist wirklich ein spannendes Thema. Für mich ist es sehr interessant, weil ich bislang mit Auslandhunden noch keinen Kontakt hatte...... und viele Dinge die ihr hier schreibt, sind so wichtig, wenn man sich eines solchen Hundes annimmt. Da ich bestimmt in Zukunft Hunde aus dem Tierschutz aufnehmen werden, und da könnte es eben vielleicht auch einer aus dem Ausland sein, sind diese Informationen wirklich sehr wichtig.

Ich verfolge diesen Thread daher mit viel Interesse und danke Euch, daß Ihr Euch die Mühe macht, diese Informationen mit allen zu teilen. :-)




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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Melek Offline



Beiträge: 226

10.05.2008 09:22
#26 RE: Kulturschock Zitat · Antworten

Ein Fehler, den manche Besitzer von Auslandshunden gerne machen ist, dass er in ihren Augen immer der "arme Auslandshund" bleibt. Spätestens wenn er aber an eine gute Stelle vermittelt ist, ist er nicht mehr "arm". Wie hier und auch an anderer Stelle schon erklärt wurde: Die wichtigste Aufgabe haben die Tierschützer vor Ort, die auch die geeigneten Hunde aussuchen müssen. Und das sind eben auch nicht unbedingt "die ärmsten von allen", sondern eben die, die für ein Leben in Deutschland auch geeignet erscheinen. Ein Hund, der selbst nach einiger Zeit immer noch die Nähe von Menschen nur schwer erträgt und Probleme hat, sich anfassen zu lassen, gehört in meinen Augen z.B. nicht dazu. Oder Hunde, die auf der Strasse super zurecht kommen - auch diese haben oft Probleme, da sie u.U. ihre Eigenständigkeit bewahren wollen. Andersherum gibt es aber auch auf der Strasse Hunde, die den Anschluss an den Menschen dringend suchen: Das sind oft ganz tolle Vermittlungshunde, die für ihren neuen Besitzer durchs Feuer gehen würden.

EssenerRudel Offline

Stehauf-Frau


Beiträge: 1.005

10.05.2008 09:59
#27 RE: Kulturschock Zitat · Antworten
Das hat G. Bloch in den Pizzahunden sehr gut erläutert. Hunde die aus dem Rudel gerissen wurden sind heute noch super scheu. Eine andere Hündin verendete qualvoll, bei ihr hätte er sich gewünscht, dass die Tierschützer eingegriffen hätten. Ich kann die Situation Vorort wirklich nicht in Frage stellen... ich bin dort nicht. Ich könnte dort auch nicht sein, ich würde es nicht verpacken. Aber auch im Tierschutz ist der Fanatismus vertreten.
Wusstet Ihr, dass es in Spanien Tierschützer gibt, die die Tiere einsammeln und ihr Leben lang horten? Ich meine ohne Vermittlung, nur Futter und Wasser? Diese Leute argumentieren damit, dass jedes Tier ein Recht auf Leben hat. Jemand aus dem Verein war da und er sagte, ein schneller Tod wäre das Beste für die Hunde. Sie vegetieren den Rest ihres Lebens dahin. Die "Tierschützer" lassen aber leider überhaupt nicht mit sich reden.
Andersherum gibt es wirklich Leute die sich aufopferungsvoll um die Tiere kümmern. Gisela und Ralf z. B. Die beiden achte ich sehr. Sie sind im Pensionsalter nach Spanien umgesiedelt, haben ihre Finca gebaut und kümmern sich nun um die Hunde (wollten aber ursprünglich ein schönes Leben im Süden). Shiva ist von der Finca. Die Hunde leben dort frei im Rudel, dürfen und leben im Haus. Pflegehunde gibt es nur im Notfall, wenn der Hund dort nicht klarkommt. Auch leben dort einige Hunde, die nie vermittelt werden, weil sie das nicht verpacken würden. Ich weiß, dass die beiden es sehr belastet wenn sie einen Hund nicht aufnehmen können, oder wenn einer stirbt... deren Belastung ist enorm.

Und Melek, Du hast Recht! Mitleid ist fehl am Platz, wenn die Hunde erstmal hier sind! Die Vorgeschichte sollte man nicht außer Acht lassen, aber den Hund ganz normal behandeln und ihnen die nötige Zeit geben, nur so gewöhnt er sich schnell ein und wird nicht noch im Nachhinein zum Terroristen. Ich weiß wie verdammt schwer es ist, aber ich sehe auch immer wieder dass es der einzige Weg für die Hunde ist!
Mydog Offline

Direktorin des Zwockel-Zirkus und bekennend geschirrsüchtig sowie Tante Lupa (Admin)


Beiträge: 38.104

10.05.2008 10:09
#28 RE: Kulturschock Zitat · Antworten
Stimmt Angelika,
das haben wir auch an anderer Stelle schon mal besprochen. "Wahlloses" Retten von Auslandshunden ist völlig unsinnig. Das macht am Ende, auch für den Hund, mehr Probleme als daß es Lösungen schafft.

Ich finde, im Ausland ist eine der wichtigsten Aufgaben des Tierschutzes, die Umstände im Land selbst zu ändern. Und das betrifft vor allem die Lebensumstände der Tiere vor Ort und die Einstellung der Menschen.

Und dann ist da eben auch die Frage, welche Hunde denn wirklich "gerettet" werden müssen.
Straßenhunde, die, wie Du und Steffi ja auch eben schon gesagt habt, vielleicht in funktionierenden Rudeln leben und noch nie engeren Kontakt zu Menschen hatten, sind es in meinen Augen eher nicht. Diese sollten, wenn möglich, kastriert und vielleicht noch zugefüttert werden. Aber eine vollständige Sozialisierung mit dem Menschen ist für diese Hunde wahrscheinlich viel zu schwierig.

Und eine ganz wichtige Frage betrifft dann auch die Vermittlung selbst. Es muß eben eine seriöse Tierschutzorganisation sein, die beides tut, vor Ort versucht, die Lebensbedingungen zu verbessern und gleichzeitig Hunde vermittelt, die hier gute Sozialisierungs- und Vermittlungschancen haben. Und wie Du schon sagst, daß sind u.U. eben nicht die "ärmsten" auch wenn sie einem am meisten leid tun. Mitleid allein, ist sicher kein gutes Motiv, weder vor Ort noch hier, wenn man so einen Hund aufnimmt! Das führt dann auch zu dem von Euch allen genannten Fehlverhalten, den Hund direkt mit Liebe zu überschütten und ihn damit dann hoffnungslos zu überfordern.




Petra mit Mogli und dem Schäfchen im Herzen
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Greylove Offline

Die Hunden Schlösser baut


Beiträge: 403

10.05.2008 10:54
#29 RE: Kulturschock Zitat · Antworten
genau das mit dem wahllosen Retten ist etwas das man hierzulande und anderswo glaube ich erst noch lernen muß.
In unserem Seminar wurde auch gezeigt,dass Hunde auch wenn sie verfloht sind mit Zecken übersäht und schon gezeichnet vom Überlebenkampf IHR Leben leben. Ohne Einmischung des Menschen....und das sehe ich ein,auch wenn es für mich eine sehr schmerzhaft
Einsicht ist,die man nicht so schnell verdauen kann.Leider denkt ein Mensch dass er sich immer und überall einmischen muss selbst in ein Selbständiges Leben von Hunden.
Natürlich gibt es immer das Contra,wenn es Gefahr für leib und Leben gibt,durch einfangen,schlechte Haltung und bevorstehnde Tötung
in einer Auffangstation.

Mit freundlichen Grüßen
Greylove

Melek Offline



Beiträge: 226

10.05.2008 14:31
#30 RE: Kulturschock Zitat · Antworten

Zitat von Mydog

Und dann ist da eben auch die Frage, welche Hunde denn wirklich "gerettet" werden müssen.
Straßenhunde, die, wie Du und Steffi ja auch eben schon gesagt habt, vielleicht in funktionierenden Rudeln leben und noch nie engeren Kontakt zu Menschen hatten, sind es in meinen Augen eher nicht. Diese sollten, wenn möglich, kastriert und vielleicht noch zugefüttert werden. Aber eine vollständige Sozialisierung mit dem Menschen ist für diese Hunde wahrscheinlich viel zu schwierig.



Gegen die Vermehrung der Strassentiere muss sicher etwas getan werden. Allerdings wird unter manchen Verhaltensforschern (u.a. Bloch) ja mittlerweile diskutiert, ober es nicht vernünftiger wäre, die Hunde nicht zu kastrieren, sondern zu sterilisieren - weil sie so ihre natürliche Rudelbildung weiterleben könnten. Das wird allerdings in Gegenden, wo Strassentiere und Menschen auf engem Raum zusammenleben, eher schwer zu vermitteln sein. Aber dort, wo die Hunde tatsächlich in Randgebieten (vielleicht schon halb verwildert) leben, könnte man das ins Auge fassen.

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